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Kommentar Das Leerverkaufsverbot für Wirecard kann nur ein Anfang sein

Nach dem Verbot von Wetten auf fallende Kurse muss Wirecard seine Aufklärungsarbeit beschleunigen – denn dürre Dementis tragen nicht zum Vertrauen in die Aktie bei.
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Die Finanzaufsicht Bafin hat Spekulationen auf die fallenden Wirecard-Kurse verboten. Quelle: picture alliance/dpa
Wirecard

Die Finanzaufsicht Bafin hat Spekulationen auf die fallenden Wirecard-Kurse verboten.

(Foto: picture alliance/dpa)

MünchenUm die Dimension der Entscheidung richtig einzuordnen, hilft der Blick um mehr als ein Jahrzehnt zurück. Im September 2008 – damals war gerade die US-Bank Lehman Brothers pleitegegangen – verhängten die Börsenaufseher zum ersten und bisher einzigen Mal ein Verbot von Leerverkäufen für insgesamt elf europäische Banken.

Damals ging es um die Rettung des Finanzsystems. Spekulanten sollten mit ihren Wetten auf fallende Kurse die ohnehin angespannte Lage nicht noch weiter verschärfen.

Nun hat die deutsche Börsenaufsicht Bafin in Abstimmung mit den europäischen Kollegen der Esma ein weiteres Mal zu dieser rigorosen Maßnahme gegriffen. Zwei Monate lang darf es keine Leerverkäufe beim Dax-Neuling Wirecard geben.

Nur noch den geregelten Handel der Aktien über die Börse gibt es bis dahin. Wer einen Index in Form von börsengehandelten Fonds abbildet, darf Wirecard natürlich ebenfalls weiter handeln.

Die Entscheidung der Bafin zeichnete sich ab. Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen war den Verantwortlichen die Sorge um den aktuellen Zustand des deutschen Finanzmarktes anzumerken.

Stellte doch der hochnervöse Handel mit Wirecard-Aktien selbst so umsatzstarke Titel wie Volkswagen, Siemens oder Allianz in den Schatten. Insofern war der Schritt der Aufseher jetzt nur konsequent und richtig.

Das Leerverkaufsverbot für Wirecard kann jedoch nur der Anfang sein. Die kommenden beiden Monate sollten die Behörden nun für weitere Schritte nutzen, um in Zukunft solch außergewöhnlich hohe Kursausschläge zu verhindern.

Beim Dauerstreit zwischen dem Unternehmen und der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ um angebliche Unregelmäßigkeiten im Asiengeschäft geht es um einen vergleichsweise geringen Schaden, der je nach Lesart zwischen 13,6 (Wirecard) und 37 Millionen Euro („Financial Times“) verteilt über vier Jahre beträgt. Dem steht ein Bewertungsverlust der Wirecard-Aktie von bis zu zehn Milliarden Euro in nur zwei Wochen gegenüber.

Bereits seit Anfang Januar ist die Zahl von Leerverkäufen bei Wirecard stark gestiegen. Eine Art Frühwarnsystem durch die Aufseher wäre bei solchen Auffälligkeiten sicherlich ein richtiger Schritt. Aber auch Wirecard selbst muss endlich reagieren und möglichst bald für eine rigorose Aufklärung des spektakulären Falls sorgen.

Dürre Dementis, Tweets, die nur bereits Bekanntes wiederholen, und das wochenlange Warten auf den Schlussbericht der externen Ermittler haben jedenfalls nicht zum Vertrauen der Anleger in die Aktie beigetragen. Dass mit der Entscheidung der Bafin jetzt wieder Ruhe einkehrt, ist deshalb vorerst nicht zu erwarten.

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