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Börse Frankfurt

Rückschläge wie am Montag, weil in der Welt etwas Unvorhergesehenes passiert, wird es immer wieder geben.

(Foto: dpa)

Kommentar Das mutierte Virus erteilt Anlegern einen Denkzettel

Monatelang haben Anleger in der Krise auf die besseren Perspektiven spekuliert. Jetzt sind diese plötzlich nicht mehr so gut. Das erhöht das Rückschlagpotenzial.
21.12.2020 - 20:46 Uhr Kommentieren

Brexit? US-Konjunkturpaket? Von wegen! Weder der drohende unkontrollierte Austritt der Briten aus der EU noch das amerikanische Milliardenprogramm zur Stimulierung der Wirtschaft interessiert die Börsen aktuell. Was zählt, ist das in Großbritannien mutierte Covid-19-Virus, getreu dem Motto: Mehr als alle Nachrichten verunsichern Ungewissheiten die Märkte.

Seit Wochen fragen wir uns, warum die Aktienkurse steigen, obwohl Deutschland und viele andere Industriestaaten erneut in den Lockdown einschwenken und weite Teile ihrer Wirtschaft herunterfahren. Fast wie im März.

Doch anders als im Frühjahr brachen die Aktienmärkte diesmal nicht ein, sondern sie stiegen: an der Wall Street sogar beinahe täglich auf Rekordniveaus. Dem Dax in Deutschland fehlten am Freitag nur noch wenige Punkte bis zu einem Allzeithoch.

Weil in Großbritannien, Kanada und den USA bereits großflächig geimpft wird und in Europa der Termin dafür unmittelbar bevorsteht, interessierten sich Anleger nicht mehr für das Hier und Jetzt. Sie schauten ausschließlich in die Zukunft samt der verlockenden Perspektive, dass mithilfe der Massenimpfungen Covid-19 in den Griff zu bekommen ist. Nicht heute oder morgen, aber im Laufe des kommenden Jahres.

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    Jetzt sieht alles plötzlich anders aus. Vorbei die Vorstellung – oder war es eine Illusion? –, dass mit dem Impfstoff die Corona-Pandemie vorbei ist. Diese Perspektive gibt es mit einem Mal nicht mehr.

    In die Zukunft schauen die Börsen auch jetzt noch, aber diese sieht plötzlich anders aus. Kein Virologe vermag uns zu sagen, ob die von Biontech und Moderna hergestellten oder von Curevac gerade in einer breit angelegten Massenstudie erprobten Impfstoffe auch gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Coronavirus wirksam sein werden.

    Solange diese Unklarheit herrscht, bleibt das Konstrukt aus Perspektiven, auf das die steigenden Kurse aufbauten, zerstört. Vergrößert wird die Unsicherheit und damit das Rückschlagpotenzial durch überbewertete Aktien. Realwirtschaft und Aktienkurse haben sich dramatisch auseinanderentwickelt.

    Nullzinspolitik der Notenbanken macht Überbewertungen möglich

    Nicht erst seit Corona, sondern seit Beginn der Industrierezession im Jahr 2018. Sie wurde ausgelöst durch den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikt, und sie wurde verschärft durch die Konjunkturschwäche des wichtigsten Absatzlandes China. Abzulesen sind die Überbewertungen an den Unternehmensgewinnen, die sich auf jeden einzelnen Anteilsschein herunterrechnen lassen.

    An der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq beispielsweise haben sich die Kurse seit 2019 glatt verdoppelt, die Konzerngewinne stiegen im Schnitt aber nur um knapp zehn Prozent. An der Wall Street – und damit dem Trendsetter für die Aktienkurse auch in Europa – sind Aktien so teuer wie zuletzt kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

    Möglich geworden sind solche Überbewertungen durch die Nullzinspolitik der Notenbanken, wodurch alternative Anlagen wie Anleihen und das Bankkonto uninteressant werden. Daran hat sich auch jetzt, seit der Mutation des Virus, nichts geändert.

    Doch Aktien stiegen auch deshalb und sind überbewertet, weil Anleger lange Zeit auf die günstigen Perspektiven spekulierten, die sich mithilfe des erfolgreich entwickelten Impfstoffs herauskristallisierten. Je überbewerteter Aktienmärkte aber sind, desto größer ist das Rückschlagpotenzial. Denn langfristig spiegeln Aktienkurse immer die Ertragskraft der Unternehmen wider. Daran hat auch Corona nichts verändert.

    • Im günstigsten Fall erklären uns Virologen schon morgen, dass die Wirksamkeit der Massenimpfungen durch die nun aufgetauchten Mutationen nicht aufgehalten wird. Die jetzigen Kursrückschläge wären dann eher eine günstige Kauf- als Verkaufsgelegenheit.
    • Im schlechtesten Fall müssen Ärzte und die jetzt gefeierten Impfstoffhersteller eingestehen, dass neu geforscht werden muss. Und dass der Kampf gegen die Pandemie noch lange nicht gewonnen ist – möglicherweise auch in einigen Jahren noch nicht.

    In diesem Fall sind die zum Wochenauftakt erlebten Kursverluste womöglich der Beginn einer Talfahrt und im schlimmsten Fall sogar einer Trendwende. Die bisherige Erholung seit März wäre dann nichts anderes als eine Gegenbewegung inmitten einer Baisse, eines längeren Börsenverfalls.

    Diese beiden aufgezeigten Alternativen helfen zugegebenermaßen nicht wirklich bei der Entscheidung, ob Aktien heute kaufenswert sind oder besser verkauft werden sollten.

    Doch eines ist sicher: Rückschläge wie am Montag, weil in der realen Welt etwas Unvorhergesehenes passiert, wird es immer wieder geben. Darauf sollten Anleger eingestellt und deshalb nie voll in Aktien investiert sein. Erst recht nicht in Zeiten mit überbewerteten Aktien. Diesen Denkzettel hat uns das mutierte Virus eindrucksvoll erteilt.

    Mehr: Rendite ohne Sorgen – Die richtigen Dividendenaktien

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