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Kommentar Das Fusions-Aus von FCA und Renault ist eine Mahnung an die Politik

Regierungen sollten sich nicht als Sanierer von Firmen verstehen. Sie sollten sich auf ihre Kernaufgaben besinnen: das Schaffen guter Rahmenbedingungen.
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Warum die Fusion von Fiat Chrysler und  Renault letztlich nicht zustande gekommen ist, ist unklar. Quelle: Reuters
Die Logos von Renault und Fiat

Warum die Fusion von Fiat Chrysler und Renault letztlich nicht zustande gekommen ist, ist unklar.

(Foto: Reuters)

Diese Entwicklung hatte keiner auf dem Radar. Fiat Chrysler (FCA) zieht sein Fusionsangebot an Renault zurück, noch bevor der Verwaltungsrat des französischen Autoherstellers entschieden hat, ob verhandelt werden soll oder nicht. Über die Gründe ist nach wie vor wenig bekannt. Es scheint sich eine weitere Wende abzuzeichnen: Insider berichteten am Montag, dass die Autobauer einen neuen Anlauf für Fusionsgespräche planen.

Der Versuch von FCA aber, allein das Zaudern der französischen Regierung für das Scheitern verantwortlich zu machen, wirkt wenig überzeugend. Dem FCA-Management muss von vornherein klar gewesen sein, dass die Regierung in Paris mitreden wird. Schließlich ist sie Anteilseigner von Renault. Wahrscheinlich hat auch die nationalkonservative Regierung in Rom mitgemischt.

Unabhängig davon, was genau hinter den Kulissen geschah – der Fall FCA/Renault ist eine Mahnung an die Politiker, sich nicht als Retter, Sanierer oder gar strategische Gestalter von privatwirtschaftlichen Unternehmen zu versuchen. Beispiele, die zeigen, dass ein solches Vorgehen schiefgeht, gibt es viele – in der älteren wie in der jüngeren Geschichte.

Ein aktuelles Beispiel ist die Fluggesellschaft Alitalia. Seit rund zwei Jahren ist die Airline insolvent. Seitdem wird sie von der italienischen Regierung mit Staatsgeld in der Luft gehalten. Am 15. Juli läuft die zigmal verlängerte Frist für eine Lösung aus. Doch die ist nach wie vor nicht in Sicht. Interessenten wie Lufthansa oder Easyjet scheuen ein Engagement, weil die Regierung in Rom die dringend benötigten harten Sanierungseinschnitte ablehnt und zudem als Aktionär an Bord bleiben will.

In Deutschland versuchte sich wiederum vor einigen Wochen Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Strategieberater im Bankwesen. Doch die Idee eines Zusammenschlusses von Commerzbank und Deutscher Bank – mindestens ebenso komplex und fragwürdig wie die eines gemeinsamen Autokonzerns aus FCA und Renault – scheiterte bekanntlich. Dazu gesellen sich historische Beispiele wie die fehlgeschlagene Rettung des Baukonzerns Philipp Holzmann im Jahr 2002.

Nun muss man mit einem pauschalen Urteil über diese Fälle vorsichtig sein. Alle haben ihre Besonderheiten. Und nicht immer ist die Einmischung des Staates bei den Unternehmen per se schlecht. Dass nun die französische Regierung ihre Bedenken frühzeitig äußerte, kann sich noch als Segen für Renault erweisen.

Der FCA-Fall weist auf Kernproblem staatlicher Einflussnahme hin

Denn das Vorhaben des italienisch-französisch-amerikanischen Autoriesen – eventuell noch unter Einbindung der japanischen Nissan – konnte allenfalls in den Powerpoint-Präsentationen der Berater punkten. An der Realität wäre es wohl krachend gescheitert. Dennoch weist auch der FCA-Fall auf das Kernproblem einer staatlichen Einflussnahme auf privatwirtschaftliche Unternehmen hin: Die Ziele der Politik und die der Unternehmen sind nicht deckungsgleich.

Die Regierungen wollen Standorte und Jobs sichern. Die Manager wollen ihr Unternehmen zukunftsfest machen. Das kann zunächst auch den Verlust von Werken und Arbeitsplätzen bedeuten, zahlt sich, wenn es gut läuft, aber mittelfristig aus. Auch wenn gerade Managern gerne zu kurzfristiges Denken vorgeworfen wird – die Politik denkt in noch kürzeren Perioden. Die reichen von Wahl zu Wahl. Und irgendwo wird immer gewählt.

Die Deutsche Bahn ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwer sich Politiker damit tun, vorausschauend zu entscheiden. Obwohl der Investitionsstau beim Staatskonzern seit Jahren bekannt ist, wurde nichts getan. Zu der fehlenden Kompatibilität der Ziele von Politik und Unternehmen gesellt sich seit Kurzem ein weiteres Problem: die wachsende Entfremdung zwischen Wirtschaft und Politik. In vielen Ländern erweisen sich die Regierungen entweder als weitgehend handlungsunwillig oder aber als sprunghaft und unzuverlässig.

Ob bei den Themen Zölle, Klimaschutz oder Regulierung – die Manager fühlen sich alleingelassen. Hinzu kommt ein zunehmend rauer Umgangston. In Italien etwa wurde der Benetton-Konzern ohne Beweise von der Politik wegen des Brückeneinsturzes in Genua heftig attackiert. Wenige Monate später soll das Unternehmen nach der Vorstellung der Regierung Alitalia retten.

So etwas steigert nicht das gegenseitige Verständnis. Die Sorge wächst, dass sich diese Situation in den kommenden Jahren verschärfen wird. Denn der Ton in der Politik wird immer nationalistischer. Auch die Idee von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, nationale Champions zu formen, ist am Ende nationalistische Wirtschaftspolitik. Die funktioniert in der global vernetzten Welt aber nicht mehr.

Das Aus für den geplanten Mega-Autokonzern aus FCA und Renault ist eine eindringliche Mahnung an die Regierungen – egal welcher Couleur –, sich wieder auf das zu besinnen, was ihre Kernaufgabe ist: das Schaffen guter Rahmenbedingungen. Hier können die Politiker ihre wirtschaftspolitische Kompetenz viel besser unter Beweis stellen.

Mehr: Raytheon und United Technologies planen einen Zusammenschluss. Das neue Unternehmen könnte einen Marktwert von mehr als 120 Milliarden Dollar haben.

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