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Kommentar Das Chinabild in der Wirtschaft wandelt sich – vielleicht noch zur rechten Zeit

Über Jahre kannte die China-Euphorie in der Wirtschaft keine Grenzen. Viele gravierende Probleme wurden ignoriert. Doch endlich setzt ein Umdenken ein.
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Besonders für deutsche Autohersteller ist das China ein wichtiger Markt. Quelle: dpa
Autobahnkreuz in Schanghai

Besonders für deutsche Autohersteller ist das China ein wichtiger Markt.

(Foto: dpa)

Das Wachstum einiger deutscher Industriebranchen findet in erster Linie in China statt. Gäbe es die steigende Nachfrage der chinesischen Mittelschicht nicht, sähe es für die deutschen Autokonzerne schlecht aus. Chemieindustrie und Maschinenbauer, Mittelständler wie Dax-Konzerne haben jahrelang massiv in China investiert und verbuchen dort zum Teil satte Gewinne.

Umgekehrt zieht es mehr und mehr Chinesen nach Deutschland. Sie überschütten Unternehmen mit Geld, winken mit der Aussicht auf noch besseren Zugang zum riesigen chinesischen Markt. Die deutsch-chinesische Wirtschaftspartnerschaft wird seit Jahren als Erfolgsmodell gepriesen.

Doch der schöne Schein trügt. Dieser Erkenntnis trägt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nun Rechnung. Er stellt eine Reihe kritischer Fragen zum Thema China. Das ist neu.

Der Spitzenverband begibt sich mit seinem Vorstoß auf unsicheres Terrain. Das Bekenntnis zu freien Märkten gehört zur DNA des BDI. Die Not muss also groß sein, wenn die Industrie staatliche Regulierung zum Schutz vor Investoren einfordert; bislang hat die Wirtschaft aus Angst vor unfreundlichen Reaktionen der Chinesen gekuscht und die Fahne des Freihandels ohne Wenn und Aber hochgehalten. Das war konsequent, aber naiv und somit falsch.

Nun kommt das große Umdenken – vielleicht noch zur rechten Zeit.

Über Jahre kannte die Euphorie in der Wirtschaft keine Grenzen. Es gab Unternehmenslenker, die so berauscht waren von den Wachstums- und Gewinnaussichten, die sich im Reich der Mitte auftaten, dass sie gravierende Probleme nicht sehen wollten. Viele Manager nehmen noch immer billigend in Kauf, dass sie in China zum Know-how-Transfer gezwungen werden und chinesische Partner an ihrem Unternehmen beteiligen müssen. Sie lassen sich mitunter von Parteikadern gängeln oder müssen den Diebstahl geistigen Eigentums hinnehmen.

Seit Jahren gelobt die chinesische Staats- und Parteiführung Besserung. Tatsächlich vollzieht sich der Wandel zu einer offenen Volkswirtschaft in sehr kleinen Schritten. Die Ankündigungen der chinesischen Seite vermögen daher nicht mehr zu verfangen.

Die Argumentation der chinesischen Führung ist mitunter scheinheilig. China ist mittlerweile eine Wirtschaftsmacht mit globalem Führungsanspruch. In einigen Technologiefeldern liegen chinesische Unternehmen gleichauf mit ihren europäischen und amerikanischen Konkurrenten. In einzelnen Feldern setzen sie bereits zum Überholen an. Zugleich reklamieren die Chinesen aber noch den Status eines Schwellenlandes für sich.

Es geht hier nicht um ein harmloses Geplänkel zwischen der EU, speziell Deutschland, und China. Es geht vielmehr um die Verteilung von Wachstum und Wohlstand in den nächsten Jahrzehnten. China arbeitet mit größtem Ehrgeiz und immensen Mitteln daran, die Technologieführerschaft in sämtlichen industriellen Schlüsselbranchen zu bekommen. Dabei kämpfen die Chinesen mit harten Bandagen.

Mit aller Macht suchen chinesische Unternehmen nach Investitionsmöglichkeiten in Europa, vorzugsweise in Deutschland und vorzugsweise in Hightech-Branchen. Die Eigentümerstrukturen der chinesischen Unternehmen sind mitunter unklar. In vielen Fällen drängt sich der Eindruck auf, dass sie dabei helfen, eine staatliche Strategie umzusetzen.

Über Jahre wurden den Chinesen kaum kritische Fragen gestellt. Das änderte sich erst mit dem Fall des Augsburger Robotik-Konzerns Kuka. Es folgten die Fälle Aixtron, Leifeld und insbesondere 50Hertz. Seither ist einiges geschehen. Die Politik ist aufgewacht, deutlich früher als die Wirtschaft.

