Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Der abrupte Abgang des Unicredit-Chefs ist ein Alarmsignal

Der Machtkampf bei der italienischen Großbank zeigt, wie anfällig manche Bankensysteme noch immer sind. Aufseher und Politiker sollten wachsam sein.
01.12.2020 - 15:58 Uhr Kommentieren
Der Druck auf Unicredit, den angeschlagenen Konkurrenten Monte dei Paschi zu übernehmen, ist ein ordnungspolitischer Sündenfall. Quelle: Bloomberg
Scheidender Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier

Der Druck auf Unicredit, den angeschlagenen Konkurrenten Monte dei Paschi zu übernehmen, ist ein ordnungspolitischer Sündenfall.

(Foto: Bloomberg)

Die europäische Bankenszene hat in den vergangenen Monaten bereits einige verblüffende Personalwechsel erlebt, allen voran die Massenflucht des Topmanagements bei der Commerzbank. Aber die Affäre rund um den Chefposten bei der italienischen Unicredit hat noch einmal eine ganz eigene Qualität.

Nach allem, was man hört und liest, spielt beim abrupten Abgang von Jean Pierre Mustier seine Weigerung, die Krisenbank Monte dei Paschi vom italienischen Staat zu übernehmen, eine wichtige Rolle. Die Geschichte ist einigermaßen kompliziert.

Eigentlich hatte sich der Franzose in Italien einen guten Ruf als harter Sanierer erworben, dem es innerhalb weniger Jahre gelang, die schlingernde Großbank Unicredit wieder auf Kurs zu bringen. Dann aber machte Mustier klar, dass er keine Lust auf Übernahmen hat, und das gefällt einigen mächtigen Spielern im Verwaltungsrat gar nicht.

Der italienische Staat sucht gerade ziemlich dringend nach einem Käufer für die verstaatlichte Krisenbank Monte dei Paschi di Siena, die 2021 reprivatisiert werden muss. Das hat Italien der EU versprochen. Offenbar war Unicredit der Wunschkandidat der Regierung in Rom für die Übernahme. Aber Mustier lehnte den Gefallen ab, und damit gab es einen weiteren Grund für seinen plötzlichen Rücktritt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die ganze Affäre spottet natürlich jeder ordnungspolitischen Hygiene, aber es ist nicht das erste Mal, dass eine nationale Regierung Druck auf eine gesunde Bank ausübt, einen kränkelnden Konkurrenten zu übernehmen. Zyniker könnten einwenden, dass das während der großen Finanzkrise vor zwölf Jahren fast schon gängige Praxis war.

    Erinnerungen an Finanzkrise

    Aber genau weil die Kabalen rund um Unicredit und Monte dei Paschi düstere Erinnerungen an die Finanzkrise wecken, sind sie ein Alarmsignal. Die Affäre zeigt, wie anfällig einige Bankensysteme noch immer sind, und wie gefährlich die Folgewirkungen der Coronakrise für die Branche noch werden können.

    Das europäische Finanzsystem steht nicht so stabil da, wie es auf den ersten Blick aussieht. Das gilt vor allem für jene Länder, die noch immer mit den Aufräumarbeiten nach der letzten Krise beschäftigt sind. Neben Italien zählt dazu vor allem Griechenland.

    Beide Länder haben in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte beim Abbau von faulen Krediten in den Bankbilanzen gemacht. Aber durch die Coronakrise ist diese Entwicklung zum Stillstand gekommen.

    Weiteres Ungemach dürfte auf die Banken zukommen, wenn sich die Befürchtung bewahrheitet, dass die Pleitewelle im Unternehmenssektor durch die enormen Staatshilfen nur aufgeschoben und nicht aufgehoben ist. Noch ist eine neue Bankenkrise in Europa ein eher unwahrscheinliches Szenario, aber die ersten Warnzeichen sind da, und die sollten Aufseher und Politiker nicht übersehen.

    Mehr: „Nicht fit für Corona“ – EU ist für erneute Bankenkrise nicht gewappnet.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Der abrupte Abgang des Unicredit-Chefs ist ein Alarmsignal
    0 Kommentare zu "Kommentar: Der abrupte Abgang des Unicredit-Chefs ist ein Alarmsignal"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%