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Kommentar Das Coronavirus offenbart die Fehler der Globalisierung

Der Ausbruch der Corona-Seuche zeigt die Schieflage zwischen wirtschaftlicher und politischer Globalisierung. Sind wir mit der Vernetzung zu weit gegangen?
27.02.2020 - 15:40 Uhr 1 Kommentar
Die Corona-Krise legt das Virus des Zweifels in die offene Wunde einer globalisierten Welt. Quelle: dpa
Coronavirus

Die Corona-Krise legt das Virus des Zweifels in die offene Wunde einer globalisierten Welt.

(Foto: dpa)

Schon bevor das Coronavirus globale Lieferketten kappte, Grenzen schloss, Züge stoppte und Misstrauen gegen Fremde mit chinesischem Aussehen weckte, war die Idee einer globalisierten Welt stark angeschlagen.

Vor allem der Feldzug Donald Trumps gegen die „Globalisten“ mit Strafzöllen und Technologieembargos hat die jahrzehntelange Öffnung und Vernetzung der Weltwirtschaft zum Stillstand gebracht. Die Globalisierung gehört deshalb zu der am meisten gefährdeten Risikogruppe der neuen Seuche, weil sie bereits vor deren Ausbruch arg geschwächt war.

Für alle, die geglaubt haben, die globale wirtschaftliche Vernetzung mit ihren internationalen Wertschöpfungs- und Lieferketten ließe sich nicht mehr rückgängig machen, liefert das Coronavirus den Gegenbeweis. Innerhalb von Tagen werden Fabriken geschlossen, Lieferungen gestoppt und ganzen Wirtschaftsregionen unter Quarantäne gestellt.

Ein Decoupling, also eine wirtschaftliche Abkopplung, ist nicht nur möglich, sondern vielerorts bereits Realität. Insbesondere China, die Fabrik der Welt, ist quasi über Nacht zu einem Hochrisikoland geworden. Mehr als 5.000 deutsche Unternehmen sind dort nach Angaben des BDI derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt. Weltweit denken Konzerne plötzlich darüber nach, wie sie die Abhängigkeit zum einstmals so verlockenden chinesischen Markt wieder verringern können.

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    Der Reflex auf das sich in Windeseile verbreitenden Virus, sich in nationale Trutzburgen abzuschotten, ist zwar verständlich, aber hilflos. Versuchen wir doch eine Pandemie im 21. Jahrhundert mit den Methoden des Mittelalters zu bekämpfen. Aber auch schon damals hat die Abschottung gegen die Pest nicht geholfen.

    Das Coronavirus trifft heute offene wie geschlossene Volkswirtschaften gleichermaßen, verunsichert Demokratien genauso wie autoritäre Regime. Während der Protektionist Trump Amerika in Sicherheit wiegt, meldet Kalifornien den ersten Ansteckungsfall ohne Verbindungen zum Ausland. „Die Welt hat keine unüberwindlichen Grenzen mehr,“ schreibt der italienische Soziologe Ilvo Diamanti. Vielleicht, hoffentlich, lässt sich das Virus eindämmen, die Angst davor und die Verunsicherung daraus machen jedoch vor keinem Schlagbaum halt.

    Pandemien lassen sich nur gemeinsam bekämpfen

    Dennoch legt die Corona-Krise das Virus des Zweifels in die offene Wunde einer globalisierten Welt. Sind wir mit der Vernetzung zu weit gegangen? Im Gegenteil. Wir haben die wirtschaftliche Globalisierung zwar auf die Spitze getrieben, aber politisch sind wir auf halber Strecke stehengeblieben.

    Pandemien lassen sich wie der Klimawandel nur gemeinsam und global bekämpfen. Dafür fehlt es jedoch bislang an Vertrauen und Offenheit. Und wo Vertrauen und Transparenz fehlen, macht sich schnell Angst breit. Das bekommt im Moment vor allem China zu spüren.

    Aber auch in Europa verunsichern widersprüchliche Empfehlungen die nervöse Bevölkerung: Frankreich schickt Rückkehrer aus der Krisenregion in Norditalien in die Quarantäne, deutsche Bundesländer raten den Heimkehrern, zum Arzt zu gehen und die italienische Regierung versichert, man könne ohne Sorge im Land reisen.

    „Die einzige Sache, die wir fürchten müssen, ist die Angst selbst“, sagte einst der frühere US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Das war inmitten der Weltwirtschaftskrise 1933, also in Zeiten großer Unsicherheit. Auch heute sind es nicht die weltweit geringen Ansteckungszahlen oder die vergleichsweise geringe Sterblichkeitsrate. Diese haben zwar Chinas Wirtschaft zum Stillstand, und den Rest der Weltwirtschaft ins Stottern gebracht. Es ist aber vor allem die fast panikartige Angst, die sich viel schneller ausbreitet als das Virus selbst.

    Wie schnell wir uns davon befreien können, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die sich Regierungen wie nach den Terroranschlägen auf die USA 2001 und nach der Finanzkrise 2008 zusammenfinden und mit gemeinsamen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Wirtschaft einer weltweiten Panik entgegenstemmen.

    Mehr: So schützen Sie sich vor dem Coronavirus.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Das Coronavirus offenbart die Fehler der Globalisierung"

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    • Die globale wirtschaftliche Vernetzung ist zu weit gegangen. Je stärker diese Art der Vernetzung ist, bei der es immer nur um die kostengünstigsten Produktionsbedingungen geht, um so anfälliger ist das System für Störungen.
      Wir brauchen mehr Redundanz und Diversität im Wirtschaftssystem, besonders bei essentiellen Wirtschaftsgütern. Das mag zwar etwas auf Kosten die Profitabilität und des globalen Wirtschaftswachstums gehen, aber erhöht deutlich die Robustheit der Weltwirtschaft gegenüber Störungen.

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