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Kommentar Der Deal mit Fiat Chrysler wäre der Sündenfall für Tesla

Fiat Chrysler will offenbar mit Tesla paktieren, um die Klimaziele der EU zu erfüllen. Wirtschaftlich wäre das sinnvoll, doch für das Klima wäre der Deal Gift.
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Der Elektropionier verdient mittlerweile Millionen mit CO2-Zertifikaten. Quelle: AP
Tesla-Chef Elon Musk

Der Elektropionier verdient mittlerweile Millionen mit CO2-Zertifikaten.

(Foto: AP)

Man muss Elon Musk den Klimawandel nicht erklären. Oft genug hat der Tesla-Chef in den vergangenen Jahren selbst öffentlich appelliert, die globale Erwärmung nicht zu unterschätzen.

„Wir spielen ein verrücktes Spiel mit der Atmosphäre und den Ozeanen“, sagte Musk noch 2018 in einem Interview. Weiterhin fossile Energieträger zu verbrennen sei „das dümmste Experiment in der Geschichte der Menschheit“.

Doch glaubt man einem Bericht der „Financial Times“, dürfte Tesla einem Konkurrenten dabei helfen, sein Geschäft mit schmutzigen Verbrennern zu retten. Tesla und Fiat Chrysler (FCA) wollen ihre Autos in Europa durch so genanntes „Pooling“ gemeinsam anrechnen lassen.

Dank der Elektroautos von Tesla könnten die Italiener so ihren Flottenschnitt gesetzeskonform rechnen, denn Elektroautos fließen sogar überproportional in die Berechnung ein. Tesla kassiert dafür Millionen.

Wirtschaftlich wäre das Abkommen eine Win-Win-Situation. Tesla braucht dringend Geld für die Expansion und FCA kann Strafen vermeiden. Denn Fiat Chrysler hat über Jahre viel zu wenig in alternative Antriebe investiert.

„Wenn wir nur noch solche Autos bauen würden, könnten wir in Washington für eine zweite Blitzinsolvenz vorsprechen“, lästerte der mittlerweile verstorbene Konzernchef Sergio Marchionne noch im Jahr 2014 über den elektrischen Fiat 500.

Und so steht Fiat Chrysler beim Flottenschnitt unter allen europäischen Volumenherstellern heute am schlechtesten da. Mit einem Schnitt von 120 Gramm lag der Autokonzern 2018 immer noch weit über den Vorgaben der EU.

Das Ziel im Jahr 2021 werde FCA wohl um 6,7 Gramm reißen, schätzen die Berater von PA Consult. Für jedes Gramm und jedes verkaufte Auto wären 95 Euro fällig. Kurzum: Der Konzern müsste sich auf eine hohe dreistellige Millionenstrafe der EU einstellen – und das jedes Jahr. Diesem Szenario versucht FCA nun durch den Deal mit Tesla zu entgehen.

Für den italienisch-amerikanischen Konzern ist das nur folgerichtig. FCA fehlt das Geld für eine kurzfristige Elektrooffensive im ganz großen Maßstab, wie VW sie betreibt.

FCA-Chef Mike Manley betonte nicht umsonst auf dem Genfer Autosalon, dass sein Konzern den „Weg der geringsten Kosten“ wählen werde. Kurzfristig fehlt den Italienern schlicht die Zeit, um die eigene Klimabilanz zu retten.

Manley erkauft sich nun diese Zeit, doch er braucht auch eine langfristige Idee für den Konzern. Ein Pooling mit Tesla würde vielleicht den Flottenschnitt kurzfristig senken. Doch den CO2-Vorgaben für 2030 würde man damit nicht gerecht.

Offen bleibt, ob Manley seine Doppelstrategie umsetzen kann, sämtliche Marken des Konzerns von Alfa Romeo über Maserati bis zu Jeep zu elektrifizieren – und gleichzeitig am Verbrenner festzuhalten und Millionen an Tesla zu zahlen.

Für Tesla hat sich der CO2-Handel bereits zu einer lukrativen Einnahmequelle entwickelt: In den USA verdient Tesla seit Jahren Geld mit dem Verkauf von Steuergutschriften für Elektroautos an die Konkurrenz.

Ohne die dreistelligen Millionenbeträge, die mit dem Verkauf von so genannten Zero Emission Vehicles (ZEV) Credits in die Kassen von Tesla flossen, hätte der Elektropionier deutlich größere Verluste eingefahren.

Man könnte das Geschäft zwischen Tesla und Fiat Chrysler daher ebenfalls als Beleg für einen gelungenen CO2-Handel werten. Schließlich fließt das Geld von einem schmutzigen zu einem sauberen Hersteller.

Doch ganz so einfach ist es nicht: Denn das Geld aus den Strafen, das in den Ausbau der elektrischen Infrastruktur in Europa fließen könnte, wandert stattdessen in die Kassen von Tesla. Und die Kalifornier werden ihr Geld lieber in den Ausbau ihrer internationalen Produktion stecken als in Ladestationen. Die Motivation, massiv in sein ohnehin schon teures und dichtes Supercharger-Netz in Europa zu investieren, dürfte bei Tesla-Chef Musk wenig ausgeprägt sein.

So sorgt Tesla zunächst vor allem dafür, dass ein Hersteller wie Fiat Chrysler sich freikaufen kann. Heute verdient FCA sein Geld vor allem mit den bulligen SUVs der Marke Jeep, die deutlich mehr Marge abwerfen als die meisten Elektroautos. Diese Klimakiller dürfen nun – dank Tesla – auch in Europa vorerst weiter über die Straßen rollen, ohne Strafen befürchten zu müssen.

Für Elon Musk, der sich mit seinen Elektroautos, Solarzellen und Energiespeicher gerne als Klimaschutz-Prophet inszeniert, ist der Deal darum ein Sündenfall. Statt auf Klimaschutz setzt der Tesla-Chef auf einen Ablasshandel zum eigenen Vorteil.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der Deal mit Fiat Chrysler wäre der Sündenfall für Tesla"

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  • ...da muss ich leider zustimmen...das ist Ablasshandel in rein Kultur...aber da haben die Menschen ja viel Erfahrung drin...und bringt der Natur und damit uns allen so gut wie nichts

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