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Kommentar Der Abgesang auf die deutsche Autoindustrie ist verfrüht

BMW, Daimler und VW werden von neuen Konkurrenten und Technologien herausgefordert. Aber verloren ist das Rennen gegen Tesla und Co. noch nicht.
28.10.2019 - 19:39 Uhr 1 Kommentar
BMW, VW und Co.: Abgesang auf die deutsche Autoindustrie ist verfrüht Quelle: dpa
Selbstbewusster Chef

BMW-Chef Oliver Zipse will neuen Herausforderern wie Tesla die Stirn bieten.

(Foto: dpa)

Hochmut kommt vor dem Fall. Wenn Tesla-Gründer Elon Musk twittert, dass der Verbrennungsmotor – wie einst die Dampfmaschine – im Museum landen wird, so könnte er in der langen Frist durchaus recht haben. Aber mittelfristig könnte er selbst über seinen Hochmut fallen.

Denn noch längst ist nicht ausgemacht, wer das Rennen in der Automobilbranche gewinnt. Sind es wirklich die amerikanischen Tech-Konzerne, die das Auto als Computer auf Rädern betrachten – oder haben die deutschen Ingenieure mit ihrem Hang zur technischen Perfektion eine Chance?

Sicher ist: Das Rennen ist in vollem Gange. Nicht alle Autohersteller, die heute noch einen klangvollen Namen haben, werden in den nächsten fünf oder zehn Jahren noch am Markt sein. Dafür ist der Druck von verschiedenen Seiten auf die Branche zu hoch: zeitgleich trifft eine Konjunkturflaute auf eine Transformation der Antriebe und eine veränderte Nutzung von Mobilität.

Ganz offensichtlich haben die deutschen Hersteller im internationalen Wettbewerb viel wertvolle Zeit verloren. Sie wähnten sich als unantastbar – und wurden rechts überholt. BMW beispielsweise hatte zwar früh sein Elektroauto i3 auf den Markt gebracht, sich dann aber vom margenträchtigen SUV-Boom ablenken lassen.

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    Währenddessen hat Tesla in beeindruckender Geschwindigkeit mehrere Autos auf die Straßen gebracht, die nicht nur mit Elektromotoren betrieben werden, sondern auch in höchstem Maße datengetrieben sind. Kein Wunder, dass schon das Wort Tesla bei vielen Automanagern Schmerzen verursacht.

    Kostendruck führt zu Zusammenschlüssen

    Immerhin steuern die deutschen Konzerne jetzt um. Sie haben den Weckruf gehört und investieren massiv in Elektromobilität und Digitalisierung. Entgegen so manchen Unkenrufen – verloren haben die deutschen Hersteller das Rennen noch längst nicht. Der Abgesang auf die Autobranche ist verfrüht.

    Zunächst einmal lastet auf allen Autoherstellern weltweit die Konjunktur. Die sinkende Nachfrage sorgt für fallende Absatzzahlen. Schon allein dieser Kostendruck wird zu Zusammenschlüssen führen – die Schwächsten werden vom Markt verschwinden. Hier können jene Hersteller im Vergleich zu ihren Wettbewerbern punkten, die sich beizeiten einer strengen Kostendisziplin unterworfen haben.

    Hinzu kommt die Ungewissheit, wie sich der Absatz langfristig verändern wird. Der Besitz eines eigenen Autos wird gerade in der jüngeren Generation immer weniger wichtig. Die Analyse, dass viele Fahrzeuge eigentlich Stehzeuge sind, weil sie mehr stehen als fahren, ist durchaus treffend. Aber bei all dem Hype um Fahrtenanbieter wie Uber und Co. sollte man nicht vergessen, dass nur ein Prozent der Menschheit in superurbanen Bereichen lebt, in denen das eigene Auto eher Ballast als Vorteil ist.

    In Kleinstädten und im ländlichen Bereich hingegen sind Sharingangebote schwieriger umzusetzen. Das eigene Auto wird hier noch länger von Bedeutung sein. Vor allem auch deswegen, weil das autonome Fahren, von dessen Fantasie Fahrtendienste beflügelt werden, wohl noch länger auf sich warten lässt, als bisher gedacht.

    Alternative Antriebsformen: „Die E-Mobilität wird kommen, da gibt es keine Alternative“

    Proteste erhöhen den Druck

    Mit voller Wucht jedoch trifft die deutschen Hersteller – mehr als alle anderen – ein Glaubwürdigkeitsproblem. Das wurzelt tief im Dieselskandal und in der schleppenden Aufarbeitung der Krise. Zum anderen kommt nun die globale Klimabewegung hinzu. Fridays for Future und viele andere Gruppierungen haben Klimaschutz ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Politik und Gesellschaft gebracht – und damit offensichtlich gemacht, dass sich vor allem die deutsche Autobranche viele Jahre lang um das Klima oder die Gesundheit der Menschen, an denen ihre Autos vorbeibrausen, keine Gedanken gemacht hat.

    Immer größere Autos wurden gebaut, mit immer stärkeren Motoren. Es ist daher kein Wunder, dass Demonstranten dort auftauchen, wo die Großen der Branche zusammenkommen – ob bei der Automesse IAA in Frankfurt oder beim Handelsblatt Auto-Gipfel in Stuttgart.

    Immerhin gibt es hier einen Hoffnungsschimmer: Die Chefs der beiden großen Autohersteller Daimler und BMW sind frisch im Amt, doch sowohl Ola Källenius als auch Oliver Zipse schlagen einen sehr viel bescheideneren Ton an, als man es aus der Branche bisher kennt. Sie sollten den Dialog mit der Gesellschaft verstärken, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Zipse formulierte selbst, dass ein Unternehmen nur dann langfristig Erfolg haben kann, wenn es die gesellschaftliche „licence to operate“ habe.

    Man darf die Hoffnung haben, dass die deutsche Automobilwelt aus ihrem Tiefschlaf aufgewacht ist. Die Konzerne investieren viel Geld in die Elektrifizierung und in Themen wie vernetztes Fahren, sie werden sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Aber klar ist auch: Weitere Fehler können sie sich nicht erlauben, wenn sie die Nase vorn haben wollen.

    Mehr: Im Bereich der Konnektivität konkurrieren die deutschen Autobauer mit Firmen, die kompetenter und größer sind als sie. Sie sind auf Kooperationen angewiesen.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der Abgesang auf die deutsche Autoindustrie ist verfrüht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich kann mich noch sehr gut an die Diskussion Anfang der 80er Jahre erinnern, wo auch die deutsche Autoindustrie (speziell VW) nachgesagt wurde gegenüber den japanischen Herstellern hoffnungslos unterlegen geworden zu sein. Später wusste man es besser. Das gleiche vor ca. 15 Jahren mit den SUVs. Angeblich hatte die deutsche Autoindustrie den SUV verschlafen. Alles Schnee von gestern. Ich denke, unsere Autoindustrie ist so stark, daß sie auch diese Herausforderung meistert. Eine sachliche, faktenbasierte Berichterstattung wäre oft besser.

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