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KommentarDas Sanierungskonzept für Galeria ist gewagt, aber unverzichtbar

Die geplante dezentrale Organisation des Warenhauskonzerns verspricht viele Vorteile. Doch um diese zu realisieren, braucht es weit mehr als nur einen Kulturwandel.Florian Kolf 13.01.2023 - 12:34 Uhr Artikel anhören

Die Verantwortlichen vor Ort kennen die Wünsche ihrer Kunden besser als die Zentrale.

Foto: IMAGO/Nikita

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wagt eine entscheidende strategische Wende: War das Unternehmen bisher weitgehend zentral organisiert, soll künftig viel mehr Verantwortung an die Leitung der einzelnen Filialen delegiert werden. Sogar bei der Zusammenstellung des Sortiments soll das lokale Management wohl Mitspracherecht bekommen.

Dieser Schritt ist richtig. Denn die Verantwortlichen vor Ort kennen die Wünsche ihrer Kunden besser als die Zentrale. Sie beobachten ihre Konkurrenz nebenan ganz genau. Sie sehen, wo sich Lücken und damit Chancen auftun, und sie wissen auch, wo ihnen Kooperationen mit Partnern vor Ort neue Kundschaft bringen können. Doch einen Erfolg garantiert diese Entscheidung noch lange nicht. Denn erst müssen einige Hürden überwunden werden.

Die erste ist der Kulturwandel im Kopf. Viele Filialleiter, denen jahrelang alles vorgeschrieben wurde, müssen plötzlich unternehmerisch denken. Und jeder in der Geschäftsführung in Essen muss akzeptieren, dass dafür die Kontrolle gelockert werden muss. Dass man auch Fehler zulassen muss, um daraus zu lernen. Dafür muss schnell wieder Vertrauen aufgebaut werden, das in der Vergangenheit zerstört wurde.

Und es braucht auch ganz genaue Spielregeln, was vor Ort entschieden und was zentral organisiert wird, damit aus der Aufbruchstimmung nicht schnell Anarchie wird – oder Enttäuschung. So hat eine individuelle Zusammenstellung des Sortiments natürlich Grenzen. Ansonsten läuft man Gefahr, die Vorteile eines Zentraleinkaufs zu verlieren und im schlimmsten Fall die Erwartungen der Kunden zu enttäuschen.

Die Geduld der Kunden mit der Marke Galeria ist begrenzt

Eine weitere große Herausforderung: ein solch dezentrales Modell mit dem E-Commerce zu verknüpfen. Das setzt voraus, dass das System zu jeder Zeit weiß, welcher Artikel in welcher Filiale oder welchem Lager liegt und wie schnell er verfügbar ist. Und dann muss die Logistik in der Lage sein, die Wünsche der Kunden nach Abholung oder Lieferung am besten am gleichen Tag zu erfüllen. Klingt vielleicht trivial – ist es aber nicht.

Wenn die Warenhäuser wieder zum beliebten Treffpunkt in der Stadt werden sollen, müssen sie auch schnell renoviert werden, damit sich die Kunden wieder wohlfühlen und die versprochenen neuen Services rasch angeboten werden können. Das ist ein Kraftakt, der angesichts der klammen Finanzen wahrscheinlich die größte Hürde ist.

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Für die Verantwortlichen ist es der wahrscheinlich letzte Versuch. Zu oft haben sie große Erwartungen auf das Warenhaus der Zukunft geweckt und dann nicht erfüllt. Viel Geduld dürften die meisten Menschen nicht mehr mit der Marke Galeria haben.

Erstveröffentlichung: 11.01.23, 18:48 Uhr.

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