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Kommentar Den Plakaten der Familienunternehmer müssen Taten folgen

Vielfalt zu fordern ist leicht. Aber sie Tag für Tag im Betrieb zu leben ist eine große Aufgabe für Unternehmen. Das erfordert Ausdauer.
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Auch Vorwerk gehört zu den Familienunternehmen, die sich für Weltoffenheit und Vielfalt engagieren. Quelle: dpa
Vorwerk-Produktion

Auch Vorwerk gehört zu den Familienunternehmen, die sich für Weltoffenheit und Vielfalt engagieren.

(Foto: dpa)

Bis heute ist „Made in Germany“ ein Qualitätsversprechen. Unter dem Slogan „Made by Vielfalt“ machen gerade 50 Familienunternehmen in einer breit angelegten Werbekampagne pointiert darauf aufmerksam, was hinter diesem Versprechen steckt: keineswegs nur deutsche Mitarbeiter, sondern in vielen Fällen eine sehr internationale Belegschaft und eine Zusammenarbeit über europäische und außereuropäische Grenzen hinweg.

Offenheit und Toleranz sind Voraussetzungen für Qualitätsprodukte aus Deutschland. Die Liste der Unterzeichner liest sich wie das „Who‘s who“ der deutschen Familienunternehmer: Von Henkel über Otto bis Vorwerk sind viele angesehene Firmen und deren Eigentümer mit dabei.

Die Kampagne ist mutig. Aus zwei Gründen: zum einen, weil die öffentliche Debatte über Migration und Integration extrem hitzig geführt wird. In so manchem Verein oder Freundeskreis wird gar das Thema Integration oder AfD gar nicht mehr angesprochen, um die Stimmung nicht zu verderben.

Jeder, der das Thema in den sozialen Medien oder in den Kommentarspalten der traditionellen Medien verfolgt, weiß, welch gehässige Reaktionen dazu unweigerlich kommen.

Zum anderen darf man nicht unterschätzen, welche Überwindung es gerade Familienunternehmer kosten dürfte, sich überhaupt öffentlich zu gesellschaftlichen Themen zu äußern. Erst recht zu diesem kontroversen Thema. Viele von ihnen sind in einer Zeit aufgewachsen, in der man sich politisch oder gesellschaftlich nicht zu äußern pflegte. Es galt die Maxime, seinem Geschäft nachzugehen.

Doch was, wenn die gesellschaftliche Stimmung und die politische Reaktion darauf das Geschäftemachen gefährden? Dann ist es für die Unternehmer an der Zeit, das Wort zu ergreifen.

Denn tatsächlich ist die Debatte keine intellektuell losgelöste Luftnummer. Die Stimmungsmache vom rechten Rand bedroht den wirtschaftlichen Erfolg vieler großer und kleiner Unternehmen – und die Arbeitsplätze, die daran hängen. Denn Firmen, die exportieren und auf Importe angewiesen sind, deren Lieferketten sich über europäische und außereuropäische Grenzen hinweg erstrecken, sind in Deutschland nicht Ausnahme, sondern die Regel.

Populisten, die Abschottung propagieren und Handelsbarrieren hochziehen wollen, schaden den deutschen Unternehmen und deren Arbeitnehmern. Egal, ob es der Brexit oder die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA, Europa und China sind – die ersten negativen Folgen der Abschottungstendenzen spürt die Wirtschaft bereits.

Natürlich zielt die Kampagne der Familienunternehmer nicht nur auf Handelsschranken, sondern auch auf Migration. Es ist eine altbekannte Forderung, dass Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen wollen, indem sie Mitarbeiter aus dem Ausland anwerben.

Es ist richtig und wichtig, diese Zuwanderung klug zu steuern. Doch den Familienunternehmern geht es um mehr, als um einzelne ausländische Talente. Es geht um die Zusammenarbeit derer, die schon da sind. Denn schon heute gehen Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Glaubensrichtungen unter einem Dach ihrer Arbeit nach.

Es ist ein starkes Signal, wenn ein Unternehmen wie Henkel betont, dass diese Vielfalt nicht nur gegebener Fakt ist, sondern sogar ein willkommener Erfolgsfaktor: Gemischte Teams erzielen schlicht bessere Ergebnisse.

Unter dem Strich ist klar, wenn die Unternehmen Vielfaltsplakate kleben lassen, so machen sie damit nicht nur eine politische Aussage. Sie handeln im Einklang mit ihren wirtschaftlichen Interessen.

Die große Herausforderung wird sein, den schönen Plakaten Taten folgen zu lassen. Denn wenn dem Auftakt nichts folgt, hätten sie sich den Kleber für die Plakate sparen können. Dann würde die Aktion ohne Wirkung verpuffen.

Die erste Konsequenz muss sein, dass sich die Familienunternehmer immer und immer wieder öffentlich und im eigenen Umfeld zu Wort melden und erklären, warum Vielfalt ein Erfolgsrezept ist. Nur so wird ihr Appell für mehr Toleranz und Offenheit einen nachhaltigen Effekt haben.

Neben dieser aktiven Rolle in der öffentlichen Debatte müssen die Unternehmer aber vor allem sicherstellen, dass Vielfalt in ihren eigenen Betrieben gelebt wird. Sie dürfen nicht wegschauen, wenn es knirscht. Sie müssen sich im Klaren darüber sein, dass es zwar bequemer ist, wenn alle der gleichen Meinung sind, aber dass es zielführender ist, wenn Teams unterschiedliche Blickwinkel mit einbeziehen können – die sie aus ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründen mitbringen.

Gerade in Zeiten des schnellen technologischen Fortschritts ist das ein zentraler Wettbewerbsvorteil. Ein solches Arbeitsumfeld zu ermöglichen bedeutet Tag für Tag Anstrengung. Gelungen ist die Aufgabe erst dann, wenn der Mitarbeiterausweis wichtiger für die Identität ist als der Reisepass.

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