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Kommentar Der Auftritt von EY vor dem Wirecard-Ausschuss ist eine Steilvorlage für die Politik

Die Befragungen in Berlin haben eines ganz klargemacht: Wirtschaftsprüfer müssen zu mehr Verantwortung gezwungen werden.
21.03.2021 - 16:53 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen weist die Verantwortung für den Wirecard-Bilanzskandal zurück. Quelle: AFP
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Das Unternehmen weist die Verantwortung für den Wirecard-Bilanzskandal zurück.

(Foto: AFP)

Die beiden Sitzungstage im Wirecard-Untersuchungsausschuss Ende vergangener Woche waren der vorläufige Höhepunkt in der bisherigen öffentlichen Aufarbeitung des Skandals. Denn die Befragungen lieferten einen guten Einblick, weshalb niemand den milliardenschweren Bilanzbetrug stoppte oder aufdeckte: Die Compliance-Abteilung war ahnungslos, der Aufsichtsrat hilflos, und völlig verantwortungslos agierte eine Analystin, die Wirecard nicht nach sachlichen Fakten analysierte, sondern eher ein Fan des aufstrebenden Zahlungsdienstleisters war. 

Und die Prüfer von EY, die ein Jahrzehnt lang uneingeschränkt testierten? Hier war es wohl von allem ein bisschen, wie die Aussagen vor dem Ausschuss nahelegen. Die Erklärungen waren ein Offenbarungseid. Etwa an der Stelle, an der der Chef der EY-Qualitätskontrolle nicht beantworten konnte, ob die Lizenz eines Wirecard-Treuhänders überprüft wurde. Auch deshalb kam der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk letztlich zu dem Schluss, dass EY mitverantwortlich ist für den Untergang von Wirecard – und die Verluste vieler Anleger, die an den Konzern und seine rosigen Gewinnprognose geglaubt hatten.

Will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei der juristischen Aufarbeitung des Skandals kein unkalkulierbares Risiko eingehen, bleibt ihr wohl nur die Rettung in teure Vergleiche. Dieser Eindruck erhärtet sich nach den Anhörungen in Berlin noch einmal. Was bleibt, ist außerdem die Feststellung, dass niemand der Befragten Verantwortung übernimmt. 

Deshalb ist es dringend erforderlich, neue Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Entwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität ist ein längst überfälliger Schritt. Für die Prüfer soll dies bedeuten: Wer Bilanzen von Unternehmen prüft, soll diese nicht mehr gleichzeitig beraten dürfen. Wirtschaftsprüfer sollen künftig zudem deutlich stärker haften. 

Nachwuchsprobleme möglich

Der Widerstand aus der Branche kam erwartungsgemäß schnell. So monierte das Institut der Wirtschaftsprüfer, das Gesetz würde zu einer existenzbedrohenden Haftung für Prüfer führen. Durch eine Erweiterung der Voraussetzungen auf „grobe Fahrlässigkeit“ bekäme die Branche zudem Nachwuchsprobleme.

Diese Argumente dürften Wirecard-Mitarbeiter, die ihren Job verloren haben, oder Kleinanleger mit großen Verlusten fassungslos machen. Schließlich hätte EY die Möglichkeit gehabt, bei Wirecard aus eigenem Antrieb genauer hinzuschauen und bei zu großen Zweifeln am Geschäftsmodell das Mandat niederzulegen. Geschehen ist: nichts. 

Wenn die Politik verhindern will, dass es irgendwann einen weiteren Fall Wirecard gibt, dann muss sie die Wirtschaftsprüfer an die kurze Leine legen.

Mehr: Untersuchungsausschuss: Einhelliges Unverständnis über EY

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