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Kommentar Der ARD-Plan für den „Weltspiegel“ war kurzsichtig und profilschädigend

Die ARD plante allen Ernstes, ihr Auslandsmagazin auf eine weniger attraktive Sendezeit zu verlegen. In Zeiten von Fake News müssen Intendanten so etwas verhindern.
Update: 16.09.2019 - 16:54 Uhr Kommentieren
Zu Recht hatten viele ARD- Journalisten intern einen Aufstand gegen die fehlgeleitete Programmdirektion gewagt. Quelle: dpa
ARD

Zu Recht hatten viele ARD- Journalisten intern einen Aufstand gegen die fehlgeleitete Programmdirektion gewagt.

(Foto: dpa)

Die große ARD wird von einer Art Wanderzirkus geführt. Ein paar Mal im Jahr treffen sich die Intendanten, um die Agenda abzuarbeiten. Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Stuttgart stand ein Thema an, das die ganze Verwirrung des öffentlich-rechtlichen Verbunds illustriert: Am frühen Sonntagabend – vor „Tagesschau“ und „Tatort“ – sollte der Sport, vor allem also Fußball, künftig Quote bringen.

Der „Weltspiegel“ aber hätte nach Jahrzehnten seinen Stamm-Sendeplatz verloren und wäre vorverlegt worden, auf einen wenig attraktiven Termin. Das hatten die Fernsehdirektoren beschlossen, offenkundig mit Wohlwollen von ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Der Plan war kurzsichtig, unangemessen und schädlich fürs öffentlich-rechtliche Profil. Richtig wäre es vielmehr, den Bürgern überzeugend darzulegen, wofür sie den „Rundfunkbeitrag“ zahlen, der früher einmal „Rundfunkgebühr“ hieß. Da ist, neben der Unterhaltung, immer wieder der Informations- und Bildungsauftrag zu nennen.

Die moderne Gesellschaft wird geprägt von Tweets, mit denen etwa der US-Präsident täglich Stimmung macht, von Fake-News-Kampagnen in der Lügen-Tretmühle Facebook oder von gezielten Desinformationsstrategien via Instagram und andere Kanäle. Die große Gemeinsamkeit: Es nicht klar zu erkennen, was Wahrheit und was Dichtung ist. Wo die Manipulation beginnt und der demokratische Sektor endet.

Und da sollte ein Angebot wie „Weltspiegel“, das einzige Auslandsmagazin der ARD, schlechter gestellt werden? Nur damit Fußball, das neue „Opium des Volkes“, gewinnt? Es müsste andersherum laufen: dass die Frauen und Herren Intendanten laut damit werben, den Münchhausens von Demokratie 4.0 eine konzertierte Aktion Faktenvermittlung gegenüberzustellen. Die Auslandsberichterstattung gehört verstärkt ins Hauptprogramm des Ersten.

Früher, vor den Fernreisen für jedermann, brachten die TV-Auslandsreporter Bilder zum Träumen von ihren globalen Einsätzen mit. Heute sind es Bilder zum Verstehen und zum Erkennen. Guter Journalismus ist ein Antivirenprogramm gegen die häufig verbreitete Schadsoftware publizistischer Fälscher.

Die Intendanten mussten auf ihrer Hauptversammlung nicht mehr zum Fall „Weltspiegel“ abstimmen. Vielleicht weil ein „Nein“ zu befürchten war, preschte Herres im letzten Augenblick mit der Mitteilung vor, eine Vorverlegung komme für ihn nicht infrage. Man sei sich in der ARD „unseres einzigartigen Korrespondentennetzes sehr bewusst“. Das Format werde weiterentwickelt.

Festzuhalten bleibt: Zu Recht hatten viele ARD- Journalisten intern einen Aufstand gegen die fehlgeleitete Programmdirektion gewagt. Und: Mancher hat sich in dieser Causa für den Abschied nachhaltig empfohlen.

Mehr: Der Markterfolg ist zum Maß aller Dinge geworden. Damit droht der mit Gebührenmilliarden finanzierte Rundfunk den Wettbewerb zu verlieren, meint Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar.

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