Kommentar Der bunte Vogel wird noch gebraucht

Alle Solidaritätsadressen können nicht darüber hinwegtäuschen: Claudia Roth ist nur noch Parteichefin auf Abruf. Doch die Grünen brauchen sie weiterhin - als schrägen, bunten Vogel, der linke Stammwähler hält.
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Dietmar Neuerer ist Reporter im Hauptstadtbüro des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer ist Reporter im Hauptstadtbüro des Handelsblatts.

(Foto: Pablo Castagnola)

Sicher, eine Urwahl der Spitzenkandidaten, wie sie die Grünen erstmals veranstalteten, ist nicht ohne Risiko für alle Beteiligten. Wie in Parteien üblich, stehen sich Linke und Konservative gegenüber. Im Fall der Grünen sind es Fundis und Realos. Da muss es dann schon ausgeglichen zugehen. Und quotenmäßig muss es auch passen. Wenn ein Mann führt, darf eine Frau an der Spitze nicht fehlen. Und der linke Flügel muss genauso ganz oben mitspielen, wie das realpolitische Pendant. So funktionieren die Grünen.

Das war natürlich auch Claudia Roth bewusst als sie sich dafür entschieden hat, bei der Urwahl mitzumischen. Doch für sie war es von Anfang an ein Himmelfahrtskommando, zumal die linke Claudia neben Renate Künast und Katrin Göring-Eckardt den linken und populären Jürgen Trittin als Gegner hatte. Dass Trittin so überragend die Urwahl für sich entschieden hat, zeigt deutlich, welchen linken Parteikämpfer die Basis favorisiert. Und mit zwei Linken  an der Spitze hätten die Grünen nicht wirklich in den Wahlkampf ziehen können.

Grüne begrüssen Kandidatur von Roth

Nun ist eingetreten, was sich quasi schon mit der Kandidatenaufstellung zur Urwahl abgezeichnet hatte. Ob es fehlender politischer Instinkt war, der letztlich dazu führte, dass sich Roth diesem ausweglosen Kampf aussetzte? Und ob es nun abermals fehlender politischer Instinkt ist, dass Roth trotz der Urwahlschlappe wieder als Parteivorsitzende kandidieren will? Jedenfalls scheint sie die Signale, die die Parteibasis sendet, nicht zu hören, nämlich, dass man nicht ihr, sondern eher einem Jürgen Trittin zutraut, Wahlen zu gewinnen.

Nun mögen die vielen Solidaritätsbekundungen von Parteifreunden Roth darin bestärkt haben, an der Parteispitze weiterzumachen. Nur muss man auch sehen, dass die Grünen wohl derzeit keine Alternative zu Roth parat haben. Die Wahlen zum Bundesvorstand finden bereits am kommenden Wochenende statt. Der Zeitdruck, eine neue Kandidatin aus dem linken Parteispektrum aus dem Hut zu zaubern, hätte erhebliches Chaos auslösen können und am Ende möglicherweise eine Entscheidung provoziert, die noch mehr Schaden angerichtet hätte. Dann lieber Roth an der Spitze belassen. Alles andere wird sich dann ohnehin fügen.

Roth ist Parteichefin auf Abruf
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10 Kommentare zu "Kommentar: Der bunte Vogel wird noch gebraucht"

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  • "Der bunte Vogel wird noch gebraucht".
    Richtig, als Beweis dafuer, das die Urwahl uns wochenlang als Meilenstein der deutschen Demokratie verkauft werden sollte.
    Nun wird klar, was die Urwahl in Wahrheit war: eine undemokratische Farce, ein mieses Schmierentheater der Grünen! 75% der Grünen entscheiden sich gegen die vermeintlich sympathische C.Roth (deren Bruellorgie gegen Eckert ist unvergessen). Die Parteiführung aber weiß es besser und erklärt, dass das alles nun auch wieder nicht so ernst gemeint war. Eine für die Spitzenkandidatur als untauglich Befundene ist tauglich, weiterhin die Partei zu führen?
    Ich bin verwundert darueber, wie es ueberhaupt moeglich ist, dass solche - in ihrer geistigen Stabilitaet gefaehrdeten - Personen hochkommen. Es ist einfach nur degeneriert; Deutschland ist in den Augen auslaendischer Politikergroessen ein Witz geworden.

  • Wie kann jemand, der von der Parteibasis abgewatscht und abgewählt wurde, Parteivorsitzende werden? Wie kann Frau R. das mit ihrem demokratischen Gewissen und ihren strengen, bisher allerdings nur an politischen Gegnern angegelegten, Maßstäben vereinbaren. Hat sie nicht schon tausendund einmal den Rücktritt von politischen Gegnern gefordert. Sie beweist diesmal auch dem blödesten und verbohrtesten Grünenwähler, dass sie auch genauso am Sessel verwachsen ist, wie die von ihr Geschmähten. Manchmal haben Lügen sogar in der Politik kurze Beine. Sie sollte doch nun genug Kohle gescheffelt haben, dass sie ihr "bescheidenes" (Die Bunte) Feriendomizil auf einer türkischen Insel geniessen kann: hätte auch was gutes fürs Klima: sie müsste nicht so oft hin und herfahren, würde doch ne Menge CO2 sparen...
    Zum Schluß ans HB: wann taucht CR in der Rubrik ertappt... auf?? Aber ich weiß, sie tun sich bei Grünen sehr schwer, mit wenig Image fördernder, dafür aber wahrer Berichterstattung schwer...

