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Kommentar Der Dieselskandal ist kein rein deutsches Phänomen mehr

Im Abgasskandal standen die deutschen Autohersteller im Mittelpunkt. Doch die Razzia bei Mitsubishi zeigt, dass die gesamte Branche ein Diesel-Problem hat.
22.01.2020 - 13:16 Uhr Kommentieren
Auch bei dem vergleichsweise kleinen Autohersteller, der im vorigen Jahr in Deutschland gerade einmal gut 50.000 Autos verkauft hat, soll es Software-Manipulationen an Dieselfahrzeugen gegeben haben. Quelle: imago images/Rainer Unkel
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Auch bei dem vergleichsweise kleinen Autohersteller, der im vorigen Jahr in Deutschland gerade einmal gut 50.000 Autos verkauft hat, soll es Software-Manipulationen an Dieselfahrzeugen gegeben haben.

(Foto: imago images/Rainer Unkel)

Der Dieselskandal schien bislang ausschließlich ein deutsches Phänomen zu sein. An erster Stelle steht natürlich die Volkswagen AG, die im Herbst 2015 als erster großer Hersteller mit seinen millionenfachen Software-Manipulationen aufflog. Und zumindest für die USA mit seinen strengeren Abgasnormen hatte der Wolfsburger Konzern ganz offen einen Betrug zugegeben und Milliarden Euro dafür bezahlt.

Dann kam später der Daimler-Konzern dazu. Die Stuttgarter bestreiten zwar jede Manipulation und betonen regelmäßig, dass sie sich stets im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen bewegt hätten. Doch Daimler steckt im Dauerclinch mit dem Bundesverkehrsministerium und den Aufsichtsbehörden, die die Vorgänge deutlich anders sehen.

Die Premiummarke Mercedes wird deshalb in regelmäßigen Abständen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu Rückrufen gezwungen. Die Kosten dafür gehen mittlerweile ebenfalls in die Milliarden.

Der Abgasskandal ist genauso ein Thema für die Zulieferer, allen voran für Bosch. Wie Daimler bestreitet auch der Bosch-Konzern jede Schuld, doch Geld kostet die Affäre trotzdem. In den USA hat sich der Zulieferer auf einen Vergleich mit Privatklägern eingelassen, für den Bosch gut 300 Millionen Euro aufbringen musste.

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    Also alles nur ein deutsches Problem? Mitnichten. Am Dienstag bekam die Deutschlandniederlassung des japanischen Herstellers Mitsubishi Motors Besuch von ermittelnden Staatsanwälten und der Polizei. Der Verdacht: Auch bei dem vergleichsweise kleinen Autohersteller, der im vergangenen Jahr in Deutschland gerade einmal gut 50.000 Autos verkauft hat, soll es Software-Manipulationen an Dieselfahrzeugen gegeben haben.

    Es ist nicht der erste Hinweis darauf, dass es auch bei ausländischen Herstellern größere Probleme mit dem Diesel gibt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wollte schon im Herbst 2018 insgesamt 16 ausländische Marken zu Dieselrückrufen zwingen, rund 1,3 Millionen Importfahrzeuge standen auf der Liste des Ministeriums – und Mitsubishi war auch dabei.

    Im Fokus standen damals auch andere japanische, koreanische und französische Hersteller. Ziemlich genau vor einem Jahr hat es Fiat-Chrysler erwischt. In den USA zahlte der italienisch-amerikanische Konzern 800 Millionen Dollar im Rahmen eines Vergleichsverfahrens wegen möglicher Dieselmanipulationen.

    Alle diese Beispiele zeigen allzu deutlich auf, dass die Manipulationen am Diesel ein größeres Branchenproblem sind. Fast alle Autohersteller haben den gesetzlichen Spielraum ausgenutzt, dass ihre Fahrzeuge nur auf dem Prüfstand die vorgegebenen Emissionsgrenzen einhalten mussten. Was später im Realbetrieb auf der Straße passierte, interessierte viele Hersteller herzlich wenig. Weil sie natürlich auch wussten, dass die Aufsichtsbehörden auf der Straße nicht mehr so genau hinschauen würden.

    Deutsche Hersteller stehen nicht mehr allein am Pranger

    Zum Glück hat es den Dieselskandal bei Volkswagen gegeben. Diese erste Abgasaffäre hat allen Beteiligten die Augen geöffnet: Wie in der Vergangenheit konnte es nicht mehr weitergehen, vor allem auf der Straße mussten die Emissionswerte deutlich heruntergebracht werden. Die Aufsichtsbehörden lassen größere Diskrepanzen zwischen Test- und Straßenwert heute nicht mehr zu.

    Die Aufdeckung der Manipulationen hat allerdings Zeit gekostet und Jahre sind inzwischen vergangen. Doch auch die Justizbehörden mussten erst dazulernen: Emissionen und Grenzwerte bei Autos waren für ermittelnde Staatsanwälte ein völlig neues Feld. Deshalb konzentrierten sich die Untersuchungen zunächst vor allem auf die eigenen, auf die deutschen Hersteller.

    Die Ermittlungen gegen Mitsubishi machen deutlich, dass die Behörden nun auch gewillt sind, gegen die ausländischen Hersteller vorzugehen. Die Hinweise auf die Manipulationen könnten am Ende sogar von deutschen Herstellern gekommen sein.

    Denn sowohl in Wolfsburg als auch in Stuttgart wurde in vertraulichen Gesprächen regelmäßig darauf hingewiesen, dass es durchaus Probleme bei den Importeuren gebe. Insofern könnte sich bei den deutschen Herstellern jetzt das Gefühl durchsetzen, dass es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit gibt – weil sie nicht mehr allein am Pranger stehen.

    Vielleicht hätten die Staatsanwälte bei den Importeuren etwas schneller ermitteln können, das mag sein. Viel wichtiger ist es, dass sie überhaupt mit ihren Ermittlungen bei den ausländischen Herstellern haben. Es könnte sehr gut sein, dass Mitsubishi kein Einzelfall bleibt und dass in den kommenden Wochen noch weitere Ermittlungen bei anderen Herstellern bekannt werden.

    Die Staatsanwälte leisten damit einen wertvollen Hygienebeitrag für die gesamte Automobilbranche. So mancher aus der Industrie, der in der Vergangenheit getrickst und getäuscht hatte, dachte vielleicht, er würde irgendwie unbeschadet aus der Sache herauskommen. Ein Hinweis auf Wolfsburg würde genügen, dort hatte doch alles angefangen, dort sitzen die wahren Schuldigen. So könnte die Taktik bei anderen Herstellern ausgesehen haben.

    Doch das stimmt eben nicht. Ja, Volkswagen hat einen schweren Betrug begangen. Gesetzesverstöße und Manipulationen hat es aber auch andernorts gegeben.

    Mehr: Gegen den japanischen Autobauer besteht der Verdacht, illegale Abschalteinrichtungen verbaut zu haben. Auch Continental-Standorte wurden durchsucht.

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