Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Das Säbelrasseln der US-Handelsaufsicht bei der Derivateabwicklung ist riskant

Der Streit zwischen den USA und der EU über Derivategeschäfte ist gefährlich. Gefragt ist eine pragmatische Lösung für die komplexe Problemlage.
Kommentieren
Für viele europäische Banken ist der Zugang zum weltgrößten Finanzmarkt USA essenziell. Quelle: dpa
EU-Bankenaufsichtsbehörde in London

Für viele europäische Banken ist der Zugang zum weltgrößten Finanzmarkt USA essenziell.

(Foto: dpa)

Poltern und drohen: Der Politikstil von US-Präsident Donald Trump färbt mittlerweile auf die amerikanische Handelsaufsicht CFTC ab. Deren Chef Christopher Giancarlo will nicht, dass sich US-Finanzkonzerne mit signifikantem Euro-Geschäft künftig an neue EU-Regeln halten müssen. Die Pläne aus Brüssel seien „völlig inakzeptabel“, findet Giancarlo.

Sollten sie nicht geändert werden, könnten europäische Banken von Teilen des US-Finanzmarkts ausgeschlossen werden, drohte er kürzlich. Die CFTC habe schonungslose Instrumente. Sollten sie eingesetzt werden, hätten sie „verheerende Auswirkungen“.

Mit Letzterem hat der CFTC-Chef zweifelsfrei recht. Wenn die USA und Europa ihre Finanzmärkte abschotten, wäre das fatal. Für viele europäische Banken ist der Zugang zum weltgrößten Finanzmarkt USA essenziell.

Und US-Investoren wollen weiter europäische Anleihen und Aktien kaufen – und ihre Positionen gegebenenfalls durch Derivate absichern. Es steht also viel auf dem Spiel. Und verbales Säbelrasseln ist sicher nicht hilfreich, um die komplexen Probleme zu lösen.

Auslöser des Streits sind geplante EU-Regeln zur Abwicklung von Derivategeschäften (Clearing). Mit diesen will die EU sicherstellen, dass nach dem Brexit nicht weiter rund 90 Prozent der Euro-Derivategeschäfte in London abgewickelt werden.

Denn Großbritannien ist bald ein Drittstaat. Und dort wäre es für die EU schwieriger, ein für die Euro-Zone systemrelevantes Clearinghaus wie LCH zu überwachen und im Fall einer schweren Krise zu stützen.

Die Amerikaner fürchten, dass sich im Rahmen der Neuerungen auch amerikanische Clearinghäuser, die im Euro-Geschäft aktiv sind, an EU-Regeln halten müssen. Und das widerspricht dem amerikanischen Selbstverständnis, am Heimatmarkt selbst die Regeln vorzugeben – und zwar allein.

Die Gefechtslage ist komplex, aber sie ist nicht aussichtslos. Denn das Euro-Clearing-Geschäft in den USA ist deutlich kleiner als das in London – und es ist somit auch weniger bedeutsam für die Stabilität der Euro-Zone. Die EU hat in den Gesprächen mit den USA also Verhandlungsspielraum und kann auf Vorbehalte der Amerikaner eingehen.

Am Ende könnten sich beide Seiten beispielsweise auf Mindeststandards verständigen, an die sich Clearinghäuser auf beiden Seiten des Atlantiks halten müssen. Denn in einem globalen Geschäft wie dem Derivatesektor braucht es abgestimmte Regeln und eine gute Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden.

Die große Frage ist jedoch, ob rationale Argumente in dem Streit den Ausschlag geben werden. In der US-Politik ist das seit dem Amtsantritt von Donald Trump nicht mehr der Fall. Man kann nur hoffen, dass die Finanzmarktaufseher am Ende des Tages besonnener agieren.

* In einer früheren Version dieses Kommentars wurde Giancarlo fälschlicherweise als Chef der Börsenaufsicht SEC bezeichnet. Er ist jedoch Chef der CFTC, die vor allem den Handel mit Derivaten beaufsichtigt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Das Säbelrasseln der US-Handelsaufsicht bei der Derivateabwicklung ist riskant

0 Kommentare zu "Kommentar: Das Säbelrasseln der US-Handelsaufsicht bei der Derivateabwicklung ist riskant"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.