  • Ich finde, gewisse Vögel gehören nur an einen Ort: Auf den Grill! Es gibt Regionen, da sind Papageien - schön durch - eine wahre Delikatesse.
    Im übrigen freue ich mich, dass Frau Claudia systematisch demontiert wird. Neue Wähler mit Trittin hinzugewinnen? Wie ich schon sagte, solange dieser sein sozialistisches Unwesen treibt, werden die Grünen keine wesentlichen Wählerstimmen hinzugewinnen. Trittin als Bundesfinanzminister? Na, den grünen Beamten, die nach A 14 aufwärts besoldet werden, dürften Steuererhöhungen nicht so weh tun. Aber erst einmal müssen Steuereinnahmen erwirtschaftet werden. Von denen, die nicht so viel wie "A 14" verdienen.

  • @AxelSiegler: "nur wieder ein weiterer Beleg für die Männerfeindlichkeit"

    Ist das ein Witz? Jürgen Trettin hat Frauen als das begabtere Geschlecht bezeichnet. Mädchen sind besser in der Schule, haben die besseren Abschlüsse und sind allgemein begabter. (Plenarsitzung vom 9. November 2012 sowie Ansprache nach der Urwahl).

    Aus diesem Grund soll jetzt eine gesetzliche Frauenquote durchgedrückt werden. Wenn die bösen Männer nicht wollen, dann soll (so das vorläufige Wahlprogramm der Grünen für 2013) folgendes gemacht werden:
    - Gleichstellung von Männern und Frauen. Also unabhängig von Leistung, Einsatz, Arbeitszeit, Ausbildung und Erfahrung gleiches Einkommen für Frauen.
    - Verankerung von Frauen als das bessere Geschlecht.
    - Quoten für Managementpositionen.

    Die Grünen sind nicht nur bedingungslos Deutschland- und Wirtschaftsfeindlich, sie sind obendrein bedingungslos Männerfeindlich.

    Aus der Sicht der Grünen sind Männer nur noch dumme Sklaven, die für Frauen zu malochen haben.

    @HB: Über die Urwahl wird ja berichtet. Aber warum nicht die für die augenöffnenden Worte von Jürgen Trettin nach der Wahl? Es sollte sowohl der Wirtschaft als auch den Männern dieses Landes klar gemacht werden, das die Grünen Männer (also die Hälfte der Menschen dieses Landes) als unbegabte Menschen zweiter Klasse ansieht. DAS ist der Skandal und DIESER Skandal wird von den Medien völlig ignoriert.

  • Eine Zensur findet nicht statt. Glaubt und werdet selig.
    Das Papier, wo das steht, ist ohnehin keinen Schuß Pulver wert....
    Aber wieso verlangt man von mir, den täglichen Schlag hinzunehmen, mich zu beleidigen, wenn man mir ständig medial dieses [...] ohne Vorwarnung [...] vor die Nase setzt?
    Also bitte!!!! Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • "Wenn ein Mann führt, darf eine Frau an der Spitze nicht fehlen." .. angesichts bereits praktizierter weiblicher Doppelspitzen ist die Tatsache, dass eine männliche Doppelspitze bei den Grünen quasi per Statuten unterbunden wird, nur wieder ein weiterer Beleg für die Männerfeindlichkeit dieser Gruppierung!
    Ansonsten erspar'ich mir und der Zensur natürlich lieber jeden weiteren Kommentar bzgl diesem Wesen an der grünen Parteispitze!

  • ich weiß nicht, ob es Ihnen ähnlich geht wie mir - aber diese Claudia Roth von den Grünen ist für mich eine wirkliche Zumutung. Vor einigen Tagen Fernsehbilder von ihr: [...]. Claudia Roth und Jürgen Trittin im Doppelpack. Manchmal denke ich mir: Sind Frau Roth und Trittin die Rache "Joschka " Fischer an den Grünen. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Der symptomatische bunte Vogel heisst auf Englisch lame duck...

    Allgemein:

    Es fehlen in der politischen Landschaft überzeugnede Ideengeber, Visionäre. Stattdessen beim gefrusteten Volk ein mir unheimlicher Hang zu Typen wie z.B. K. T. zu Guttenberg oder ein Einknicken vor der Merkel, die sich "alternativlos und systemrelevant" gemacht hat. Warum die Grünen so populär in Städten sind, ist mir ein Rätsel. Intelligenter, frischer Wind merke ich in meiner Grünen-Hochburg nicht und auch nicht im restlichen BW. Aber schlechter machen sie es auch nicht, wahrscheinlich ist aber jede Partei das selbe Grau zumutbar, solange sie sich nicht an zu vielen Stellen aus Machtgeilheit selbst zerfleischt.

    Über die Grünen:

    Trotz des tristen Bildes bringt auch ein gequälter bunter Vogel keine Farbe ins Spiel und ist daher verzichtbar. Echte Inspiration hat Roth für mich nie versprüht und daher ist sie auch für Realos aus dem linken Flügel uninteressant. Mal so richtig den Vogel abgeschossen hat die Roth zumindestens nie, dafür aber, wie es sich offenbar heute gehört (und auch wieder wie bei Raabs Show beobachtet werden durfte), sich immer in den Vordergrund gedrängelt mit markanten, aber letztendlich unwichtigen Worten. Dafür bekommt sie nun eine Menge Geld und das ist leider zu 90 % Realpolitik. Schon paradox, dass Roth wahrscheinlich gegen den Politadel wettert... Das würde ich mir von ernstzunehmenderen Personen wünschen.

  • die kann die wahrheit wohl nicht vertragen

  • Ja, wo ist denn der Artikel "Das war nicht die Abwahl der Parteivorsitzenden" geblieben mit seinen 90% Kommentarlöschungen.
    Der war aber schon sehr unangenehm, liebes HB-Team, was ?

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