Deutsche Bahn

Die Bundesregierung hat den „Deutschlandtakt“ auf der Schiene durchgesetzt.

(Foto: dpa)

Kommentar Der „Deutschlandtakt“ ist ein weiterer Schritt zur staatsgelenkten Eisenbahn

Der „Deutschlandtakt“ ist nicht nur ein teures Unterfangen. Er ist auch der Abschied vom Wettbewerbsgedanken.
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Zehn Jahre hat es gebraucht, eine vermeintlich revolutionäre Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Die Bundesregierung setzt den „Deutschlandtakt“ auf der Schiene durch. Ab 2030 sollen alle Züge passgenau an den Stationen eintreffen, sodass Anschlüsse mühelos (und garantiert) erreicht werden. Das Motto lautet: jede Stunde, jede Richtung.

Nach langem Kampf und kontroversen Diskussionen, ob so etwas überhaupt in Deutschland geht, ist Erleichterung zu spüren. Zumal mit dem Taktfahrplan endlich auch wieder eine positive Perspektive für die Eisenbahn verkauft werden kann. In diesen Zeiten ein wichtiger Punkt. Noch nie waren Fernzüge so unpünktlich wie heute, noch nie der Gütertransport auf der Schiene so unzuverlässig.

In dieser Euphorie geht allerdings unter, dass der Eisenbahn gerade eine Art Systemwechsel verordnet wird. Vereinfacht gesagt fahren Züge demnächst nicht mehr nach Bedarf, sondern nach einem straffen Taktfahrplan. Ohne Rücksicht darauf, wann Kunden fahren wollen. Es wird ein künstlich modellierter Angebotsfahrplan. Ob Passagiere um zehn Uhr dreißig von Cuxhaven nach Braunschweig wollen, das ist egal. Der Zug fährt, weil der Takt es so vorgibt.

Angebot soll Nachfrage schaffen

Das kann man – politisch – als wünschenswertes Mobilitätsangebot an die Bürger verstehen, nach der Devise: Angebot wird schon Nachfrage schaffen. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Deutschlandtakt der Abschied vom Wettbewerbsgedanken und von Flexibilität auf der Schiene ist. Dann wird erst recht kein Flixtrain mehr antreten, der seine algorithmische Planung an Kundenwünschen, nicht an Taktplänen ausrichtet.

Unwirtschaftliche Strecken wird der Staat dann subventionieren müssen. So, wie er es heute schon mit jährlich acht Milliarden Euro im Nahverkehr macht. Das kann man so wollen – und auch so machen. Aber niemand sollte sich anschließend beschweren, dass der Deutschlandtakt eine teure Angelegenheit für den Steuerzahler geworden ist.

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