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Ein Brasilianerin kehrt aus Wuhan zurück

Was die Krise noch gefährlicher macht, ist Chinas heute sehr viel größeres Gewicht in der Welt.

(Foto: Reuters)

Kommentar Das Coronavirus infiziert die Konjunktur

Je mehr Peking gegen Corona vorgeht, desto größer sind die Folgen für die Realwirtschaft. Chinas Gewicht in der Welt macht die Krise gefährlich.
09.02.2020 - 14:04 Uhr Kommentieren

Entwickelt sich das Coronavirus zu einem größeren „Schwarzer Schwan“ als die globale Finanzkrise 2008? Das fürchtet der Chefökonom der Ratingagentur Moody’s, John Lonski. Als Schwarzer Schwan wird ein extrem unwahrscheinliches Ereignis an der Börse und in der Wirtschaft bezeichnet. Bis zum Wochenende hatten sich weltweit knapp 40.000 Menschen mit dem Virus infiziert, über 800 sind inzwischen gestorben.

Zum Vergleich: Bei der letzten größeren Grippewelle vor zwei Jahren starben allein in Deutschland 25.100 Menschen. Insofern erscheint Lonskis Horrorvision auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Doch das sind nur Statistiken. Die Realität sieht anders aus. Während bei einer Grippewelle das Leben für die Gesunden normal weitergeht – trotz großer und oft tödlicher Ansteckungsgefahr in Bussen, Bahnen und Betrieben –, ruht angesichts des Coronavirus die Wirtschaft in weiten Teilen Chinas.

Selbst wenn Peking jetzt versucht, wieder zur Normalität zurückzukehren und einige chinesische Betriebe die Arbeit wieder aufnehmen. Starbucks hat 2000 Filialen geschlossen, McDonald’s Hunderte Restaurants und Ikea alle 30 Möbelhäuser in der Volksrepublik. Landesweit haben viele Unternehmen den Betrieb nach wie vor eingestellt, inzwischen so gut wie alle Autozulieferer.

Auch internationale Konzerne sind betroffen: Der südkoreanische Autobauer Hyundai setzt bis auf weiteres seine gesamte Produktion im Heimatland aus, weil Bauteile aus China fehlen. Toyota, Honda, Volkswagen, BMW und viele andere verlängerten in China die Werksferien, Shenyang ist mit 18.000 Mitarbeitern der weltweit größte BMW-Standort.

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    Als die Krise um die Lungenkrankheit Sars vor 17 Jahren ebenfalls China heimsuchte, waren die wirtschaftlichen Auswirkungen bereits erheblich: weniger Handel, weniger Reisen und Verluste an den Aktienmärkten. Doch Chinas Wirtschaft wuchs mit zweistelligen Prozentraten und konnte die Krise rasch überwinden. Als Vergleich für die aktuelle Situation taugt die Sars-Epidemie wenig.

    Es drohen bleibende Einbußen

    Realwirtschaftlich stand damals die Weltkonjunktur nach einer langen Durststrecke vor einer Erholung. Jetzt trifft das Virus auf eine ohnehin geschwächte chinesische Wirtschaft, die so langsam wächst wie seit 30 Jahren nicht mehr, und auf einen Welthandel, der so langsam zulegt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Da wirkt das Coronavirus lähmend.

    Was die Krise noch gefährlicher macht, ist Chinas heute sehr viel größeres Gewicht in der Welt: Trug das Land nach der Jahrtausendwende vier Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei, sind es heute gut 15 Prozent. Die globalen Lieferketten wie etwa zwischen Maschinenbauern, der Automobilwirtschaft und ihren Zulieferern sind viel verflochtener. Viele internationale Produzenten setzen in China mehr Waren ab als in jedem anderen Land, Volkswagen verkauft dort 40 Prozent seiner Autos.

    Wie damals wird es zwar auch diesmal zu positiven Effekten kommen, sobald das Virus erfolgreich bekämpft ist. Die Verbraucher holen ihre aufgeschobenen Anschaffungen nach, kaufen Autos, Uhren und Kleider. Die Zulieferer fahren ihre Produktion wieder hoch, sobald bei den Unternehmen mit Endkunden die Aufträge wieder steigen.

    Allerdings ist der Anteil von Dienstleistungen an der chinesischen Wirtschaftskraft von damals weniger als 40 auf jetzt 50 Prozent gestiegen. Dienstleistern wie Gastronomen drohen bleibende Einbußen, weil der ausgefallene Konsum ja nicht nachgeholt werden kann. Wie groß die Auswirkungen am Ende sein werden, vermag niemand zu sagen, solange das Ende der Epidemie samt Zwangsferien für Millionen Firmenmitarbeitern ungewiss ist.

    Mehr Todesfälle durch Coronavirus als durch Sars

    Doch eines ist schon jetzt absehbar: Sobald die Unternehmen ihre Bilanzzahlen für die ersten Wochen und Monate des Jahres überschlagen, werden sich ihre Gewinnaussichten verdüstern, besonders die der vielen exportstarken deutschen Unternehmen mit starkem China-Geschäft. Bei Daimler und Volkswagen wackeln bereits die Gewinnprognosen.

    Gewinnzuwächse von gut zehn Prozent, wie sie Analysten im Schnitt für die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr erwarten, sind angesichts ihres China-Anteils von 15 Prozent am Gesamtumsatz schon jetzt nicht mehr zu halten. Nie zuvor in der Weltgeschichte ist ein einzelnes Land und sind internationale Konzerne so entschlossen gegen eine Krankheit vorgegangen, indem sie weite Teile des Personen- und Warenverkehrs, des Dienstleistungs- und Verarbeitenden Gewerbes einschränken.

    Deshalb werden die Auswirkungen für die Weltkonjunktur stärker ausfallen als bei vorangegangenen Epidemien. Doch zu einem weltweiten Abschwung und einer schweren Rezession wie 2009, als Deutschlands Wirtschaft so stark eingebrochen war wie nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte, muss es nicht kommen. Gewinnen die Mediziner in den nächsten Wochen den Kampf gegen Corona, dürfte der Schwarze Schwan nicht so bedrohlich sein wie in der Finanzkrise 2008.

    Mehr: Die Angst vor dem Coronavirus ist groß in Russland. Die russische Führung versucht, mit populistischen Maßnahmen dadurch profitieren zu können.

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