Kommentar Denn sie wissen nicht, was sie essen

Der Skandal um das vertauschte Pferdefleisch in Großbritannien zeigt einmal mehr, wie sehr wir uns vom Produkt Fleisch entfernt haben – wir merken nicht einmal mehr, welches Tier da für uns getötet wurde.
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Fleisch in einer Pferdemetzgerei: Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie da eigentlich essen. Quelle: dpa

Fleisch in einer Pferdemetzgerei: Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie da eigentlich essen.

(Foto: dpa)

Manch einer mag sich ekeln bei dem Gedanken, dass er in der Vergangenheit statt Schwein, Huhn oder Rind möglicherweise das Fleisch von Hund, Pferd oder Katze gekaut hat. Möglich ist das, wie Experten sagen. Die Lieferkette von Lebensmitteln ist lang und für den Verbraucher undurchsichtig.

Dana Heide ist Redakteurin im Ressort Unternehmen von Handelsblatt Online. Quelle: Frank Beer

Dana Heide ist Redakteurin im Ressort Unternehmen von Handelsblatt Online.

(Foto: Frank Beer)

Wer fertige Bolognese-Sauce aus dem Supermarkt kauft, kann nicht wissen, woher das Fleisch darin stammt, wo und wie die Tiere aufgewachsen sind, wie sie aussahen, wie alt sie wurden. Der Verbraucher greift mit dem Gedanken an den Geschmack und vielleicht noch an den Nährwert des Fleisches im Supermarkt zu. Die Lasagne des britischen Supermarktes hat offensichtlich so geschmeckt, wie es der Verbraucher wollte. Und auch mit deren Nährwert muss er einverstanden gewesen sein, die waren schließlich auf der Packung angegeben. Trotzdem beunruhigt der Gedanke, dass man Pferd gegessen hat.

Aber warum eigentlich? Weil wir besser verdrängen können, was weiter weg von uns ist.

Jeder hat wohl schon einmal einem Hund den Kopf getätschelt, über die Youtube-Videos von niedlichen Katzen geschmunzelt oder über die Leistungen eines Sportpferdes im Fernsehen gestaunt. Mit Schweinen, Hühnern oder Rindern beschäftigen wir uns aber eher selten, so mancher Städter hat noch nie ein lebendes Schwein gesehen. Ab und zu kommen Horrormeldungen von zusammengepferchten und mit Antibiotika gefütterten Tieren in den Nachrichten, man empört sich, denkt kurz nach und isst am nächsten Morgen wieder sein Brötchen mit der Leberwurst, die so wenig an das Schwein aus den Nachrichten erinnert.

Ein Hund oder ein Pferd jedoch ist dem Menschen näher. Niemand käme in Deutschland auf die Idee, einen Hund zu schlachten und gut gewürzt beim Abendessen zu servieren. Auch die Zahl der Pferdefleisch-Liebhaber ist hierzulande sehr gering. Das Fleisch ist tabu, das hat die Gesellschaft so festgelegt. In anderen Ländern sind die Meinungen anders, Pferdefleisch gilt etwa in Frankreich als Delikatesse, und in China essen sie bekanntermaßen auch Hunde.

Das Prinzip bleibt aber immer das Gleiche. Tiere sind uns ausgeliefert, wir entscheiden, was mit ihnen passiert, ob sie leben dürfen oder sterben müssen. Auch an Schweinen, Hühnern und Rindern würden viele sicher etwas Niedliches, Anrührendes und Liebenswertes finden. Aber verdrängen ist einfacher.

Wir sollten es uns nicht so einfach machen, sondern mehr Mitgefühl zeigen - auch mit den Tieren, die uns nicht so nahe stehen. Das ist recht einfach, Bio-Anbieter gibt es reichlich, selbst beim Discounter kann man Mortadella kaufen, die von Schweinen stammt, die auch mal das Tageslicht gesehen haben.

