Autoproduktion

Autos von BMW bei der Endkontrolle im BMW-Werk Leipzig.

(Foto: dpa)

Kommentar Das Ende der Autoindustrie, wie wir sie kennen

Die EU will der Autoindustrie neue Klimaziele setzen. Damit ist klar: Der Verbrennungsmotor hat keine große Zukunft mehr.
4 Kommentare

Die EU-Umweltminister haben sich geeinigt: Bis 2030 muss die Autoindustrie im Vergleich zu 2020 weitere 35 Prozent Kohlendioxid einsparen. Klimaschützer murren, da wäre mehr drin gewesen. Die Autoindustrie stöhnt, die Vorgaben seien zu hoch. Die Politik ist froh, dass sie bei dem heiklen Thema überhaupt einen Kompromiss gefunden hat.

Tatsächlich hat der Kompromiss von Luxemburg weitreichende Folgen. Die Vorgaben der EU markieren das Ende der Autoindustrie, wie wir sie kennen.

Schon heute haben vor allem die deutschen Hersteller große Probleme, die Vorgaben für 2021 einzuhalten. Dann darf die Neuwagenflotte im Schnitt nur noch 3,6 Liter Diesel pro hundert Kilometer verbrauchen.

Mit der weiteren Reduktion von 35 Prozent fordert die EU Ende des kommenden Jahrzehnts das 2,5-Liter Auto. Jeder Motorentwickler weiß: Mit reinen Verbrennungsmotoren ist das nicht zu machen.

Die Autoindustrie hat nur noch die Chance, mit Hybrid- und Batterieantrieben gegenzusteuern. Schon jetzt richten sich Daimler, BMW und der VW-Konzern darauf ein, bis 2025 ein Drittel ihrer Neuwagenflotte zu elektrifizieren.

Mit den neuen Vorgaben der EU wird dieser Wert bis 2030 auf 50 bis 70 Prozent steigen müssen. Der Verbrennungsmotor, das bislang größte Asset der deutschen Autohersteller, ist dann nur noch eine Nische.

Dieser Prozess wird nun sehr schwierig – auch weil die Autoindustrie der Entwicklung mindestens fünf Jahre hinterherhinkt. Statt das Gewicht der Autos zu reduzieren, züchtete man immer größere Geländewagen, die nur mit hohem Energieaufwand bewegt werden können. Statt in neue Antriebe zu investieren, blieb man beim Diesel, den man nicht sauber bekommen wollte oder konnte.

Auf die erfolgsverwöhnten Autohersteller kommen jetzt sehr unruhige Zeiten zu. Nur mit zusätzlichen Entwicklungsaufwendungen und Investitionen wird sich die Transformation in das Elektrozeitalter finanzieren lassen.

An der Börse ist das Vertrauen in die Wandlungsfähigkeit der Unternehmen gering: Daimler, BMW und Volkswagen sind trotz Milliardengewinnen seit Jahren Schlusslicht im Deutschen Aktienindex. Die Börse handelt eben mit der Zukunft.

VW-Vorstandschef Diess: „Bis zu 100.000 Jobs bedroht“

Startseite

Mehr zu: Kommentar - Das Ende der Autoindustrie, wie wir sie kennen

4 Kommentare zu "Kommentar: Das Ende der Autoindustrie, wie wir sie kennen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sieht nicht so aus, dass außer in Europa derart starke CO2-Einschränkungen umgesetzt werden. Und in Europa ist es dann anderen Europäern egal oder mit Schadenfreude bedacht, wenn die deutsche Autoindustrie geschwächt wird, wenig verdient und die Arbeitslosigkeit steigt. Und die Autohersteller anderer Länder weltweit freuen sich über die strauchelnde Konkurrenz. Die Rechtssicherheit für den Autokauf ist verloren, sieht man an den Fahrverboten, d.h. z.B. für mich, dass ich keine Autos mehr kaufe und nur noch lease. Damit falle ich schon als Neuwagenkäufer aus. Ich bin mal aus Umweltgründen auf den Diesel umgestiegen, wurde gefördert und empfohlen. Deutschland wird zunehmend unverlässlicher und chaotischer.

  • ... und mit kleinen, leichten und ökotauglichen Weiterentwicklungen der Marke "Trabant" mit max. 25PS. Und dem ruhigen Gewissen, endlich einmal die Welt zu retten, gefolgt von der späten Erkenntnis, die maßgebliche Industriesparte Deutschlands ruiniert zu haben, gute Autos woanders gebaut und gefahren werden und als 80Mio Völkchen die Welt doch nicht gerettet zu haben.

  • Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie hierzulande der Hybrid-Antrieb lächerlich gemacht wurde und der Diesel als allein seelig machend gepriesen wurde. Und tatsächlich: Warum muss Deutschland das einzige Land ohne Geschwindigkeitsbegrenzung bleiben?

  • Beginnen wir mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km / h auf Autobahnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%