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Kommentar Das Ende der Sorglosigkeit an den Aktienmärkten ist ein gutes Zeichen

Der Dax bricht ein: Investoren sehen die wirtschaftliche Lage wieder realistischer. Ein Crash wie zu Jahresbeginn ist aber nicht zu befürchten.
01.11.2020 - 15:44 Uhr Kommentieren
In den vergangenen drei Wochen hat der Dax rund zwölf Prozent verloren. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Kurstafel und Bildschirme an der Frankfurter Börse

In den vergangenen drei Wochen hat der Dax rund zwölf Prozent verloren.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Noch vor drei Wochen war die Welt an den Aktienmärkten in Ordnung – erstaunlicherweise, wenn man bedenkt, dass die Realwirtschaft in vielen Teilen der Welt den größten Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu verkraften hatte. Der Dax notierte bei mehr als 13.000 Punkten, und die US-Börsen näherten sich ihren Allzeithochs von Anfang September.

Die Folgen der Corona-Pandemie schienen für die Investoren mehr oder weniger abgehakt – und das, obwohl schon zu diesem Zeitpunkt die Neuinfektionen wieder stiegen und Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits Ende August vor einem dramatischen Anstieg der Neuansteckungen gewarnt hatte.

Doch die Investoren ignorierten die Warnungen. Als wäre nichts gewesen, setzten sie auf eine rasante Erholung der Wirtschaft und der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr, getrieben durch die billionenschweren Hilfspakete der Regierungen und der Notenbanken. Dabei hatten sich die Börsen mit ihrer rasanten Rally seit dem Corona-Crash zwischen Mitte Februar und Mitte März schon im Sommer nach Meinung der meisten Strategen von der wirtschaftlichen Entwicklung viel zu deutlich abgekoppelt.

Jetzt hat die Sorglosigkeit ein Ende gefunden. Und das ist gut so, auch wenn der bisherige Einbruch an den Börsen schnell und schmerzhaft kam. Allein in der vergangenen Woche hat der Dax mehr als achteinhalb Prozent an Wert eingebüßt, seit Mitte Oktober summiert sich der Verlust auf rund zwölf Prozent. Damit befinden sich die Märkte in einer sogenannten Korrekturphase, von der Börsianer sprechen, wenn ein Index oder eine Aktie seit ihrem letzten Hoch mindestens zehn Prozent an Wert verloren hat.

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    Solche Korrekturen sind alles andere als ungewöhnlich. In den USA sind die Kursverluste zwar noch nicht ganz so ausgeprägt, aber auch an der Wall Street ging es zuletzt mit den Notierungen deutlich nach unten.

    Lockdown hat Investoren kalt erwischt

    Zu Ende ist die Korrektur wohl noch nicht. Der erneute Lockdown mit einer weitgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens nicht nur in Deutschland hat Investoren kalt erwischt. Daneben hat in Deutschland die Gewinnwarnung von SAP den Investoren vor Augen geführt, dass die Pandemie selbst an den lange Zeit als unverwundbar geltenden Technologiekonzernen nicht spurlos vorübergeht. Als Folge der Krise suchen nahezu alle Unternehmen nach Einsparmöglichkeiten und prüfen deshalb auch ihre IT-Investitionen.

    Dazu kommt die Unsicherheit vor den US-Wahlen am 3. November. Dabei geht es gar nicht mehr darum, ob Joe Biden das Rennen in das Weiße Haus gewinnt. Mit einem möglichen US-Präsidenten Biden hat sich die Wall Street, die lange Zeit Donald Trump klar favorisierte, arrangiert.

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    Höhere Steuern unter Biden werden aus Sicht der Investoren durch eine verlässlichere Außenpolitik und ein Mehr an Staatsausgaben ausgeglichen. Dazu kommt, dass Anleger Biden mit Blick auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie mehr zutrauen als Trump.

    Sorgen macht Investoren aber ein womöglich langes Tauziehen um die Präsidentschaft. Sollte es sehr knapp werden, lange kein Sieger feststehen oder Trump das Wahlergebnis anzweifeln, droht der Wall Street laut Analysten im schlimmsten Fall ein Rückschlag von 20 Prozent.

    Ob es so kommt, lässt sich seriös noch nicht vorhersagen. Wenn aber nicht die ganz große Unsicherheit rund um den US-Wahltag ausbricht, werden die Börsen wohl nicht so deutlich fallen wie im ersten Corona-Crash, der den Dax um bis zu 40 Prozent und den US-Leitindex S&P 500 um rund ein Drittel einbrechen ließ.

    Was gegen einen neuen Crash spricht

    Gegen einen solchen massiven Einbruch sprechen mehrere Faktoren: Der neue Lockdown ist weniger hart als der im Frühjahr, weil er Industrie und Handel weniger hart trifft. Die Grenzen bleiben geöffnet, die Lieferketten sind nicht gefährdet. Die Wirtschaft in China ist wieder auf Kurs, die Rettungspakete in Europa sind geschnürt, und die Europäische Zentralbank hat für Dezember weitere geldpolitische Lockerungen in Aussicht gestellt.

    In den USA wird zwar noch über ein zweites Konjunkturpaket gestritten, doch Ökonomen gehen fest davon aus, dass es dieses Paket und umfassende staatliche Investitionen in die Infrastruktur geben wird – egal unter welchem Präsidenten. Und auch die US-Notenbank wird wohl die Leitzinsen für die nächsten Jahre nahe null Prozent halten, unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt.

    Hinzu kommt: Die Forschung an einem Impfstoff gegen Covid-19 läuft auf Hochtouren. Sobald es hier weitere positive Nachrichten gibt, werden die Märkte ihren Aufschwung wieder aufnehmen. Auch weil im Umfeld der niedrigen Zinsen unverändert gilt: Wer die Chance auf Gewinne haben will, kommt um Aktien nicht herum.

    Der bisherige Abschwung tut den Börsen gut, weil er die wirtschaftliche Lage zumindest wieder etwas realistischer abbildet. Die inzwischen niedrigeren Bewertungen schaffen das Fundament für mittelfristig wieder steigende Kurse. Das gilt auch deshalb, weil Umfragen zeigen, dass institutionelle Investoren zuletzt wieder ihre Cash-Quoten erhöht haben. Dieses Geld wartet darauf, erneut angelegt zu werden.

    Mehr: Sparen in einer Welt ohne Zinsen: Auf diese drei Dinge kommt es dabei an

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