Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Das gute grüne Gewissen bei der E-Mobilität droht zur Farce zu werden

Bei der E-Mobilität gibt es für alles einen Plan – nur nicht für das Recyceln der wertvollen Batterien. Der wird aber dringend gebraucht.
04.12.2019 - 11:44 Uhr 2 Kommentare
Aktuell gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Unternehmen, die sich mit der Wiederverwertung von E-Autobatterien überhaupt im großen Maßstab beschäftigt. Quelle: dpa
Aufladung eines E-Autos

Aktuell gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Unternehmen, die sich mit der Wiederverwertung von E-Autobatterien überhaupt im großen Maßstab beschäftigt.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung setzt bei ihrer Klimastrategie vor allem auf die Elektromobilität. Es gibt Pläne für die Anzahl der E-Autos auf deutschen Straßen, für die gesetzlichen Zuschüsse beim Kauf eines Stromers und natürlich Vorgaben für die Ladeinfrastruktur derselben. Aber noch niemand kommt auf die Idee, zeitgleich mit dem Anschub der strombetriebenen Autos auch einen Plan für deren Entsorgung vorzulegen.

Der aber wird dringend gebraucht. Sinniert wird viel: Die Europäische Union will das Zentrum für die grünste und nachhaltigste Batterie der Welt werden. Mit einer Milliarde Euro sollen länderübergreifende Projekte in den nächsten zwei Jahren gefördert werden.

Bis die europäische Batterieproduktion angelaufen ist, dürfte sich die Zahl der Stromer hierzulande allerdings schon mehr als verdreifacht haben. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) fällt dazu nur der Satz ein: „Wir wollen hohe Recyclingquoten.“ Wie genau das Recyceln einer Lithium-Ionen-Batterie ablaufen soll, erklärt er nicht.

Die Rückführung in einen Wertstoffkreislauf ist eine riesige Herausforderung für die Recycling-Branche. Aktuell gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Unternehmen, die sich mit der Wiederverwertung von E-Autobatterien überhaupt im großen Maßstab beschäftigt. Das Ganze ist sehr kostenintensiv und aufwendig. Jeder Akku hat seine eigene Form, seinen eigenen Rohstoffmix und seine eigene Zellchemie.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dazu kommen die logistischen Herausforderungen, also die Frage, wie eine ausgediente Lithium-Ionen-Batterie überhaupt bis zu dem zuständigen Entsorgungsunternehmen kommen soll. Wie gefährlich ein solcher Transport werden kann, hat man gerade erst in Österreich gesehen. Dort hat sich erst nach Wochen ein Spediteur gefunden, der ein ausgebranntes Tesla-Autowrack überhaupt abtransportiert. In Deutschland sieht die Situation nicht besser aus.

    Laut dem Bundesamt für Materialforschung und -prüfung gibt es hierzulande gerade mal zehn Unternehmen, die E-Autobatterien abtransportieren können. Unklar ist auch, ab wann der Pannendienst noch kommen und ab wann ein Spezialunternehmen nötig ist.

    Aktuell steht zwar besonders Tesla in der Kritik, aber auch deutsche Autobauer haben keinen landesumfassenden Notfallplan für solche Fälle. Das Verkehrsministerium hüllt sich ebenso in Schweigen wie das Bundeswirtschaftsministerium.

    Fragwürdige Ökobilanz

    Noch gibt es in Deutschland keinen Plan dafür, was mit ausgebrannten E-Autos passiert, geschweige denn dafür, wie ein umfassendes Verwertungssystem nach dem Ende der regulären Betriebsdauer aussehen könnte. Währenddessen kommen immer mehr Stromer in den deutschen Straßenverkehr – der Umwelt zuliebe.

    Dabei ist die Ökobilanz eines Elektroautos ohne einen funktionierenden Rohstoffkreislauf höchst fragwürdig. Die verbauten Akkus versammeln in ihrem Inneren nämlich eine Vielzahl wichtiger und seltener Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel und Kupfer. Sie werden – Stand jetzt – am Ende des Batterielebenszyklus meist nicht weiter genutzt. Dabei wäre das Recyceln wertvoller Rohstoffe auch eine Chance für Deutschland.

