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Kommentar Das WeWork-Debakel verdirbt US-Start-ups die Partystimmung – Das ist gut so

Die Krise des Büroanbieters führt zu einer branchenweiten Katerstimmung. Wenn Gründer die richtigen Schlüsse daraus ziehen, werden sich drei Dinge verändern.
22.10.2019 - 17:58 Uhr Kommentieren
Der amerikanische Büroanbieter WeWork wird Tausende Stellen streichen, auch eine Insolvenz ist möglich. Dabei war die Firma vor Kurzem noch das wertvollste Start-up in den USA. Quelle: Bloomberg
Ein Mieter telefoniert in einem Co-Working-Büro

Der amerikanische Büroanbieter WeWork wird Tausende Stellen streichen, auch eine Insolvenz ist möglich. Dabei war die Firma vor Kurzem noch das wertvollste Start-up in den USA.

(Foto: Bloomberg)

So schnell abwärts ging es noch nie im Land der milliardenschweren Start-ups. Noch vor zwei Monaten machte sich der amerikanische Büroanbieter WeWork bereit für einen Börsengang – mit einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar. Nun jedoch muss Großinvestor Softbank einen Rettungsplan aufstellen, der mit harten Bedingungen verknüpft ist.

Frisches Geld gibt es nur, wenn der Unternehmenswert um 83 Prozent nach unten korrigiert wird. WeWork wird Tausende Stellen streichen, auch eine Insolvenz ist möglich. Dabei war die Firma vor Kurzem noch das wertvollste Start-up in den USA.

Der Sternenstaub ist auch andernorts verflogen. Gründer, Investoren und Banken, die den Hype der sogenannten Einhörner – Start-ups, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden – lange mitgetragen haben, kommen in der tristen, harten Realität an.

Die existenzielle Krise bei WeWork führt zu einer branchenweiten Katerstimmung, die das Verhalten in der Start-up-Welt verändern wird – und zwar nicht nur in den USA. Schließlich ist Softbank-Chef Masayoshi Son, der vor dem Rettungspaket bereits elf Milliarden Dollar in WeWork steckte, ein internationaler Investor, der in den USA, in Deutschland, Indien und Japan aktiv ist.

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    Der Stimmungswandel ist längst überfällig und ein wichtiger Schritt. Wenn Gründer und Investoren die richtigen Schlüsse aus dem WeWork-Debakel ziehen, dann werden sich folgende drei Dinge verändern.

    Erstens: Sie müssen sich vom Hyperwachstum verabschieden. „Blitzscaling“ war lange Zeit eine beliebte Strategie im Silicon Valley, die da lautet: Umsatz steigern, koste es, was es wolle. Denn das treibt auch die Bewertung an, so die Hoffnung. Das ist gut für Gründer und Mitarbeiter, genauso wie für die Investoren.

    Doch das System hat Grenzen. Das hat nicht nur das Debakel bei WeWork gezeigt, sondern auch die Probleme von Start-ups wie Uber, Lyft, Peloton und Slack. Diese Unternehmen sind in den vergangenen Monaten an die Börse gegangen. Aber sie sind dort keine Stars, sondern werden abgestraft. Wachstum ist zwar gut, doch zumindest einen Weg zur Profitabilität wollen die Banker und Anleger schon sehen. Wer künftig an der Börse erfolgreich sein will, der wird sich das zu Herzen nehmen.

    Zweitens: Start-ups brauchen mehr Aufsicht. Die Zeiten, in denen Gründer wie Halbgötter gefeiert werden und sich praktisch alles erlauben können, sind vorbei.

    Diskussion um Disziplin entbrannt

    Travis Kalanick, der Gründer von Uber, konnte sich immer neue Skandale und eine frauenfeindliche Firmenkultur erlauben, bevor Risikokapitalgeber Benchmark ihn schließlich aus dem Chefposten drängte. Benchmark ist wie Softbank auch bei WeWork investiert. Und auch dort ließen die Geldgeber Dinge durchgehen, die vermutlich in keinem börsennotierten Unternehmen stattfinden würden. So zahlte WeWork, das im ersten Halbjahr 900 Millionen Dollar Verlust machte, den Chauffeur für den Maybach von Co-Gründer Adam Neumann.

    Für 60 Millionen Dollar schaffte das Unternehmen einen Privatjet an. Neben seinem Büro ließ Neumann ein Mini-Spa einrichten, inklusive Eispool, um sich nach dem Work-out mit dem Personal Trainer schneller zu regenerieren. Der Verwaltungsrat ließ alles geschehen. Der 40-Jährige sollte mit dem Börsengang schließlich alle reich machen.

    Dass Neumann nun zwar den Vorsitz des Verwaltungsrats abgibt, aber seine Anteile offenbar noch für eine Milliarde Dollar an Softbank verkaufen und zwei Verwaltungsratsmitglieder bestimmen kann, lässt ihn zu gut wegkommen. Doch die Diskussion um mehr Disziplin, persönlich wie finanziell, ist längst entbrannt. Andere werden ihre Lehren daraus ziehen.

    Verwaltungsräte müssen ihrer Kontrollfunktion nachkommen, sonst schaden sie dem Unternehmen, dem sie dienen sollen. Auch müssen die Kontrolleure dafür sorgen, dass der CEO gut darauf vorbereitet wird, ein börsennotiertes Unternehmen zu führen. Und wenn das nicht geht, muss ein anderer ran. Gründer sind nicht immer die richtigen Chefs.

    Drittens: Die Geschäftsmodelle müssen sich verändern. Ohne den Zwang zu möglichst schnellem Wachstum werden wir im besten Fall Start-ups mit robusteren, nachhaltigeren Ansätzen sehen. Immer wieder stellt man sich als Verbraucher die Frage, wie Dienste wie Uber, der Scooter-Anbieter Lime und der Lieferdienst DoorDash überleben können, wenn sie ihre Angebote kontinuierlich subventionieren.

    Venture-Capital-Geber könnten künftig geneigt sein, nicht mehr in neue Delivery- oder Scooter-Apps zu investieren, sondern vielleicht stärker in Start-ups, die große Probleme wie den Klimawandel angehen. Auch wenn diese im Zweifel weniger sexy sind, hingegen aber eine Wirtschaftskrise überstehen können – etwas, was WeWork auch bei einem erfolgreichen Börsengang vielleicht nicht geschafft hätte.

    Die Macher in der Einhorn-Welt müssen künftig eine schwierige Balance finden: Ein bisschen verrückt dürfen die innovativen Start-ups schon sein, aber es muss klar erkennbare Grenzen geben. Wer diese Balance schafft, wird zu den Gewinnern zählen.

    Mehr: Machtwechsel bei WeWork – Softbank übernimmt die Kontrolle.

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