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Kommentar Der Büroangestellte, wie wir ihn kennen, ist ein Auslaufmodell

Corona hat das Ende der Büro-Ära mit Präsenzpflicht offiziell eingeläutet. Das stellt die Chefs vor enorme Herausforderungen.
10.11.2020 - 04:32 Uhr Kommentieren
Der klassische Büroangestellte, wie wir ihn kennen, ist ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert, als noch Kontrolle vor Vertrauen ging und Einzelleistungen vor Kollaboration standen. Quelle: unsplash
Bürogebäude in London

Der klassische Büroangestellte, wie wir ihn kennen, ist ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert, als noch Kontrolle vor Vertrauen ging und Einzelleistungen vor Kollaboration standen.

(Foto: unsplash)

Es wird eng fürs Büro. Und zwar wortwörtlich. Vor Kurzem kam heraus, dass die Telekom an einzelnen Standorten ihre Büroflächen um bis zu 40 Prozent reduzieren will. Auch andere Großunternehmen beschäftigen sich aktuell mit der „Optimierung des eigenen Immobilienportfolios“, wie das Streichen von Büroraum gern euphemistisch genannt wird.

So fragte etwa Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bereits im Mai auf der Hauptversammlung: „Wenn 60 Prozent der Kolleginnen und Kollegen weltweit außerhalb des Büros arbeiten und unsere Bank trotzdem hervorragend für unsere Kunden da sein kann [...]: Können wir [dann] unseren Mitarbeitern nicht mehr Flexibilität geben, um von zu Hause zu arbeiten, wenn sie das wollen? Und wenn das so ist, brauchen wir dann noch so viel Büroraum in teuren Metropolen?“

Als Sewing seine Rede hielt, beriet die Politik über erste Corona-Lockerungen. Heute ist Deutschland wieder zurück im Homeoffice-Modus. Und am Ende dieses Monats – oder wie lang sich dieser Teil-Shutdown noch ziehen mag – wird auch der letzte Management-Dinosaurier wieder einmal erstaunt feststellen: Viele Unternehmen bestehen weiterhin. Und mehr noch: Sie laufen – auch ohne Präsenzpflicht im Büro.

Doch nur bis zum Ende dieses Teil-Lockdowns zu schauen wäre zu kurzsichtig. Die Krise verdeutlicht einmal mehr: Der klassische Büroangestellte, der Tag für Tag zur Arbeit pendelt, ist ein Auslaufmodell; ein Relikt des 20. Jahrhunderts, als noch Kontrolle vor Vertrauen ging und Einzelleistungen vor Kollaboration standen.

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    Die Pandemie zerstört dieses anachronistische Bild gerade heftiger, als es jede technische Innovation der vergangenen Jahre geschafft hat. Was gut ist – aber auch Gefahren birgt, vor allem für die Unternehmenskultur.

    Störung des Betriebsfriedens – vor allem in Industrieunternehmen

    Denn zur Homeoffice-Wahrheit gehört auch: Nicht jeder kann seine Arbeit problemlos von zu Hause aus erledigen. Gerade in Industrieunternehmen dürfte der Betriebsfrieden massiv gestört werden, wenn auf der einen Seite die besserverdienenden Wissensarbeiter nicht mehr zwingend zur Arbeit ins Büro pendeln müssen, während auf der anderen Seite die Mitarbeiter aus der Produktion weiterhin jeden Tag am Band malochen.

    Doch auch innerhalb der scheinbar geeinten Büroarbeiterkaste könnte es zu Spaltungen kommen – und zwar an zwei Stellen. Erstens: Nicht jeder kommt gleich gut mit der Arbeit am heimischen Schreibtisch klar, wie etwa eine Befragung des Fraunhofer-Instituts unter 2000 Angestellten ergab.

    Grafik

    Danach fühlen sich 39 Prozent der Befragten im Homeoffice produktiver. 44 Prozent meinen hingegen, sie leisteten im Büro mehr. Wird Homeoffice zum festen Bestandteil unseres Arbeitslebens, und das ist unumstößlich, erhöht das den Druck auf diejenigen, die gut und gerne im Büro arbeiten.

    Die zweite Sollbruchstelle ist der Homeoffice-Wildwuchs, der derzeit in vielen Unternehmen herrscht. Da sind zum Beispiel in Abteilung A vier Tage Heimarbeit möglich, während die Leute in Abteilung B nur einen Tag die Woche von zu Hause aus arbeiten können – obwohl beide Teams ähnliche Jobs erledigen.

    So etwas nährt nicht nur Neiddebatten, sondern auch den Verdacht, dass es vor allem am Willen – oder der Willkür – des Chefs hängt, ob ein Unternehmen den Weg in die moderne Arbeitswelt schafft oder nicht.

    Führen auf Distanz wird künftig zum Muss für Manager

    Einmal mehr kommt es deshalb auf jede einzelne Führungskraft an. Für Manager wird der eigene Job komplexer, das bestätigen auch Headhunter. Ging es früher darum, Strategien und Ziele von oben nach unten durchzureichen, suchen Personalberater inzwischen verstärkt moderne „Leader“, die auf Distanz und im Dialog führen können.

    Das erfordert zuallererst Vertrauen in die eigene Mannschaft. Denn klar ist: Auf Distanz lässt sich noch nicht einmal mehr die Illusion aufrechterhalten, dass sich mit einem Blick ins Büro feststellen ließe, wer wann wie viel arbeitet.

    Führen aus dem und im Homeoffice erfordert aber auch (noch mehr) Kommunikationsgeschick, Empathie und Motivationsfähigkeit von Managern. Damit tun sich Chancen auf: So hat eine Befragung der Personalberatung Odgers Berndtson etwa gezeigt, dass Frauen besser mit der Herausforderung „Führen auf Distanz“ klarkommen als ihre männlichen Kollegen.

    Umgekehrt gilt: Wer sich schon vorher mit Vertrauen, Empathie und Kommunikation als Chef schwertat, wird mit der Zeit ein zunehmend größeres Problem bekommen – nicht zuletzt bei der Talentakquise. Denn ist das Homeoffice erst einmal als Standard einer neuen Arbeitswelt gesetzt, lässt es sich auch schwerer als Extraanreiz im Vorstellungsgespräch verkaufen.

    Bei allem Homeoffice-Hype: Bloß weil das Bild vom klassischen Büroangestellten überholt ist, wird das Büro an sich nicht verschwinden. Im Gegenteil: Arbeitsforscher und Soziologen gehen davon aus, dass wir Büroräume in Zukunft deutlich bewusster als Begegnungsstätte begreifen und nutzen als bisher. Und dass wir je nach Arbeitsprojekt zwischen Homeoffice, Büro, mobiler Arbeit und Co-Working-Space changieren.

    Man darf also gespannt sein, wie die Arbeitswelt nach Corona in den Unternehmen aussehen wird und wer dann an der Führungsspitze steht - ob im Büro oder am Schreibtisch zu Hause.

    Mehr: Von Adidas bis Vonovia – So regeln die Dax-Konzerne die Arbeit während des Lockdowns

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