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Kommentar Der Bankensektor in Deutschland braucht eine grundlegende Reform

Der Bankenwettbewerb in Deutschland ist brutal. Was die Kunden freut, bedeutet für die Institute kümmerliche Renditen. Die Politik muss gegensteuern.
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Jetzt soll auch die Bundesregierung Druck auf Deutsche Bank und Commerzbank machen. Quelle: dpa
Bankentürme in Frankfurt

Jetzt soll auch die Bundesregierung Druck auf Deutsche Bank und Commerzbank machen.

(Foto: dpa)

Andreas Treichl, der Chef der österreichischen Großbank Erste Group, zählt zu den originelleren Vertretern seines Berufsstands. Vor Kurzem brachte er die Idee ins Spiel, die Deutsche Bank sollte, statt über eine Fusion mit der Commerzbank nachzudenken, besser einen Zusammenschluss mit den Sparkassen suchen.

Treichl weiß zwar genau, dass das nicht passieren wird, aber zumindest in einem Punkt hat der Österreicher recht: Die historisch gewachsenen Strukturen des deutschen Bankensystems funktionieren nach der Finanzkrise nicht mehr.

Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hätte, dann wäre er mit der Rettung der NordLB und der Dauerkrise der Deutschen Bank erbracht. Die Dinge müssen in Bewegung kommen, das gilt nicht nur, aber vor allem für den öffentlich-rechtlichen Sektor, also für die Sparkassen und ihre Landesbanken.

Deutschland ist anders als andere Bankenmärkte. Schon im 19. Jahrhundert bildete sich das System der drei Säulen aus privaten Banken, öffentlich-rechtlichen Instituten und genossenschaftlichen Geldhäusern heraus. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Lange Zeit fuhr Deutschland mit diesem System gar nicht schlecht, Bankenkrisen waren seltener als in anderen Staaten.

Tatsächlich haben die drei Säulen eine Reihe von Vorteilen. Zu einer dezentral organisierten Wirtschaft wie der deutschen mit dem Mittelstand als Rückgrat passt ein dezentrales Bankensystem sehr gut. Gerade die regionale Verankerung von Sparkassen und Volksbanken kann für eine effizientere und sicherere Versorgung von Unternehmen und Privatkunden sorgen.

Auf der anderen Seite wird etwa die Hälfte des Bankensystems staatlich gesteuert und/oder arbeitet nicht gewinnmaximierend. Freie Märkte sehen anders aus.

Dieses Gleichgewicht von Vor- und Nachteilen hat sich mit dem großen Knall an den Märkten 2008 gründlich verschoben. An der Basis stabilisierten Sparkassen und Volksbanken zwar das Finanzsystem, doch die Spitzeninstitute gerieten ins Schlingern. Die Genossenschaftsbanken mussten der DZ Bank unter die Arme greifen. Den öffentlich-rechtlichen Sektor traf die Krise noch viel brutaler.

Das System ist nicht krisensicher

Mit der WestLB und der SachsenLB verschwanden zwei Landesbanken, LBBW, BayernLB und die inzwischen privatisierte HSH Nordbank benötigten die Hilfe des Staates. Im privaten Sektor mussten die Düsseldorfer IKB und die Hypo Real Estate vom Steuerzahler aufgefangen werden. An der damals taumelnden Commerzbank ist der Bund noch immer mit 15 Prozent beteiligt.

Keine der drei Säulen hat sich als immun gegen die Verwerfungen erwiesen. Aber erst die Spätfolgen machten aus der Finanzkrise eine Strukturkrise. Die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank treffen Deutschland besonders hart, weil rund 70 Prozent der Erträge der Geldhäuser am Zinsergebnis hängen, viel mehr als in anderen europäischen Ländern. Gleichzeitig untergräbt die strengere Regulierung das Geschäft der Investmentbanken, allerdings stellt sich die Deutsche Bank bei der Anpassung an die neuen Realitäten auch alles andere als geschickt an.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland deutlich „overbanked“. Der Wettbewerb ist derart brutal, dass sowohl der Markt für Privatkunden als auch der für Firmenkunden zu den härtesten der Welt zählen. Was die Kunden freut, bedeutet für viele Banken kümmerliche Renditen.

Gleichzeitig wird Größe für die Institute in Zukunft noch sehr viel wichtiger, denn die enormen Investitionen in die Digitalisierung rechnen sich nur, wenn damit auch die entsprechenden Skaleneffekte erreicht werden. Bundesfinanzminister Olaf Scholz wünscht sich starke nationale Geldhäuser, doch dieser Wunsch ist mit dem heutigen Drei-Säulen-Modell nicht vereinbar.

Die Politik muss Mut zum Umbau beweisen

Wie lässt sich die Struktur also aufbrechen? Commerzbank und Deutsche Bank denken schon seit Jahren über einen Zusammenschluss nach. Das Problem dabei: Analysten schätzen, dass auch eine neue Großbank nur auf eine Eigenkapitalrendite von um die fünf Prozent käme, weit weniger als die Kapitalkosten.

Die Genossenschaftsbanken haben bereits effektive Strukturen geschaffen – mit einer einzigen Zentralbank für den gesamten Sektor. Dahin will Sparkassenpräsident Helmut Schleweis auch kommen. Bislang haben sich die öffentlich-rechtlichen Banken allerdings nur in akuten Notlagen in die richtige Richtung bewegt.

Das Risiko, dass Schleweis’ ambitionierter Plan scheitert, ist groß. Und selbst wenn er gelänge: Würde das wirklich reichen, um konkurrenzfähige Strukturen auf dem deutschen Finanzmarkt zu schaffen? Länder wie Frankreich, Österreich oder Schweden haben ihren Sparkassensektor sehr viel mutiger umgebaut. Die Sparkassen wandelten sich in Genossenschaften oder Aktiengesellschaften um und öffneten sich teilweise privatem Kapital.

So eine Therapie würde auch dem heimischen Bankensektor guttun – auch wenn die Politik dafür vielleicht schon zu lange gewartet hat. Denn der nächste Abschwung steht bereits vor der Tür.

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