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Kommentar Das große Uno-Poker

Das ist Großmachtpolitik: Monatelang wettern die Amerikaner über Chinas starre Währungspolitik, seine gigantischen Außenhandelsüberschüsse und die rasant steigenden Militärausgaben. Und plötzlich kommt es zur Elefantenhochzeit.
Michael Backfisch Quelle: Handelsblatt

Michael Backfisch

(Foto: Handelsblatt)

Beim Versuch, den auch von Deutschland unterstützten G4-Vorschlag für eine Erweiterung des Uno-Sicherheitsrates zu blockieren, ziehen beide Staaten an einem Strang.

Überraschend ist das nicht. Denn sowohl die USA als auch China wollen die Zahl der neuen Mitglieder so gering wie möglich halten. Deutschland, Japan, Brasilien und Indien bekommen nun die Quittung für ihren strategischen Denkfehler: Sie bauten darauf, dass eine Zweidrittelmehrheit in der Uno die „großen fünf“ moralisch unter Druck setzen werde. Jetzt schlägt das Imperium zurück.

Die neue Allianz fällt in eine Zeit, in der sich die Spannungen zwischen Washington und Peking zumindest abgekühlt haben. Vielen Amerikanern geht zwar die moderate Aufwertung des Yuans nicht weit genug. Doch immerhin wird die Wechselkurslockerung als erster Schritt gegen das Handelsbilanzdefizit anerkannt. Auch ist mit dem chinesischen Rückzug beim Übernahmepoker um die US-Ölfirma Unocal zunächst der Dampf etwas aus der Debatte.

Dennoch sind die Beziehungen komplex. Auf der Positivseite steht, dass beide Volkswirtschaften massiv miteinander verzahnt sind. Zudem braucht US-Präsident Bush die Chinesen bei der Entschärfung des Atomstreits mit Iran und Nordkorea. Für die Amerikaner bleibt allerdings das gewaltige Minus im Außenhandel ein großes Ärgernis. Selbst wenn Peking noch stärker an der Währungsschraube drehen sollte, dürfte sich daran wenig ändern. Die nächsten protektionistischen Aufwallungen im US-Kongress sind daher nur eine Frage der Zeit.

Überlagert wird die handelspolitische Rivalität von Chinas beschleunigter Aufrüstung – vor allem mit Blick auf Taiwan. Amerika verfolgt den aufstrebenden Riesen in Ostasien mit Misstrauen, Unsicherheit und Konkurrenzängsten. Das Verhältnis bleibt daher trotz der Uno-Liaison zerbrechlich.

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