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Kommentar Das Glyphosat-Verbot ist ein Schlag für Bayer und die Agrochemie

Das Glyphosat-Verbot hat weitreichende Konsequenzen für die Landwirtschaft und die Pflanzenschutzhersteller. Aber das allein wird die Bienen nicht retten.
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Das Bayer Werk in Leverkusen. Nach der Monsanto-Übernahme war die Klageflut gegen Bayer wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat gestiegen. Quelle: dpa
Bayer Werk in Leverkusen

Das Bayer Werk in Leverkusen. Nach der Monsanto-Übernahme war die Klageflut gegen Bayer wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat gestiegen.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung hat sich festgelegt: Ab dem Jahr 2024 soll der Unkrautvernichter Glyphosat in Deutschland verboten werden. Und das wird dann wohl auch für die Europäische Union gelten, weil mehrheitsentscheidende Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich gegen eine neue Zulassung votieren werden.

Die Entscheidung der Bundesregierung ist vor allem politisch motiviert. Sie ist ein Signal an eine in Fragen des Umweltschutzes hoch sensible Bevölkerung: Seht, wir nehmen das Insektensterben ernst und tun etwas dagegen. Das Thema will sie nicht den Grünen überlassen. Und wenn Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagt, es müsse wieder mehr „brummen und summen“, dann weiß sie den Großteil der Menschen auf ihrer Seite. Ein Verbot des in Sicherheitsfragen ohnehin schwer angeschossenen Glyphosats ist ein politisch geeignetes Symbol.

Die Frage ist, ob ein mehr an Brummen mit einem Glyphosat-Ausstieg erreicht wird. Das Insektensterben hängt mit vielen Faktoren zusammen, die zu einem Verlust an Lebensraum für die Lebewesen führen. Der eine ist die zunehmende Verstädterung und Versiegelung einstiger Grünflächen. Der andere ist die Entwicklung in der Landwirtschaft, die auf engem Raum immer intensiver betrieben wird. Dass statt bunter Blumenwiesen mehr braune Ackerfläche zu sehen ist, liegt nicht nur, aber auch am massenhaften Einsatz von Chemie. Die Bauern sichern sich so ihre hohen Ernteerträge.

So gesehen müsste die Regierung konsequenterweise alle Unkrautvernichtungsmittel verbieten. Denn nach dem Aus für Glyphosat werden viele Bauern nicht den guten alten Pflug zur Unkrautbeseitigung auf den Feldern hervorholen, sondern zu anderen chemischen Unkrautvernichtern oder einem Cocktail verschiedener Mittel greifen, dessen Umwelt- und Sicherheitsprofil unbekannt ist. Damit wäre keinem geholfen.

Keine Frage: Es wird für die Landwirtschaft ein Leben auch ohne Glyphosat geben. Gerade die industriell orientierten Betriebe werden sich aber grundlegend umstellen müssen, wenn sie nicht mehr auf das billige und hochwirksame Pflanzenschutzmittel zurückgreifen können. Teurer wird die Unkrautbeseitigung für sie auf jeden Fall.

Konsequenzen hat das Verbot auch für die Agrarchemie und den Glyphosat-Weltmarktführer Bayer. Wirtschaftlich kann der Konzern ein Verbot in Deutschland oder in Europa sicher wegstecken. 90 Prozent des Glyphosatgeschäfts machen die Leverkusener in Nord- und Südamerika, wo keine Ausstiegsdebatte zu beobachten ist.

Dennoch ist der Ausstieg ein Schlag für Bayer und die Agrochemie insgesamt. Es ist absehbar, dass das Kerngeschäft mit chemischem Pflanzenschutz zumindest in Westeuropa einen immer stärkeren öffentlichen Gegenwind bekommen wird. Die Politik wird auf solche gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren – erst recht, wenn in der nächsten Bundesregierung die Grünen vertreten sind. Glyphosat könnte da nur der Anfang sein.

Mehr: Die GroKo einigt sich auf ein Verbot des umstrittenen Unkrautvernichters und plant weitere Einschränkungen für Pflanzenschutzmittel. Die Industrie ist sauer.

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