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14 Kommentare zu "Kommentar: Denn sie wissen nicht, was sie essen"

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  • "Ich ess aber eh keine Lebewesen, vielleicht liegt's daran."
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    Pflanzen sind also KEINE Lebewesen... Interessante Einstellung! Erzählen Sie das mal einem Biologen... :-)
    Wie auch immer, physiologisch betrachtet ist der Mensch immer noch ein Omnivore, dessen Ernährungsgewohnheiten denen eines Bären gar nicht mal unähnlich sind. Ergo esse ich auch Fleisch. Allerdings möchte ich schon wissen, was es ist und wo es herkommt.
    Tabu sind bei mir logischer Weise Hunde (die seit vielen zigtausend Jahren GEFÄHRTEN des Menschen sind) und Katzen, die ebenfalls direkte Gesellschafter des Menschen sind (überhaupt stehen Beutegreifer gewöhnlich auf der Tabu-Liste, aus gutem Grund). Ansonsten ist Beute machen = Fleisch verzehren ein hunderte von Millionen Jahre altes Prinzip der Natur, auch als Nahrungskette bekannt, in der u.a. auch der Mensch zu den Top-Prädatoren gehört.
    Will sagen: Wer als Vegetarier oder Veganer leben soll, soll das tun, aber mit dieser penetranten Missioniererei aufhören. Wer Fleisch verzehrt, ist weder ein besserer noch ein schlechterer Mensch, sondern hat sich nur die artgerechten Ernährungsgewohnheiten von Homo spec. bewahrt.

  • "mehr Mitgefühl zeigen"

    Ich habe lange Zeit versucht Fleisch zu kaufen, das von Tieren stammt, die bei uns ein ethisch tierwürdiges Leben führen durften.

    In meiner Gegend gibt es leider kein bezahlbares "Fleisch" (ich meine nicht Billigfleisch), das aus Betrieben stammt, die die Tiere artgerecht halten. Obwohl ich gelesen habe, dass der Verbraucher seit Beginn dieses Jahres einen Anspruch bei Geflügel, Rind und Schwein darauf hat.

    Ich frage mich, warum macht man nicht das billig produzierte Fleisch zugunsten des Produktes, bei dem zwar weniger Tiere aufgezogen werden, die aber ethisch vertretbar leben durften, einfach teurer und umgedreht?

    Die Regierung könnte entsprechende Subventionen vergeben oder mit Steuererhebungen einschreiten. Aber das will sie gar nicht, weil es weder um den Willen des Bürgers geht, noch ein echtes Interesse am Tierschutz besteht.

    Anders ist es auch nicht zu verstehen, dass Moslems und Juden hier in Deutschland in großem Umfang Tiere schächten dürfen, obwohl das ja ansonsten verboten ist.

    Wir leben in einer vollkommen scheinheiligen Welt und die Politiker katzbuckeln vor den verschiedenen Lobbygruppen aus Dummheit, Ignoranz und eigener Gier!

  • "Bin durch Zufall auf diesen Beitrag gestossen und habe dabei gedacht wie " BLÖD, wie BLÖD, wie BLÖD! Der Nährwert dieser ebenso abgehangenen wie abgeschmackten Kapitalismus-Kritik, die ihr Verfallsdatum schön längst überschritten hat und daher in keinster Weise mehr geniessbar ist & eigentlich schon längst aus dem Verkehr genommen gehört, ist einfach nur unterirdisch .. in unerträglicher Weise garniert mit den naiven Einfältigkeiten aus dem Ponnyhof .. und das Bein immerschön an der achso-bösen Agrarindustrie heben! Bitte entsorge doch Deine Bio-Gülle woanders! Derlei Dekadenz zeigt sich der agrarindustriellen grünen Revolution aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts unwürdig: Typen wie Dir kann man nur'mal wieder'ne saftige Hungerepidemie an den Hals wünschen wie zu vorindustriellen Zeiten, als alle noch Bio-Bauern waren ...

  • Bin durch Zufall gestern auf diesen Satz gestossen und habe dabei gedacht wie wahr, wie wahr...: "Kapitalismus in seiner Jetzt-Form scheint zu bedeuten: Verkauf jedem deinen Müll gut. Verkaufe jedem klebrige Cola oder dich selbst, als sei es Gold." (aus www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/s-p-o-n-fragen-sie-frau-sibylle-a-882023.html)

    P.S. Auf die Qualitaet von Bio-Produkten aus dem Discounter wuerde ich mich nicht verlassen... Bei Aldi/Lidl &Co. findet man nur Produkte mit dem europaeischen Bio-Siegel. Artikel aus Naturkostläden, Reformhäusern etc (von kleinen/mittelstaendischen Herstellern, Demeter etc) bieten da eine andere Qualitaet, auch was den Geschmack betrifft.

