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Kommentar Das Projekt „Artemis“ ist die Bewährungsprobe für VW-Chef Diess

VW will seinen Umbau mit dem bei Audi aufgehängten Projekt forcieren. Ob der gelingt, hängt am diplomatischen Geschick des Vorstandschefs.
27.08.2020 - 03:56 Uhr 1 Kommentar
Karikatur

An Ambitionen hat es dem Autobauer Volkswagen nie gemangelt. Das Unternehmen aus Niedersachsen ist beim Absatz weltweit führend mit seiner Produktpalette, die vom Motorrad bis zum schweren Lastwagen alle Fortbewegungsmittel umfasst. Ganz vorn ist VW auch technologisch, zumindest wenn es um Benziner und Diesel geht.

Mit dem absehbaren Ende der Verbrenner könnte diese Dominanz der Wolfsburger enden. Wettbewerber wie Tesla sind nämlich bei den Themen Elektromobilität und Digitalisierung führend.

Vorstandschef Herbert Diess räumte die Lücke zur Konkurrenz auf einem internen Managementtreffen zum Jahresbeginn ein – und schickte damit eine Schockwelle in die VW-Welt. Für das Selbstverständnis des Weltmarktführers war die Erkenntnis der eigenen Rückständigkeit ein herber Schlag. Gerade auf Tesla hatte das alte Führungspersonal eher verächtlich herabgeblickt, glich die von Elon Musk gegründete Firma eher einem Start-up als einem etablierten Autohersteller.

Diese Arroganz hat ein Ende gefunden. Spätestens seit der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit im Frühjahr arbeiten Führungskräfte und Techniker an einer Strategie, um den Nachteil auszugleichen. Herausgekommen ist das Projekt Artemis, das bei der Tochter Audi aufgehängt wurde. Das ergibt Sinn, da Audi als Premiummarke technologisch traditionell stark aufgestellt ist. Für Neuentwicklungen sind deren Kunden bereit, einen Aufschlag zu zahlen, mit dem sich die Entwicklungskosten schneller wieder einspielen lassen.

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    Die Leitung über Artemis liegt bei Audi-Chef Markus Duesmann. Seit April steht er an der Spitze des Ingolstädter Ablegers mit den vier Ringen. Und Duesmann forciert das Tempo: Bereits im kommenden Jahr will Audi das erste Fahrzeug vorstellen, das unter dem Arbeitsnamen „Landjet“ von dem Artemis-Team entwickelt wird. Zwar handelt es sich zunächst um ein Konzeptfahrzeug, die Produktion könnte aber schon im Jahr 2024 anlaufen. Gemessen an den sonst üblichen Entwicklungszyklen würden die Techniker ihre Arbeit in Rekordzeit bewältigen.

    Möglich werden soll dies durch einen für den Volkswagen-Konzern neuen Ansatz. Unter dem Dach von Artemis sollen nämlich die besten Köpfe versammelt werden, die sich im Konzern etwa mit Software beschäftigen. Das eher starre System würde damit aufgelöst. Bislang verteilt VW die Entwicklung neuer Komponenten über die einzelnen Marken.

    Bei VW in Wolfsburg etwa liegt die Verantwortung für eher kleinere Motoren und bei Audi für die größeren Aggregate. Diese Arbeitsteilung hatte in der alten Welt ihren Sinn, da andernfalls angesichts des rasanten Wachstums ein Chaos gedroht hätte. Wie kaum ein anderer Autohersteller ist Volkswagen in den vergangenen Jahren gewachsen, wozu unter anderem der frühe Markteinstieg in China beigetragen hat.

    Kräfte müssen gebündelt werden

    In der Expansionsphase hat diese dezentrale Aufstellung geholfen, mit dem technologischen Umbruch wird die Struktur aber zur Bürde. Die Entwicklung neuer Antriebskonzepte wie der Elektromobilität sowie digitaler Anwendungen wird leicht einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Wenn nun jede einzelne Tochter der Wolfsburger für sich die Entwicklungen vorantreibt, dann wird das schlicht unbezahlbar.

    Hinzu kommt, dass die benötigten Experten rar sind. Die eigenen Fachleute in Projekteinheiten wie Artemis zu bündeln hat daher Sinn.

    Der von Diess und Duesmann eingeschlagene Weg ist daher alternativlos. Allerdings ist diese Strategie nicht ohne Risiko. Damit Artemis und vergleichbare Nachfolgeprojekte ein Erfolg werden, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

    Bei aller Logik ist das nicht selbstverständlich. Kann Musk sein vergleichsweise junges Unternehmen Tesla nach Belieben formen, so stößt der Vorstand um Diess bei Volkswagen auf traditionell gewachsene Strukturen. Die Familie Porsche/Piëch und das Land Niedersachsen wollen als Großaktionäre in die Überlegungen eingebunden werden wie auch der Betriebsrat mit Bernd Osterloh an der Spitze. Dies gilt auch für die einzelnen Marken, die Kompetenzen und wohl auch fähige Entwickler werden abgeben müssen.

    Um in dieser Gemengelage erfolgreich zu sein, wird Diess alle Seiten überzeugen und einbinden müssen. Zumindest in der Vergangenheit war der VW-Chef damit wenig erfolgreich. Vom Typ her ist er ein Provokateur und weniger ein Integrator. Wahlweise brachte er den Betriebsrat, das eigene Management oder die Vertreter der Großaktionäre gegen sich auf. Im Juni bewies er einmal mehr sein mangelndes Fingerspitzengefühl, als er dem Aufsichtsrat Gesetzesverstöße vorwarf. Nur weil auf die Schnelle kein neuer VW-Chef verfügbar war, entging er dem Rauswurf.

    Das größte Risiko für den Erfolg von Artemis ist das mangelnde diplomatische Geschick von Diess. Ob er sich im Griff behalten kann, wird sich im kommenden Jahr zeigen, wenn das Konzeptauto „Landjet“ vorgestellt werden soll. Wird der keine echte Alternative zu den Erfolgsmodellen von Tesla, dann wäre die mit Artemis eingeschlagene Strategie ein Flop.

    Mehr: Audi zielt auf die elektrische Oberklasse – Neues Flaggschiff soll Tesla Konkurrenz machen

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Das Projekt „Artemis“ ist die Bewährungsprobe für VW-Chef Diess"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wie ist es bloß dazu gekommen das innerhalb von einem Jahr ein Startup mit riesigen Schulden und laut Handelsblatt nicht überlebensfähig, zum Primus einer ganzen Branche wird?

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