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Kommentar Der Arbeitszeit-Deal von Daimler sollte nur der erste Schritt sein

Der Mercedes-Hersteller reduziert die Arbeitszeit von mehr als 70.000 Mitarbeitern und streicht Prämien. Das sichert Jobs – aber Daimler muss mehr tun.
29.07.2020 - 17:22 Uhr 1 Kommentar
Die 170.000 Mitarbeiter des Mercedes-Herstellers in Deutschland müssen sich nicht sorgen, mitten in der Coronakrise rausgeworfen zu werden. Quelle: dpa
Daimler-Werk Sindelfingen

Die 170.000 Mitarbeiter des Mercedes-Herstellers in Deutschland müssen sich nicht sorgen, mitten in der Coronakrise rausgeworfen zu werden.

(Foto: dpa)

Mehr als 70.000 Beschäftigte von Daimler erhalten ab Oktober weniger Lohn. Der Autobauer reduziert ihre wöchentliche Arbeitszeit um zwei Stunden. Zudem wird der gesamten deutschen Belegschaft die Erfolgsprämie für das Jahr 2020 gestrichen. Im Gegenzug verzichtet der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen.

Für Vorstand wie Betriebsrat ist das ein akzeptabler Deal. Einerseits spart Daimler so etwa 450 Millionen Euro einmalig ein. Andererseits müssen sich die 170.000 Mitarbeiter des Mercedes-Herstellers in Deutschland nicht sorgen, mitten in der Coronakrise rausgeworfen zu werden. Das ist für die gesamte heimische Automobilwirtschaft ein wichtiges Signal.

Hätte Daimler auf Entlassungen beharrt, wäre das einem Dammbruch in der Branche gleichgekommen. Denn wenn selbst ein so finanzstarker Koloss wie Daimler während der Pandemie Jobgarantien aufkündigt, warum sollten sich dann die Tausenden Lieferanten des Konzerns an ähnliche Abmachungen halten? Insofern ist die Einigung bei Daimler ein guter Kompromiss.

Der Deal hat allerdings mit dem 30. September 2021 ein Ablaufdatum. Um langfristig Jobs zu sichern, muss der Konzern weit mehr tun, als beim Personal zu sparen. Die Personalkosten sind zwar ein gewichtiger Hebel, um die Ausgaben zu senken. Mit einem Anteil von rund 16 Prozent an den Gesamtkosten ist der Personalaufwand aber längst nicht der größte Budgetposten.

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    Allein der Einkauf in indirekten Bereichen wie der Verwaltung verschlingt jährlich 30 Milliarden Euro – und damit um etwa 7,3 Milliarden Euro mehr als etwa für Löhne, Gehälter, Altersversorgung oder die soziale Sicherheit von Beschäftigten fällig wird.

    Große Ziele aus den Augen verloren

    Daimler mangelte es in der Vergangenheit gerade im Einkauf an Kostendisziplin. Durch häufige Änderungen im Entwicklungsprozess wurden regelmäßig die Ursprungsbudgets gesprengt. Die Chefs der drei großen Baureihen (Kompakte und SUVs, Limousinen, Elektroarchitekturen) regierten vielfach wie Bereichskönige vor sich hin.

    Dabei verloren sie mitunter das Ziel fürs große Ganze aus den Augen, möglichst viele Gleichteile und Verblockungen zwischen den mehr als 40 Fahrzeugen im Pkw-Portfolio zu erzielen.

    Positiv ist, dass Daimler vor einigen Monaten organisatorisch auf diese Fehlentwicklung reagiert hat. Die wirtschaftliche Verantwortung für die Modelle wanderte von den Baureihenchefs zu den Produktstrategen. Einkauf, Entwicklung und Produktion werden zudem mittlerweile im Vorstand aus einer Hand koordiniert.

    Nun gilt es, die tatsächlichen Prozesse hinter den Organigrammen zügig wetterfest zu machen. Dafür hat sich Daimler mit Instrumenten wie der Arbeitszeitreduktion etwas Zeit verschafft. Mehr aber auch nicht.

    Mehr: Daimler kürzt Arbeitszeit von Zehntausenden Mitarbeitern

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der Arbeitszeit-Deal von Daimler sollte nur der erste Schritt sein"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wetten dass?

      Sollten die Urlauber -Personalchef Porth- und Aufsichtsrats-Vize Michael Brecht gut erholt und "Virusfrei"
      an die Stätte ihres Wirkens zurückkehren, wird das "Theaterstück" um die Sanierung von Daimler
      weitergehen. Wetten dass?

      Ich empfehle beiden Herren, sich zunächst einmal vom Leiter der Konzernbilanzierung in ihrem Hause
      die Konzernbilanz zum 30.6.2020 erklären zu lassen. Wie kommt diese zustande, was sagt sie
      aus oder anders formuliert: "Wer schuldet, wer haftet?" Wie hoch sind Bürgschaften, wie hoch die
      "sonstigen finanziellen Verpflichtungen?" -Auch Posten ausserhalb der Bilanz können schmerzen!"

      Da der getroffene DEAL ein Verfallsdatum trägt -30.September 2021- könnte es bald ernst werden.
      Die Mitarbeiter tun gut daran, sich dann im Rundbrief vom betreffenden E 1 er der Konzernbilanzierung
      im Hause Daimler das "Abschlusszeugnis" dieser Herren vorlegen zu lassen, in dem bestätigt werden könnte,

      dass beide Herren dies alles an Kenntnis "voll drauf hatten" aber inzwischen davon ausgingen, dass die
      Wirtscfhaftsprüfer der KPMG in der Stunde "null" der Sanierung diese Schulden selbst übernehmen.
      Mal abwarten, ob die 170.000 Mitarbeiter nicht mal zufällig den Geduldsfaden verlieren könnten?

      Wie sagte doch mal Prof.Dr.Zahn, der ehemalige Bilanzfürst im Hause Daimler?
      Bilanzpolitik ist schön, man muss allerdings genügend "Manoveriermasse" haben.
      Leider scheint dieselbe bei Daimler verloren gegangen zu sein und um mit Prof.Zahn zu enden,

      noch ein Busch-Zitat, das er auf seinen Bilanzpressekonferenzen neben vielen anderen oft zum Besten gab:
      "Oft findet Überraschung statt, wo man es nicht erwartet hat." Nur dieses mal scheint es so zu sein, dass es eine heftige Sanierung sein könnte.

      MfG KH


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