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Kommentar Das Coronavirus bedroht das Geschäftsmodell der Autobauer

Die Zwangspausen in chinesischen Autowerken werden immer länger. Die Konzerne müssen reagieren, sonst drohen auch auf den heimischen Märkten Einschnitte.
16.02.2020 - 15:54 Uhr Kommentieren
Coronavirus bedroht Geschäftsmodell der Autobauer – ein Kommentar Quelle: dpa
Coronavirus - Checkpoint in China

Der Ausbruch des Coronavirus schadet der globalen Autoindustrie.

(Foto: dpa)

Ohne China geht nicht mehr viel bei den meisten großen Automobilherstellern dieser Welt. Während die Verkaufszahlen in den westlichen Industrieländern wie den USA oder Deutschland nur noch marginal wachsen, ist es in China in den zurückliegenden 20 Jahren fast nur nach oben gegangen. Die Volksrepublik ist zum größten Automarkt der Welt aufgestiegen, sehr zum Vorteil großer westlicher Konzerne wie Volkswagen oder Toyota.

Beim Wolfsburger VW-Konzern ist daraus schon eine gewisse Abhängigkeit vom chinesischen Markt entstanden. Knapp 40 Prozent aller weltweit verkauften Fahrzeuge setzt Volkswagen allein in China ab. Jedes Jahr überweisen die chinesischen Joint Ventures mehr als drei Milliarden Euro nach Niedersachsen. Bei Daimler und BMW sieht es nicht viel anders aus: Auch für die beiden Premiumhersteller ist China der wichtigste Absatzmarkt geworden.

Doch plötzlich hat sich dieses über Jahre eingespielte Business-Modell komplett gedreht. Eine neue und unbekannte Krankheit führt dazu, dass die Autoproduktion in China in vielen Werken ruht und Kunden dort im Moment nur selten an Autokauf denken. Für die westlichen Konzerne ist das eine gefährliche Situation: Der stete Ertragsstrom aus China ist gekappt worden. Geld fehlt, das die gesamte Branche aktuell doch so dringend braucht.

Die Corona-Krise trifft die Automobilindustrie im völlig falschen Moment. Durch die anstehende Digitalisierung und die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten ist die Autobranche extrem belastet – diese Transformation verschlingt gewaltige Milliardenbeträge. Beispiel Volkswagen: Allein für den Einstieg in die Elektromobilität will der VW-Konzern bis zum Jahr 2024 etwa 33 Milliarden Euro investieren.
Wenn die Produktion in China nicht bald wieder zu gewohnten Bedingungen aufgenommen werden kann, droht die Transformation der Automobilindustrie ins Stocken zu geraten: weil in den heimischen Konzernzentralen nicht ausreichend Geld ankommt.

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    Es sieht nicht danach aus, dass die Corona-Epidemie etwa in der Krisenprovinz Hubei bald ihren Höhepunkt erreicht hätte. Die Produktionsausfälle im Januar sind zwar noch weitgehend verkraftbar. Wegen des zeitlich versetzten chinesischen Neujahrsfestes war sowieso klar, dass im ersten Monat des Jahres 2020 weniger Autos produziert werden würden.

    Februar könnte Komplettausfall werden

    Nun zeichnet sich jedoch mit aller Deutlichkeit ab, dass der Monat Februar mehr oder minder zu einem Komplettausfall wird. Auch wenn einige Autofabriken wieder arbeiten: Vor allem im Süden sind große Teile der chinesischen Fahrzeugproduktion unverändert lahmgelegt, für Autohersteller und Zulieferer gilt das gleichermaßen. Schon gibt es die ersten warnenden Stimmen aus China, dass sich die Lage auch im März nur unwesentlich verbessern wird.

    Zusätzlich droht noch ein anderes Problem: Die chinesischen Automobilzulieferer sind in den zurückliegenden zehn Jahren immer stärker in die globalen Lieferketten hineingewachsen. Bauteile aus China werden also auch in deutschen und anderen europäischen Autofabriken verwendet.

    Das Problem der Produktionsstopps könnte sich also aus China heraus in andere Regionen der Welt verlagern, wenn die Corona-Krise noch länger anhält. Am Freitag meldete beispielsweise der Fiat-Konzern, dass die Produktion in einem Werk in Serbien wegen fehlender Teile aus China gestoppt werden musste. Zum ersten Mal ist also ganz konkret eine Fabrik in Europa betroffen.

    In ihren westlichen Heimatmärkten können es sich die großen Autokonzerne kaum erlauben, bei der Transformation plötzlich auf die Bremse zu treten, nur weil die Produktion in China stockt. In Europa etwa müssen in diesem Jahr verstärkt neue Elektromodelle produziert werden, um die verschärften Emissionsgrenzen beim Kohlendioxid einhalten zu können. Herstellern, die diese neuen Elektrofahrzeuge nicht im Programm haben, drohen empfindliche Milliardenstrafen.

    Allein die Hoffnung, dass China sein Corona-Problem schon bald in den Griff bekommen könnte, wird den großen Autokonzernen in der aktuell wenig überschaubaren Situation kaum weiterhelfen können. Die Hersteller müssen mehr tun und sich auf eine längere Durststrecke vorbereiten – und nicht erst im Frühsommer, sondern jetzt.

    Es ist ein wenig beliebtes Wort: Aber wenn das Coronavirus noch für längere Zeit für Schlagzeilen sorgt, wird die Automobilindustrie nicht um neue Sparprogramme an heimischen Standorten herumkommen. Eine Antwort könnte auch darin bestehen, dass Unternehmen und Gewerkschaften bei den in Deutschland anstehenden Tarifverhandlungen in der Metallindustrie mit Bescheidenheit agieren. Wenn Geld aus China fehlt, kann es in Deutschland nicht verteilt werden.

    Die Volksrepublik ist für die Automobilindustrie unverzichtbar geworden. Niemand darf hierzulande darüber hinwegsehen, was aktuell in China passiert.

    Mehr: Die neuestens Entwicklungen zum Coronavirus finden Sie auf dieser Spezial-Seite.

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