Kommentar Das Misstrauen gegenüber den großen Banken wächst wieder

Zehn Jahre nach Lehman werden die Banken einem besonders harten Stresstest unterzogen. Die Branche sendet einige Warnzeichen.
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Viele Institute haben an der Börse Einbußen hinnehmen müssen. Quelle: Reuters
Londoner Bankenviertel

Viele Institute haben an der Börse Einbußen hinnehmen müssen.

(Foto: Reuters)

Alle Jahre wieder unterziehen die US-Aufseher die wichtigsten Banken in ihrem Sprengel einem Stresstest. Damit das zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise nicht zum leeren Ritual verkommt, haben die Behörden in diesem Jahr die Trockenübung noch ein bisschen härter gemacht und lassen die Banken eine besonders heftige Rezession durchspielen.

Das Szenario ist das härteste überhaupt bislang. Für die Geldhäuser ist das wichtig, denn vom Abschneiden beim Stresstest hängt ab, ob und wie viel Geld die Institute an ihre Eigentümer ausschütten dürfen.

Besonders zu beeindrucken scheint der Test die US-Geldhäuser aber nicht. Denn trotz der besonderen Strenge der Aufseher wollen die 25 größten Banken des Landes via Dividende oder Aktienrückkäufe rund 30 Milliarden Dollar an ihre Eigner verteilen, das wären 25 Prozent mehr als im Vorjahr Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass zumindest für die Banken in den USA die Finanzkrise Geschichte ist. Längst verdienen die großen Wall-Street-Häuser wieder glänzend, entsprechend groß ist das Selbstbewusstsein.

Allerdings geht es längst nicht allen Großbanken so gut. Die Misere einiger europäischer Geldhäuser, inklusive der Deutschen Bank, ist hinlänglich bekannt. Aber zuletzt tauchten einige Warnzeichen auf, die für die gesamte Branche relevant sind.

39 Großbanken und Versicherer haben die Aufseher rund um den Globus identifiziert, die für die Stabilität des Finanzsystems besonders relevant sind. Von diesen Instituten haben 16 in den vergangenen Wochen und Monaten an der Börse mehr als 20 Prozent ihres Werts eingebüßt, was formal die Definition eines Bärenmarktes erfüllt. Das haben die Experten von Absolute Strategy Research in London ausgerechnet.

Auch US-Institute im Abwärtsstrend

Das Ergebnis dieser Kalkulationen muss noch kein akutes Alarmsignal sein, zeigt aber doch, dass die Sorgen der Anleger um die Banken wieder größer werden. Zumal sich unter den Verlierern nicht nur die üblichen Verdächtigen finden, sondern auch Institute wie die französische BNP, die zu den stärksten europäischen Geldhäusern zählt, und chinesische Institute wie ICBC oder die Bank of China, die, gemessen an der Bilanzsumme, mittlerweile selbst die Platzhirsche von der Wall Street hinter sich gelassen haben.

Die Liste der Börsenabsteiger zeigt, dass sich das Misstrauen gegenüber den Banken rund um den Globus zieht. Selbst die großen US-Institute konnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen, auch wenn die Verluste hier nicht so heftig ausfielen. Das alles schürt den Verdacht, dass der Finanzbranche tatsächlich ein Stresstest bevorstehen könnte, dieses Mal in der Realität und nicht simuliert.

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