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Kommentar Der antizyklische Kapitalpuffer ist zu klein und kommt zu spät

Banken sollen in Boomphasen ein Extra-Kapitalpolster für schlechte Zeiten aufbauen. Damit hat die deutsche Finanzwelt zu lange gezögert.
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Um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein, müssen Banken Kapital zurücklegen. Quelle: dpa
Banken in Frankfurt am Main

Um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein, müssen Banken Kapital zurücklegen.

(Foto: dpa)

Zu den großen Problemen der Finanzwelt zählen all die Regeln, die gut gemeint sind, im Ernstfall aber wie Brandbeschleuniger wirken. Viele Vorschriften für Banken wirken nämlich prozyklisch: Sie zügeln die Kreditinstitute nicht in den Phasen übertriebenen Wachstums und bremsen sie im Abschwung dann plötzlich so aus, dass sie kaum noch Kredite vergeben – und die Krise verschärfen.

Eigentlich ist für solche Probleme der sogenannte antizyklische Kapitalpuffer erfunden worden. Er soll Banken dazu zwingen, im Boom die Kapitalpolster aufzubauen, die die Institute in der Krise abschmelzen dürfen. So will der Gesetzgeber einer krisenverschärfenden Kreditklemme vorbeugen. So weit die Theorie.

In der Praxis hat der deutsche Finanzstabilitätsausschuss, in dem Bundesfinanzministerium, Bundesbank und Bafin sitzen, viel zu lange gezögert. Seine am Montag veröffentlichte Empfehlung, bis zum dritten Quartal 2020 einen Puffer von 0,25 Prozentpunkten aufzubauen, fällt in eine Zeit, in der sich Meldungen über Konjunkturrisiken häufen. Die Empfehlung kommt zu spät und ist zu winzig.

Zu winzig, weil ein Polster von 0,25 Prozentpunkten zu dünn ist, als dass Banken in der Krise wirklich davon zehren können. In dieser Phase des Konjunkturzyklus wird sich daran auch nicht mehr viel ändern lassen. Denn der Schritt kommt außerdem zu spät.

Die Banken beginnen bereits, auf die Vorboten des Abschwungs zu reagieren. Erste Indikatoren deuten an, dass Banken zuletzt von sich aus zurückhaltender bei der Vergabe neuer Kredite an Mittelständler waren. Andere Länder haben früher reagiert: Schweden etwa hat bereits 2017 einen Puffer wegen seines überhitzten Immobilienmarkts eingeführt. In Deutschland warnt die Bundesbank zwar seit zwei Jahren vor einer Immobilienblase, aber geschehen ist nichts.

Bis die neuen Vorgaben greifen, vergeht ein ganzes Jahr

Der Finanzstabilitätsausschuss ist der Meinung, dass die Banken weiter Risiken aufbauen, weil die Kreditvergabe nach wie vor lax ist und die Immobilienpreise immer noch steigen. Doch bis die neuen Vorgaben greifen, vergeht noch ein ganzes Jahr. Damit steigt die Gefahr, dass der Puffer dann verbindlich wird, wenn aus dem Boom ein Abschwung geworden ist. In dem Fall wird der Puffer vielleicht sogar einkassiert werden, noch bevor er wirksam würde.

Das alles spricht nicht gegen den Kapitalpuffer, aber gegen die Art, wie er genutzt worden ist: Entweder haben die Verantwortlichen gezaudert, weil sie die ertragsarmen Banken nicht von einem lukrativen Geschäft abschneiden wollten. Dann waren sie zu mutlos. Oder die Indikatoren, an denen sie sich orientieren, haben die Einführung des Puffers erst jetzt nahegelegt. In dem Fall sollten die Stabilitätswächter nach Indikatoren suchen, die früher Alarm schlagen.

Mehr: Die Deutsche Bank denkt über einen niedrigeren Kapitalpuffer nach, um ihren Umbau zu finanzieren. Lesen Sie hier, was dafür nötig ist.

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