    Erst recht, weil die Rohstoffe äußerst energieintensiv und unter teils menschenunwürdigen Umständen abgebaut werden. Die Vorherrschaft im Abbau haben sich schon längst asiatische Firmen aus China, Korea und Japan gesichert. In einigen Jahren könnten Rohstoffe aus zweiter Hand laut einer Studie des Thinktanks Agora Energiewende jedoch einen Teil des weltweiten Bedarfs decken. Bei einem gut funktionierenden System seien im Jahr 2030 rund zehn Prozent und 2050 sogar 40 Prozent der nötigen Metalle für E-Autobatterien durch Recycling zu gewinnen.

    Wenn das Wiederverwerten von Elektroautobatterien nicht funktioniert, wären die Konsequenzen fatal. Schon heute wird Elektroschrott illegal nach Nigeria, Ghana, Indien oder Südafrika exportiert.

    Dort, wo es kaum professionelle Recyclingstrukturen gibt, riskieren Menschen ihre Gesundheit und die Umwelt, um Wertstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Gold aus alten Fernsehern, Radios oder Kühlschränken zu gewinnen. Die Restteile werden verbrannt, wild deponiert oder in Flüssen abgelagert. So etwas darf mit E-Autobatterien nicht passieren. Sonst ist das gute grüne Gewissen bei der E-Mobilität eine Farce.

    Verhindern lässt sich dies nur mit den entsprechenden Rahmenbedingungen für ein funktionierendes System. Zum Beispiel durch eigene Recyclingquoten für Schlüsselrohstoffe wie Lithium oder Kobalt.

    Zu klären sind außerdem wichtige Fragen wie die der Zuständigkeit. Im nächsten Jahr will die Bundesregierung eine Novelle des bestehenden Batteriegesetzes vorstellen. Auch die Europäische Union plant eine Aktualisierung ihrer Batterierichtlinie bis 2021. Bis spätestens dahin müssen beide einen Plan für die Wiederverwertung vorlegen, denn dies ist das Kernelement eines schlüssigen Gesamtkonzeptes für die E-Mobilität.

    Mehr: Ein Tesla brennt – und viele Fragen bleiben. Wegen möglicherweise mangelhafter Entsorgung gerät der Elektropionier nun ins Visier des Umweltbundesamtes.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Das gute grüne Gewissen bei der E-Mobilität droht zur Farce zu werden
    2 Kommentare zu "Kommentar: Das gute grüne Gewissen bei der E-Mobilität droht zur Farce zu werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist hochgiftiger Sondermüll. Das können Sie nicht einfach auf einen Recyclinghof bringen. Da müssen zur Prophylaxe, um hochgefährliche Bodenkontaminationen zu verhindern, große Flächen versiegelt werden. Das wird ein teurer Spaß, den nicht der Staat wird bezahlen müssen, sondern die Hersteller. Dieser Umstand ist vielen noch gar nicht klar. Weitere Unbekannte: Wie entwickelt sich der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos. Habe ich als Fahrzeughalter am Ende die Verpflichtung mein "Distanzüberwindungsgerät" (E-Auto)fachgerecht, d.h. sehr teuer zu entsorgen. Allen Interessenten: Viel Spaß beim Kauf eines E-Autos! Stichwort: Zuuukunftstechnologie!!!!

    • Sehr gut - weiter so :
      Es ist endlich an der Zeit, diesen rasanten Ausbau der E-Mobilität zu überdenken - der schließlich dem Steuerzahler nicht nur viel Geld kostet für die Bereitstellung der Infrastruktur (Zapfsäulen) sondern auch für den von der Mehrzahl der Bürger angefochtenen flächendeckenden Ausbau von G5 ...
      In die weltweite Ökobilanz muss außerdem dringlich die sozialen und menschlichen Folgen diskutiert werden, die mit dem Abbau der seltenen Erden verbunden sind in den meist unglaublich armen Ländern !!
      Wir dürfen diese Länder nicht weiter herunterwirtschafte, um uns hier mit einer guten CO" Bilanz zu brüsten !!!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%