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Kommentar Das nationale Drama der Kathedrale

Der Brand in der Pariser Kathedrale ist ein Drama. Für Frankreich vor allem, aber auch für Deutschland und die ganze Welt.
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Das Feuer zerstörte jahrhundertealte Meisterwerke der Baukunst und der Malerei. Quelle: AP
Notre Dame in Flammen

Das Feuer zerstörte jahrhundertealte Meisterwerke der Baukunst und der Malerei.

(Foto: AP)

„Unsere liebe Frau“ lautet der übersetzte Name der Pariser Kathedrale. Die französischen Medien machten aus „Notre Dame“ am Dienstag „Notre Drame“, unser Drama. Das ist der verheerende Brand auch, in vieler Hinsicht.

Fast so erschüttert wie nach den verheerenden Terroranschlägen vom November 2015 zeigten sich viele Franzosen, obwohl es glücklicherweise keine Todesopfer zu beklagen gibt. Die Kathedrale mit den charakteristischen stämmigen Doppeltürmen ist nicht nur ein katholisches Gotteshaus.

Sie ist auch ein Ort des nationalen Zusammenhalts, an dem der laizistische Staat seine traurigen und glanzvollen Momente feiert: Kirche der Republik, wenn man so will.

Ein Drama ist der Brand, weil man sich nicht vorstellen kann, wie mitten in der französischen Hauptstadt eine Nachlässigkeit bei Renovierungsarbeiten das wichtigste nationale Kulturgut nahezu in Schutt und Asche legen kann. Die Franzosen beginnen, die Frage zu stellen, ob man beim Brandschutz gepfuscht hat.

Ein politisches Drama ist die teilweise Zerstörung dieses nationalen Symbols für Präsident Emmanuel Macron: Seit Wochen hatte er seine Schlussfolgerungen aus der „Großen nationalen Debatte“ vorbereitet, wollte sie am Montagabend vortragen.

Die Franzosen sollten erfahren, wie er sie künftig stärker an der Gestaltung der Politik beteiligen, den notwendigen Klimaschutz, niedrigere Steuern und den Abbau der Schulden auf einen Nenner bringen will. Das muss er verschieben, auf unbestimmte Zeit.

Unser Drama ist diese Katastrophe schließlich, weil wir uns alle betroffen fühlen. Viele Deutsche haben selber in Notre-Dame gestanden. Ob religiös oder nicht: Wenn der eigene Blick von den Strebepfeilern im Kirchenschiff nach oben gezogen wird, spüren wir, dass es etwas Wichtigeres gibt als Künstliche Intelligenz, soziale Netzwerke und 5G: Menschen, die Bauwerke geschaffen haben, von denen wir heute noch zehren.

Notre-Dame wird weiterleben.

Emmanuel Macron: „Wir werden Notre-Dame zusammen wieder aufbauen“

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