    Und wenn nicht mehr vor allem die Grossbetriebe/Agrarkonzerne von der EU subventioniert wuerden sondern die Kleinbauern, dann waeren Bio-Produkte auch erschwinglicher.

  • @ AS1: Nein, ich will nicht wissen, was auf Lebensmitteln draufsteht. Ich kann a) selber lesen b) geht es nicht darum, was draufsteht, sondern was tatsächlich "drinne" ist (s.o., bitte lesen). Da es Bestimmungen dazu gibt, welches Fleisch genießbar ist, dürften eigentlich keine Bedenken bestehen, genau wie bei vegetarischen Speisen auch. Es ist mir klar, dass es leider viele schwarze Schafe gibt, die aufgrund der zu erzielenden Margen schlechte Waren verarbeiten/panschen (s.o.). Hackfleisch bietet sich da nunmal (leider an, da die einzelnen Fleischsorten schlecht zu identifizieren sind und es meist gut gewürzt ist. Panschereien gibt es jedoch auch im vegetarischen Bereich, da können Sie sicher sein, auch wenn ich es (anders als Sie und "mundus") keinem Mitmenschen gönne (und schon gar nicht nur deshalb, weil er bezüglich der Beschaffenheit von Lebensmitteln anders denkt), dass er mutmaßlich schlechte Ware ungewollt zu sich nimmt. Selbstverständlich hat der hineingemischte "Müll" nichts mit Fleisch-/ oder Vegetarierspeise zu tun, solche Panschereien gibt es in jedem Bereich. Wer Anderes glaubt, glaubt wahrscheinlich auch noch an den Osterhasen! Ihnen wünsche ich in diesem Sinne bereits jetzt frohe Ostern!

  • @blackdust

    Sie wollen wissen, was auf dem Produkt angegeben ist? Dann sagen Sie mir mal, was beim Hackfleisch angegeben ist? Steht dort irgendwo, was für einen zusammen gekehrten Müll man dort hinein gemixt hat? Nein. Und zwar, weil dem Verbraucher sonst der Appetit vergeht.

  • @mundus
    Es geht nicht um Fleisch oder Vegetarisch!

    Das Problem ist die Qualität der Lebensmittel.

    Und die betrifft nicht nur das Fleisch sondern auch die vegetarischen Lebensmittel oder Bio(was immer man darunter noch verstehen soll). Stichwort: EHEC Da war doch was? Und es waren nicht die spanischen Gurken^^

  • Sie legen eine ziemlich naive Einstellung dar: Man will das essen, was auf dem Produkt angegeben ist, egal ob Fleisch gegessen wird, oder nicht. Im Übrigen lässt "gepanschte" Ware nicht darauf schließen, dass hochwertige "Ersatzware" verwendet wurde, es wird sich eher um einen minderwertigen (=günstigen) Ersatz handeln, insofern ist die Besorgnis wohl angebracht. Sie wollen ja sicher auch keine Speisen essen, deren Früchte faulig sind, die von Pestiziden verseucht sind, die Wachstumspräparate enthalten, die gentechnisch manipuliert sind, die mit Nitraten verseucht sind oder die schlicht nicht die Ware enthalten, die beworben wird... Der Trotz und die Egalität, die Sie hier gegenüber andersdenkenden Menschen an den Tag legen, ist erschreckend und erstaunlich zugleich!

  • Ich finde diese Diskussion auch lächerlich. Warum wird beim Fleisch darauf geachtet, um welches Tier es sich handelt? Ist es etwa verwerflicher, wenn es ein Pferd ist? Und Rinder sind OK? Ist man ein bessere Mensch, wenn man Schweine und Rinder statt Pferde isst?

    Man sollte sich lieber Gedanken um den maßlosen Fleischkonsum an sich machen! Heute wird wieder tonnenweise Gülle auf die gefrorenen Böden (in meiner unmittelbaren Umgebung) verklappt und es stinkt kilometerweit, vom Dreck und der Verseuchung der Böden mal ganz abgesehen. Warum wird soetwas toleriert?

  • Eigentlich sollte es Tieressern doch ziemlich egal sein welches Tier sie essen, bedrohte Tierarten mal aussen vorgelassen. Aber, ob Schwein, Pferd,Hund oder Maden ist doch ziemlich wurscht. Versteh die ganze Aufregung nicht. Ich ess aber eh keine Lebewesen, vielleicht liegt's daran.

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