Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Das System der Anzahlungen im Urlaubsgeschäft gehört auf den Prüfstand

Der Deutsche Reiseverband fordert schwächere Verbraucherrechte bei Pauschalreisen. Wenn man sich anschaut, wie die Branche ihre Kunden behandelt, ist das beinahe zynisch.
02.07.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Was dem Deutschen Reiseverband missfällt: Werden Pauschalreisen abgesagt, sind Kundengelder binnen zwei Wochen zurückzuzahlen. Quelle: dpa
EU-Reisepauschale

Was dem Deutschen Reiseverband missfällt: Werden Pauschalreisen abgesagt, sind Kundengelder binnen zwei Wochen zurückzuzahlen.

(Foto: dpa)

Berlin Unanständiger geht es kaum. Zum Start der deutschen EU-Präsidentschaft meldet sich der Deutsche Reiseverband (DRV) bei der Bundesregierung mit einem Anliegen, das die Kommission vor wenigen Wochen schon einmal zurückwies. Deutschland solle in Brüssel doch bitte schön die kommenden sechs Monate dazu nutzen, die seit 1990 in der EU-Pauschalreiserichtlinie verankerten Verbraucherrechte zu durchlöchern.

Was dem DRV missfällt: Werden Pauschalreisen abgesagt, sind Kundengelder binnen zwei Wochen zurückzuzahlen. So will es das Gesetz. Diese Regelung aber, meint Verbandspräsident Norbert Fiebig, sei „für den Pandemie-Fall nicht ausgelegt“. Während der Coronakrise habe sie „die gesamte europäische Reiseindustrie in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht“.

Politiker, die dieser Argumentation auf den Leim gehen, dürften es bei den nächsten Wahlen schwerhaben. Zum einen halten bis heute übermäßig viele Reiseveranstalter angezahlte Gelder rechtswidrig zurück. Zum anderen gewinnt mit diesem millionenfachen Rechtsbruch das komplette System der Anzahlungen höchstens an Fragwürdigkeit.

Wieso eigentlich wird von Urlaubern verlangt, Monate im Voraus vierstellige Beträge für Leistungen zu überweisen, die im Insolvenzfall – siehe Thomas Cook – nicht einmal ausreichend abgesichert sind? Wer zum Friseur geht, zahlt schließlich auch erst nach dem Haarschnitt, kein Restaurant verlangt schon bei der Bestellung den Menüpreis.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Mit den schlecht abgesicherten Privatkrediten müssten Reservierungen von Hotels und Airlines bezahlt werden, entgegnet man vonseiten der Pauschalanbieter – und verrät damit doch nur die halbe Wahrheit.

    Kurz vor Ausbruch der Coronakrise verteilte etwa Tui aus der mit Kundengeldern gefüllten Kasse noch 318 Millionen Euro an seine Aktionäre, zum Teil Milliardäre aus Spanien, Ägypten und Russland. Da ist es fast zynisch, wenn der DRV-Präsident nun eine „fairere Ausgewogenheit der Belastungen zwischen Wirtschaft und Verbrauchern“ fordert.

    Mehr: Was Urlauber im Sommer beachten sollten: Die wichtigsten Fragen und Antworten

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Das System der Anzahlungen im Urlaubsgeschäft gehört auf den Prüfstand
    0 Kommentare zu "Kommentar: Das System der Anzahlungen im Urlaubsgeschäft gehört auf den Prüfstand"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%