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Kommentar Das Rennen um das Betriebssystem für die Fabrik der Zukunft ist noch nicht entschieden

Industriegiganten wie Siemens und GE liegen mit ihren Industrie-Plattformen vorn. Doch das muss nicht so bleiben. Tech-Konzerne wie Microsoft oder IBM holen auf.
10.12.2019 - 12:51 Uhr Kommentieren
Konzerne wie Siemens oder GE suchen nach einem Betriebssystem für ihre Fabriken. Quelle: obs
Industrie 4.0

Konzerne wie Siemens oder GE suchen nach einem Betriebssystem für ihre Fabriken.

(Foto: obs)

Für Unternehmen sind erfolgreiche Plattformen ein ideales Geschäftsmodell, um Geld zu verdienen. Der US-Technologiekonzern Microsoft ist dafür ein gutes Beispiel: Seit Jahrzehnten entwickelt das Unternehmen aus Redmond verschiedene Plattformen, die es dem Nutzer erlauben, ein komplexes Gebilde aus Hard- und Software mittels spezieller Programme auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden und zu nutzen.

Der Verkaufsschlager des Konzerns heißt Windows – und ist seit der Veröffentlichung in den Neunzigerjahren das mit Abstand am häufigsten verkaufte Betriebssystem für den PC.

Ein Vierteljahrhundert später sucht nun die Industrie nach einem Betriebssystem für ihre Fabriken. Auch hier geht es darum, eine Vielfalt unterschiedlicher Hardware mittels Software für individuelle Programme steuerbar zu machen.

Doch anders als bei einem PC, der aus Prozessor, Festplatte, Grafikkarte und so weiter besteht, ist der Aufbau eines Produktionsnetzwerkes ungleich komplexer: Von Lackierrobotern über Werkzeugmaschinen bis zu autonomen Gabelstaplern und Sensoren treffen hier die verschiedensten Technologien aufeinander. Für praktisch jede davon gibt es mehrere Hersteller – was die Entwicklung einer einheitlichen Sprache im Vergleich zu einem PC deutlich erschwert.

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    Altgediente Industriegiganten wie Siemens und General Electric sehen sich deshalb vorn im Rennen um die globale Marktführerschaft, wenn es um die Etablierung einer einheitlichen Software für die industrielle Fertigung geht. Genießen sie doch einerseits bereits das Vertrauen ihrer Kunden. Und besitzen andererseits viel Erfahrung im Bau von sogenannten „speicherprogrammierbaren Steuerungen“.

    Das bedeutet: Mit ihren Hardware-Bausätzen, die über eigene Prozessoren verfügen, lassen sich viele dieser Maschinen schon jetzt automatisch bedienen.

    Doch neben den großen Industrie-Plattformen wie Mindsphere von Siemens oder Predix von GE kämpfen zunehmend auch US-Tech-Konzerne wie Microsoft, IBM und SAP, junge Start-ups wie Bright Machines und mittelständische Maschinenbauer wie bei Adamos um Marktanteile.

    Gleichzeitig schließen die Unternehmen kreuz und quer Kooperationen und Allianzen, um von dem speziellen Know-How des jeweils anderen zu profitieren. Das macht den Markt unübersichtlich – und die Lage bedrohlich für die beiden Platzhirsche aus der Industrie.

    Denn noch ist überhaupt nicht ausgemacht, wer das Rennen um das Betriebssystem der Fabrik der Zukunft für sich entscheidet. Bereits 2024 sollen IIoT-Plattformen (für „Industrial Internet of Things“) nach Einschätzung der Marktforscher von IoT Analytics 12,5 Milliarden US-Dollar umsetzen. Im Vergleich zu 2018 (1,7 Milliarden Dollar) wäre das eine jährliche Steigerung von rund 40 Prozent.

    Neben solch rasantem Wachstum kennzeichnet die Plattform-Ökonomie aber noch eine weitere Eigenschaft. Sie neigt in gewissem Maße zur Herausbildung von Monopolen. Das zeigen vor allem Beispiele aus konsumentennahen Branchen – wie Amazon im Einzelhandel, Microsoft bei PC-Betriebssystemen oder Uber in der Mobilität.

    Hierin besteht derzeit die größte Gefahr für die etablierten Industriekonzerne. Auch wenn sie bei den Software-Plattformen technologisch wettbewerbsfähig sind: Dahinter steckt in aller Regel die Cloud eines Tech-Konzerns wie Microsoft oder Amazon, die für die Rechenprozesse Server und die sonstige Infrastruktur bereitstellen.

    Im Ringen um Marktanteile haben Cloud-Anbieter und Industriekonzerne, die im Plattform-Geschäft miteinander konkurrieren, derzeit noch ein gemeinsames Interesse an gegenseitiger Offenheit. Für die Industrie ist es unattraktiv, eine teure Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Den Tech-Konzernen wiederum fehlt es an industriellem Know-how.

    Was schlimmstenfalls passieren kann, wenn sich Plattformbetreiber und die Entwickler von Anwendungssoftware in die Quere kommen, hat sich bei Microsoft gezeigt. Als der Konzern 1995 damit begann, sein neues Betriebssystem Windows 95 standardmäßig zusammen mit dem Browser Internet Explorer auszuliefern, lag der Marktanteil des Konkurrenz-Browsers von Netscape bei 80 Prozent. Später versank Netscape in der Bedeutungslosigkeit – während der Internet Explorer 2003 bei 95 Prozent angelangt war.

    Von ähnlich aggressiven Praktiken berichten E-Commerce-Händler, die mit ihren Produkten auf Amazons Marktplatz in Konkurrenz zu dem Handelsriesen selbst stehen. Vergleichbar ergeht es auch Shopping-Portalen, die mit ihren Angeboten in den Ergebnissen der Google-Suchmaschine mit Googles eigenem Shopping-Portale um die besten Platzierungen wetteifern.

    Vor solchen Monopolisierungstendenzen schützen kann sich die Industrie nur, wenn es ihr gelingt, ein von der Cloud unabhängiges, brancheneigenes Betriebssystem möglichst breit zu etablieren. Das funktioniert am besten mit überzeugenden Anwendungen. Das Rennen ist erst eröffnet.

    Mehr: Die ganze Industrie arbeitet am Betriebssystem für die Fabrik der Zukunft. Start-ups wie Bright Machines greifen Marktführer Siemens und IT-Riesen wie Microsoft an.

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