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Kommentar Der Bund muss sich in absehbarer Zeit von seiner Commerzbank-Beteiligung trennen

Die Querelen im Aufsichtsrat des Instituts zeigen, wie schwierig die Beteiligung des Staates an der Bank ist. Für beide Seiten.
02.04.2021 - 09:06 Uhr Kommentieren
Der Finanzinvestor Cerberus, der bereits fünf Prozent an der Bank hält, erwägt die Übernahme der Staatsbeteiligung in Höhe von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl. Quelle: dpa
Commerzbank-Zentrale

Der Finanzinvestor Cerberus, der bereits fünf Prozent an der Bank hält, erwägt die Übernahme der Staatsbeteiligung in Höhe von 15,6 Prozent nach der Bundestagswahl.

(Foto: dpa)

Der Aufsichtsrat der Commerzbank gibt derzeit ein desolates Bild ab. Nach dem gesundheitsbedingten Rückzug von Chefkontrolleur Hans-Jörg Vetter haben in den vergangenen Tagen vier weitere Aufsichtsmitglieder hingeschmissen.

Drei davon begründeten ihren Rückzug mit der dominierenden Rolle des Großaktionärs Bund und der fehlenden Diskussionskultur unter den Kapitalvertretern im Aufsichtsrat der Commerzbank. Das wirft ein Schlaglicht darauf, wie schwierig die Beteiligung des Staates am Frankfurter Geldhaus für beide Seiten ist.

Der Bund hat die Commerzbank in der Finanzkrise 2008 vor dem Untergang gerettet und ist heute mit einem Anteil von 15,6 Prozent immer noch größter Aktionär. Nach der Rettung war es der Politik viele Jahre vor allem wichtig, dass die Bank ausreichende Kapitalpuffer hat und ihren Managern nicht zu viel Geld bezahlt. Bei Strategiedebatten und der Frage, welche Rendite die Bank erzielen soll, hielt sich Berlin dagegen zurück.

Genutzt hat die Bank diese Freiheit nicht. Sie hat schmerzhafte Entscheidungen wie eine deutliche Reduzierung des Filialnetzes jahrelang vor sich hergeschoben. Und sie setzte sich derart unambitionierte Renditeziele, dass selbst die Finanzaufsicht protestierte. Der Vorwurf, der Staat sei schuld an der Misere der Commerzbank, greift also zu kurz.

2020 gab der Bund seine Passivität auf und schickte zwei neue Aufsichtsräte in die Bank, die dafür sorgen sollten, dass der überfällige Umbau des Instituts endlich angegangen wird. Viele Mitarbeiter und Investoren klagen seitdem über zu großen politischen Einfluss bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank.

Dies zeigt, dass sich der Bund als Aktionär eigentlich nur falsch verhalten kann. Lässt er das Management machen und es geht schief, wird er dafür kritisiert, dass er sich um seine Beteiligung nicht kümmert. Greift er ein, setzt er möglicherweise falsche Impulse und bekommt dann zu Recht zu hören, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer ist.

Um dieses Dilemma zu beenden, gibt es nur eine Lösung: Der Staat muss sich in absehbarer Zeit von seiner Beteiligung an der Commerzbank trennen. Angesichts des geplanten Radikalumbaus und der Unsicherheit infolge der Coronakrise sollte er dies nicht sofort tun, weil die Bank dadurch in noch schwierigeres Fahrwasser geraten könnte.

Sobald sich die Lage beruhigt hat, sollte der Bund aber aussteigen – und die utopische Hoffnung aufgeben, dass er aus seinem Engagement bei der Commerzbank ohne Verluste herauskommt. Denn die Beteiligung, für die der Staat einst rund fünf Milliarden Euro bezahlt hat, ist aktuell nur etwas mehr als eine Milliarde Euro wert.

Mehr: Chaos bei der Commerzbank: Drei weitere Aufsichtsräte werfen hin – Diese vier neuen ziehen ein

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