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Kommentar Das Smarthome ist ein Luftschloss

Das vernetzte Zuhause ist vorerst eine Zukunftsvision. Was die Technik momentan kann, geht an den echten Bedürfnissen der Nutzer noch vorbei.
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Auf der Ifa hat Siemens einen Backofen präsentiert, dessen Tür der Nutzer per Sprachbefehl öffnen kann. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Sprachgesteuerter Backofen

Auf der Ifa hat Siemens einen Backofen präsentiert, dessen Tür der Nutzer per Sprachbefehl öffnen kann.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Das Smarthome ist ein Luftschloss im besten Sinne. Seit Jahren wird der Begriff zwar proklamiert, aber bei einem Realitätscheck bleibt davon wenig übrig. Das wird vorerst auch so bleiben, wie auf der Internationalen Funkausstellung Ifa in Berlin zu besichtigen ist.

Zwar findet sich auf der Leitmesse für Unterhaltungselektronik in diesen Tagen kaum ein Gerät, das nicht mit dem Internet verbunden werden könnte. Mit Hundeleinen und Waschmaschinen lässt sich genauso surfen wie mit dem Kaffeeautomaten. Mit den Versprechungen des Smarthome hat das aber noch lange nichts zu tun.

Dieses Versprechen lautet: Die vernetzten Geräte schaffen neuen Nutzen. Nur etwa fünf bis sechs Prozent der Erwachsenen erleben dieses Plus tatsächlich, sagen Marktforscher – durch Energieeinsparung, mehr Sicherheit oder Entlastung zum Beispiel.

Das Leben im Internet der Dinge soll zwar in ganz neuen Sphären spielen. Aber die Waschmaschine schleudert weiterhin Hemden und Socken, die Kaffeemaschine kocht Kaffee – ob sie sich nun per Stimme oder mit einem Knopfdruck einschalten lässt.

Der Umbruch zum Internetzeitalter wird oft mit der Industrialisierung verglichen. Die brachte damals mit einem Schlag Kühlschränke und Konserven in die Küche. Jetzt steht das Zeug immer noch herum und frisst Energie, statt durch intelligente Planung ersetzt zu werden oder den Haushalt selbst zu organisieren. Das Internetzeitalter könnte dasjenige sein, in dem Technik nicht mehr bedient werden muss, sondern dem Menschen im wahrsten Sinne dient. Das ist bisher nur eine Vision. Und das hat viele Gründe.

Die Gründe für die Realitätsferne

Erstens steht die Entwicklung von vernetzten Geräten immer noch am Anfang. Die Entwickler probieren herum, und die Hersteller liefern, was dabei rauskommt. Meistens sind das nette Spielereien, auf denen neuerdings oft „handsfree“ steht. Das klingt modischer als „Hände frei“, meint aber das Gleiche.

Wer zum Beispiel beim Fernsehen den Sender wechseln will, braucht keine Fernbedienung mehr. Er schaltet jetzt per Spracherkennung weiter. Den Fernseher mit verschränkten Armen vom Ersten Programm zum Zweiten zu kommandieren, macht zwar Spaß, manchmal muss man aber auch ziemlich deutlich werden, damit die angeblich so intelligente Technik einen auch versteht. Mit den nummerierten Tasten auf der Fernbedienung gab es jedenfalls weniger Missverständnisse.

Die Künstliche Intelligenz wird ja noch besser, lässt sich einwenden. Aber damit ist es nicht getan. Denn zweitens geht die Entwicklung derzeit völlig an den echten Bedürfnissen der Nutzer vorbei. Solche Bedürfnisse wären etwa, Nahrungsmittel einzukaufen, Essen zu kochen, Wäsche zu waschen und zu trocknen — Homeservice im besten Sinne. Das Smarthome hilft da bisher wenig.

Der Topf liest das Rezept aus dem Internet vor und berechnet die Garzeit. Und die Waschmaschine hat künftig nur noch einen Knopf und unterscheidet selbst zwischen Handtüchern und T-Shirts.

Doch Achtung: Den Wollpulli muss man per Handy-App einstellen. Das heißt, Mama muss das machen – wie eh und je. Der 15-jährige Sohn wird sich künftig damit rausreden, dass er seine Speicherkapazitäten unmöglich mit der Wäsche-App verbrauchen kann. Echt smart.

Drittens ist das ganze „Handsfree-Hightech-Heiteitei“ viel zu teuer und bloß für eine kleine Zielgruppe mit Eigenheim erdacht. Das Smarthome hat nämlich eine Solaranlage auf dem Dach und wäscht energiesparend bei Sonnenschein. Dank Gesichtserkennung schlägt es Alarm, wenn ein Fremder vor der Terrassentür steht. Das muss man nicht geißeln. Allein – das perfekt vernetzte Zuhause wird bei diesem Angebot kein Massentrend.

Nicht nur Kaufentscheidungen spielen eine Rolle

Ob das Smarthome Wirklichkeit wird, hängt zudem von mehr ab als von Kaufentscheidungen. Der Schlüssel zum Smarthome liegt in der intelligenten Nutzung. Und die braucht einerseits viel technische und strategische Kompetenz und ist andererseits eine Vertrauensfrage.

Viele Menschen zweifeln zu Recht, ob das Leben mit all den intelligenten Geräten wirklich so komfortabel ist, wie die Werbung der Hersteller das verspricht. Smarthome-ausgerüstete Menschen machen sich vielmehr abhängig von der Technik, die eindeutig noch weiterentwickelt werden muss.

Und sie zweifeln zu Recht daran, dass das Smarthome tatsächlich mehr Sicherheit bringt, wenn sie von der Beleuchtung bis zum Türschloss alles ans Netz bringen. Und damit möglichen und unerwünschten Zugriffen ausliefern. Die neuen Risiken lauten entladener Akku und Hackerangriff. Ist das WLAN futsch, stehen die Geräte dumm rum. Da können sie so viel vernetzt sein, wie es nur geht.

So schnell werden die meisten Menschen deshalb wohl nicht ins Smarthome ziehen. Und das ist eine kluge Entscheidung.

Mehr: Die Internationale Automobilausstellung lockt Autofans weltweit nach Frankfurt. Ein wichtiges Thema in diesem Jahr: Elektromobilität.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss"

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  • Dem Artikel kann ich nur voll zustimmen.
    Wäre noch hinzuzufügen, ich wollte mir nicht durch den Kühlschrank das (fast) faule, welke Obst oder Gemüse bestellen lassen. Obst und Gemüse als Beispiel, das suche ich lieber selbst aus und überlasse den Rest dem Supermarkt.

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