Die jüngste Reform der Außenwirtschaftsverordnung erschwert zumindest den Zugriff auf kritische Infrastruktur. Auch auf EU-Ebene wurden die Klingen geschärft: Immer dann, wenn der Verdacht besteht, dass ein Nicht-EU-Unternehmen mit Unterstützung des Heimatstaates agiert und dessen strategische Interessen verfolgt, soll die EU-Kommission genauer hinschauen dürfen und zur Not einschreiten können.

Das alles ist maßvoll und vernünftig. Nichts deutet im Übrigen darauf, dass jemand das Ziel verfolgt, die neuen Instrumente ständig einzusetzen. Es sollte genügen, sie im Schaufenster liegen zu haben. Die Wirtschaft hat die entsprechenden Reformvorhaben in den vergangenen Monaten und Jahren noch äußerst kritisch verfolgt.

Was der BDI jetzt fordert, ist nichts weiter als die konsequente Weiterentwicklung der zuletzt in Brüssel beschlossenen Maßnahmen. Zu den Kernforderungen des Verbands zählt, staatlich finanzierte Übernahmen europäischer Technologieunternehmen zu kontrollieren und notfalls zu verhindern. Wer wollte sich dieser Forderung widersetzen.

Der Wert offener Märkte ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Man kann diese offenen Märkte aber nicht gegen Gegner verteidigen, die nach ihren eigenen Regeln spielen.

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3 Kommentare zu "Kommentar: Das Chinabild in der Wirtschaft wandelt sich – vielleicht noch zur rechten Zeit"

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  • Als junger Ingenieur habe ich bereits 1988 Professoren und angebliche Studenten über die Baustellen von Großbauprojekten geführt und ihnen die technischen Inhalte dargestellt. Auffällig war schon zu damaliger Zeit wie stark ihr Interesse war elektronische Hilfsmittel(wie z.B. Disketten,USB-Sticks..) in Rechner solcher Großbaustellen oder Firmenrechner zum Beispiel unter dem Vorwand diese und jene Repräsentation gern mit nach China nehmen zu wollen. Aber an einem Beispiel an dem klar wird wie die Chinesen alle Bemühungen der deutschen Firmen hintertrieben haben und mit welcher Absicht? -- Nachdem die Firmen sich in China etabliert(immer mit Zwangspartnerschaften und damit Preisgabe von Know- How) wollten viele Firmen nach getätigten Geschäften ihre liquiden Mittel auch zur Finanzierungen ihrer Geschäfte in Deutschland einsetzen können, ….kurz sie kamen schlichtweg nicht an ihr sauer verdientes Geld. Anfang der 90er Jahre gab es nur wenige deutsche Firmen die in China überhaupt in der Lage waren Geld aus China heraus und technisches Gerät nach China hinein zu bekommen. Dabei sind seltsame Konstrukte entstanden weil nun viele Firmen (die nichts miteinander zu tun hatten) über die wenigen zugelassenen Firmen technisches Gerät eingeführt und Geld ausgeführt haben …… in den 90er Jahren! Nun wieder zurück zu Ihrem Artikel, er löst bei mir nur noch Schmunzeln aus, da seit ca. 30 Jahren weder die Unternehmen noch der BDI, geschweige denn die Bundesregierung jemals eine klare Position zu solch geschäftlichen Verhalten der Chinesen entwickelt haben. Deshalb lautet aus meiner Sicht die Frage nicht: …. vielleicht noch zur rechten Zeit? sondern: …. gibt es überhaupt noch einen Wirtschaftsbereich in dem man einen Schaden verhindern kann? Beispiele gefällig? Siehe Brasilien, Afrika, Südost Asien, usw.…….

  • Jemand, der kangfristig und vernetzt hsndelt, ist immer im Vorteil gegenüber jemandem, der erratisch und mit diversen politischen Kehrtwenden in der Gegend herumieiert. In den USYa haben zwar Konzerne und due Fed duese Rolle übernommen, aber auch ddas ist. halbwegs koordiniert.

    Industriepolitik und langfristige, strategische Austichtung ist ja nichts Neues und auch kein unfairer Wettbewerb.

  • "Über Jahre hinweg".... und "Jahrelang"..... diese Phrase lese ich ständig wenn es um die chinesische Wirtschaft,Europa und Deutschland geht.Forderungen,daß sich die Chinesen unserem System anpassen sollen.Aber wie sieht es umgekehrt aus?Passen wir uns dem chinesischen System an bzw.verstehen wir überhaupt die Vorgehensweise der Chinesen?Egal wie unsere Antwort lautet,auch wir haben Fehler gemacht und haben zu spät oder überhaupt noch nicht reagiert.Das Ergebnis lesen wir jetzt in den gängigen Wirtschaftsnachrichten.Aber noch ist es nicht zu spät.Vielleicht sollte die EU und Deutschland mal ein paar weiter Schritte unternehmen,um das Schiff noch in das richtige Fahrwasser zu leiten.