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Kommentar Das Wirecard-Leerverkaufsverbot der Bafin war ein leichtfertiger Tabubruch

Das Verbot, auf fallende Aktienkurse zu wetten, ist ein starkes Instrument. Dass die Bafin es bei Wirecard trotz Zweifeln der Bundesbank nutzte, war fahrlässig.
24.11.2020 - 18:50 Uhr Kommentieren
Das Leerverkaufsverbot der Bafin für Wirecard-Aktien war umstritten. Quelle: dpa
Wirecard-Hauptsitz

Das Leerverkaufsverbot der Bafin für Wirecard-Aktien war umstritten.

(Foto: dpa)

Normalerweise arbeiten Bundesbank und Bafin Hand in Hand. Doch als es im Februar 2019 um ein Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien ging, schienen die Wertpapieraufseher der Bafin die Skepsis, die die Bundesbank äußerte, schlicht ignoriert zu haben. Das ist bemerkenswert.

Die Bafin hatte diese Wetten gegen Wirecard-Aktien mit dem Argument verboten, es gebe eine „ernst zu nehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland“. Genau dieser Einschätzung widersprach die Bundesbank in einem informellen Gespräch, wie nun aus einem internen Vermerk der Notenbank hervorgeht. In der Folge sah die Bundesbank dann keine Gefahr für die Finanzstabilität.

Formal ist die Bundesbank für Fragen des Marktvertrauens nicht zuständig, sie ist nur Hüterin der Finanzstabilität. Und ihre abweichende Meinung teilte die Notenbank der Bafin auch nicht offiziell, sondern nur in einem informellen Telefonat mit.

Dennoch wirft der Vorgang ein schlechtes Licht auf die Entscheidung der Bafin für das Wettverbot mit Wirecard-Aktien. Denn so ein Shortseller-Bann gehört nicht zum Alltagsgeschäft der Behörde.

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    Bis zu diesem Zeitpunkt waren Leerverkaufsverbote ein Instrument aus Zeiten der Finanzkrise, für Einzelaktien jenseits einer Systemkrise waren sie ein Novum. Entsprechend groß war die absehbare Signalwirkung dieser Entscheidung.

    Das scharfe Schwert der Aufseher

    Wenn Wertpapieraufseher ein so scharfes Schwert zücken, sollte man eigentlich voraussetzen, dass der Schritt gründlich überbedacht wurde und ein Notfall vorliegt. Das macht den Bundesbank-Vermerk für die Bafin so ungemütlich. Denn mit der Notenbank hielt eine Institution, deren Finanzexpertise unumstritten ist, den massiven Eingriff der Bafin ins Marktgeschehen für unnötig. Dass die Bundesbank in Sachen Marktvertrauen formal nicht zuständig ist, spielt hier keine Rolle.

    Wichtiger ist die Feststellung, dass es Fachleute gab, die die Maßnahmen der Bafin schon zu einem Zeitpunkt für überzogen hielten, als längst noch nicht klar war, ob und in welchem Ausmaß bei Wirecard getrickst und betrogen wurde.

    Dass solche Vorgänge nur scheibchenweise ans Licht kommen, wirft ebenfalls ein schlechtes Licht auf die Wertpapieraufseher. Bis heute verteidigt die Bafin ihr Leerverkaufsverbot als fachlich einwandfrei. Nun dürfen Experten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, auch was die Frage des vermeintlich bedrohten Marktvertrauens angeht.

    Zu einer konsequenten Aufklärung würde aber eigentlich gehören, dass auch unangenehme Details wie die abweichende Einschätzung der Bundesbank von der Bafin proaktiv ans Licht gebracht werden.

    Mehr: Bundesbank sprach sich gegen Wirecard-Leerverkaufsverbot aus – Bafin verhängte es dennoch

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