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Kommentar Das Treffen mit Putin ist eine Bankrotterklärung Trumps

Für die USA war Donald Trumps Treffen mit Wladimir Putin eine Blamage auf ganzer Linie. Doch der Multi-Pleitier wird auch diese Pleite überstehen.
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Das Treffen der beiden Staatspräsidenten wurde vielerorts als ein Triumph Wladimir Putins über einen beinahe unterwürfigen US-Präsidenten gewertet. Quelle: Reuters
Trump-Putin-Gipfel in Helsinki

Das Treffen der beiden Staatspräsidenten wurde vielerorts als ein Triumph Wladimir Putins über einen beinahe unterwürfigen US-Präsidenten gewertet.

(Foto: Reuters)

Er war gekommen, um sich in die Geschichtsbücher einzutragen. Ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den USA und Russland wollte Donald Trump aufschlagen. Die Altstadt von Helsinki, wo 1975 der Grundstein für die friedliche Überwindung des Ost-West-Konflikts gelegt wurde, sollte als Kulisse für seine Inszenierung als Weltpolitiker dienen.

Geschichte hat Trump tatsächlich geschrieben, nur anders als gewollt. Seine Pressekonferenz mit Kremlchef Wladimir Putin war der blamabelste Auftritt, den ein amerikanischer Präsident je auf der Weltbühne hingelegt hat. Nicht ein kritisches Wort ging Trump über die Lippen. Er war unvorbereitet und unterwürfig, Putin in allen Belangen unterlegen.

Dabei hatten ihm seine Berater extra eine Russland-Akte vorbereitet, 100 Seiten mit wohldokumentierten Vorwürfen. Trump hätte den Abschuss der Passagiermaschine MH-17 anprangern können, die Aggression gegen die Ukraine, die Kriegsverbrechen in Syrien oder den Nervengiftanschlag in Großbritannien. Und weil er in seinem Amtseid geschworen hat, Unheil von den Vereinigten Staaten fernzuhalten, hätte er eines in jedem Fall verurteilen müssen: den Cyberangriff auf den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Aber Trump zog lieber über das FBI her, über Hillary Clinton, die Demokratische Partei und – zur besonderen Genugtuung des Medienschinders Putin – die freie Presse. Zum krönenden Abschluss echauffierte sich der US-Präsident über die Bemühungen seiner Justizbeamten, die russischen Hackerangriffe auf die Demokratische Partei aufzuklären.

Die Ermittlungen seien „desaströs“, eine „Hexenjagd“. Dies war ein Kniefall vor dem russischen Machthaber, der sich als moderner Zar geriert. Vor den Augen der Welt schrumpfte der amerikanische Präsident zum Sprachrohr des Putin-Systems.

Als sich am 8. November 2016, jenem Schicksalsdatum für den Westen, die Eilmeldungen von Trumps Wahlsieg verbreiteten, schnitten Amerikas Geheimdienste ein Feixen und Gejohle im Kreml mit. Spätestens jetzt weiß man, warum.

Mit Trump an der Spitze macht sich die Weltmacht Amerika zum Gespött. Sein Wahlspruch „America first“ bedeutet „Russland gewinnt“. Der Kreml darf sich eingeladen fühlen, auch im nächsten Wahlkampf nach Herzenslust mitzumischen, die Amerikaner gegeneinander aufzuwiegeln und die Nation zu schwächen.

Die Schande von Helsinki wird lange nachhallen. Die Pressekonferenz war eine Bankrotterklärung des amerikanischen Präsidenten, politisch, moralisch, intellektuell. Und doch wird sie für Trump wohl keine ernsten Konsequenzen haben. Er hat schon viele Pleiten hingelegt, und er wird auch diese überstehen.

Trump hat Neonazis verharmlost und einen mutmaßlichen Triebtäter als Senator empfohlen; Kleinkinder aus Mittelamerika ließ er aus den Armen ihrer Eltern reißen. Jedes Mal hallte ein Aufschrei durchs Land, der rasch wieder verklang. Die republikanische Basis hält Trump die Treue, das ist seine wichtigste Rückversicherung.

Die Verteidigungskampagne des Weißen Hauses hat bereits begonnen, der Krawallschläger macht jetzt auf Willy Brandt: „Ich übernehme lieber das politische Risiko des Strebens nach Frieden, als den Frieden für parteipolitische Bestrebungen zu riskieren“, verkündet Trump auf Twitter. Welch nobler Geist.

Die Wahrheit ist: Ein Willy Brandt war in Helsinki nirgendwo zu sehen, allenfalls ein Diederich Heßling, der kriecherische Protagonist in Heinrich Manns Roman „Der Untertan“. Trump, der gerade erst in Brüssel und London auf seine demokratischen Bündnispartner eingedroschen hatte, kuschte vor einem ruchlosen Autokraten.

Natürlich drängt sich die Frage auf, wie die bizarre Demut gegenüber Russland zu erklären ist. Der Verdacht, dass der US-Präsident erpressbar ist, dass Putin etwas gegen ihn in der Hand hat, erhält neue Nahrung. „Ich bin keine Marionette“, hatte sich Trump im TV-Duell mit Clinton empört. Doch wenn er eine wäre, würde er sich kaum anders verhalten, als er es tat.

Einen besseren Verhandlungspartner könnte sich Moskau gar nicht wünschen. Trump beschimpft Deutschland, demütigt die britische Premierministerin, zieht über die Nato her. Er spaltet den Westen. Putin haucht er ein „Thank you“ zu.

Das Fazit lautet: Trump bleibt, wo er ist, und Europa muss sich in einer veränderten Welt zurechtfinden. Wer glaubt, ein paar Milliarden mehr fürs Militär würden die westliche Verteidigungsgemeinschaft schon irgendwie zusammenhalten, hat nicht verstanden, dass die wichtigste Währung der Allianz nicht Dollar oder Euro heißt, sondern Vertrauen.

Dieses Vertrauen hat Trump nachhaltig beschädigt. Der Wert amerikanischer Sicherheitsgarantien ist vergangene Woche wie eine Ramschaktie abgestürzt und wird sich, wenn überhaupt, nur langfristig erholen. Auch so kann man Geschichte schreiben. Die Überschrift für das Kapitel? Trumps Werk und Putins Beitrag.

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