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Reinhard Grindel

Der frühere DFB-Präsident steht auch nach seinem Rücktritt weiter in der Kritik.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Kommentar Der deutsche Fußball hat ein Problem mit Moral und Management

Nicht erst der Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel zeigt: Den Fußball-Funktionären fehlt beim Umgang mit Geld der ethische Kompass.
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Fußball ist ein attraktiver einfacher Sport. Viele finden es in einer hochkomplexen Welt anregend, über Spielintelligenz zu räsonieren anstatt über „Künstliche Intelligenz“. Die Leidenschaft der Massen ist von daher genauso gut erklärbar wie die mit Fußball verbundenen Exzesse, zum Beispiel die wie in alten Stammeskulturen gepflegten Rituale oder das Zirkulieren immer größerer Geldbeträge.

Weil sich viele mit dem Fußball schmücken, sind immer mehr Millionen im Spiel. Leider ist mit den Finanzen weder die Moral noch das Management-Geschick annähernd mitgewachsen.

Das genau ist das Kernproblem, und es zeigt sich überdeutlich beim Abgang von Reinhard Grindel, dem drei Jahre lang amtierenden Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete fand allen Ernstes nichts dabei, sich eine Armbanduhr von einem schlecht beleumundeten ukrainischen Fußball-Oligarchen schenken zu lassen, deren Wert von 6000 Euro ihn dann komplett überrascht hat.

Auch eine Aufwandsentschädigung über 78.000 Euro für Aufsichtsarbeiten in einer DFB-Tochter hat der Funktionär nicht hinreichend transparent gemacht. Da war Grindel, der nach der zwielichtigen „Sommermärchen-Affäre“ als großer Aufräumer kam, nicht mehr zu halten, zumal er mit den Kommunikationserfordernissen der heutigen Zeit auch noch auf Kriegsfuß stand.

Der DFB-Präsident a.D. ist der Typus Fußballakteur, den die Eitelkeit auf die Bühne treibt, dem dabei aber der Kompass im Umgang mit materiellen Vorteilen fehlt. Solches Fehlverhalten ist in dieser Branche öfter zu sehen. Wem die Stunde schlägt: Auch „Armbanduhren-Affären“ hat es schon gegeben, etwa bei Karl-Heinz Rummenigge, dem CEO des Rekordmeisters FC Bayern München.

Dessen Präsident Uli Hoeneß wiederum ließ sich vom seinerzeitigen Adidas-Chef 20 Millionen Mark für private Spekulationsgeschäfte geben, obwohl der Sportkonzern zugleich Trikotsponsor des Vereins war. Richtig untersucht wurde das Ganze nie. Es erschien als Nebenthema von Hoeneß’ Steuerproblemen.

Es ist nicht zu verhehlen, dass der Fußball ein Compliance-Problem hat. Viele wirtschaftliche Transaktionen, etwa bei Spielertransfers, laufen nun mal verdeckt. Umso mehr ist bei den Verantwortlichen Offenheit und Schulung nötig.

Der DFB aber gibt aktuell an der Spitze ein schlechtes Beispiel. Und gefährdet mit dem Tapsigkeits-Management sogar die Gemeinnützigkeit. Ex-Chef Grindel darf nicht noch im Nachhinein beglückt werden, indem er für eine halbe Million Euro Salär weiter in Gremien der internationalen Verbände Uefa und Fifa sitzen darf. Auch im Fußball verbinden sich Lohn und Leistung, per Doppelpass sozusagen.

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