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Kommentar Der digitale Stellungskrieg zwischen den USA und China droht das Netz zu spalten

Beide Länder liefern sich ein Wettrennen um die globale Technologieführerschaft. Das erste Opfer könnte das gemeinsame Internet werden.
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5G-Internet in der Wüste – Richard Branson finanziert OneWeb-Raketen

Diese Woche ließ das amerikanische Unternehmen Oneweb die ersten sechs von mehreren Hundert Satelliten ins All schießen, um die ganze Welt mit einem kostengünstigen Internet zu versorgen. Die Idee eines gemeinsamen World Wide Web ist so alt wie das Internet selbst.

Die Vision von Oneweb kollidiert jedoch mit einem Trend, der die digitale Welt auf Dauer spalten könnte: China und der von den USA geführte Westen rüsten sich für einen Kalten Technologie-Krieg, dessen erstes Opfer ein gemeinsames globales Internet sein wird.

Eine Spaltung der Technosphäre würde auch die Ambitionen von weltweit agierenden Internetplattformen wie Google und Facebook zunichtemachen. Schon heute ist das Internet nicht so weltumspannend, wie viele glauben.

Chinas „Great Firewall“ sorgt seit Jahren dafür, dass die Dienste von Google, Facebook und Twitter von den staatlichen Zensoren im Reich der Mitte geblockt werden. Das hat dazu geführt, dass chinesische Hightech-Größen wie Tencent (WeChat), Baidu und Alibaba hinter der chinesischen Digitalmauer wachsen und florieren konnten.

Zwei Entwicklungen verschieben jedoch jetzt die Front zwischen den digitalen Welten: Mit dem Telekomausrüster Huawei dringt ein chinesisches Unternehmen ins Nervenzentrum der westlichen Technosphäre ein. Im Streit über den Aufbau des superschnellen 5G-Mobilfunknetzes geht es auch darum, wo die Demarkationslinie zwischen der östlichen und westlichen Tech-Welt verlaufen soll.

Zumal China gleichzeitig versucht, seine Technologie und die autoritäre Kontrolle darüber auf seiner digitalen Seidenstraße weltweit zu exportieren. So hat zum Beispiel Tansania das chinesische Modell übernommen und eine staatliche Kontrolle des Internets aus Gründen der nationalen Sicherheit angeordnet.

Der Westen hat lange über solche Nadelstiche hinweggesehen, war man doch nach dem Untergang der Sowjetunion überzeugt, dass liberale Demokratien qua Naturgesetz konkurrierenden Gesellschaftsordnungen technologisch und wirtschaftlich überlegen seien.

Bei Schlüsseltechnologien herrscht bereits Augenhöhe

Die digitale Revolution scheint jedoch die Gesetze des Kalten Krieges außer Kraft gesetzt zu haben: Erstmals gibt es mit China ein Gegenmodell zur liberalen Demokratie, das beim Kampf um die globale Technologieführerschaft die Nase vorn haben könnte. Bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung sind die Chinesen bereits auf Augenhöhe mit dem Westen.

Da die Techno-Kommunisten in Peking sich um den Schutz der Privatsphäre ihrer Bürger kaum kümmern, können sie ungestört die Daten von 1,4 Milliarden Menschen sammeln und auswerten. Im Silicon Valley sieht man darin einen Wettbewerbsnachteil, denn Google und Co. sind hier Grenzen gesetzt. Wohl auch deshalb haben die Amerikaner ihrerseits Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit zu einer Allzweckwaffe im Wettrennen um die globale Technologieführerschaft gemacht.

Das berüchtigte „Committee on Foreign Investment into the United States“ (CFIUS) hat den Abwehrkampf gegen Chinas Einfluss verstärkt und ist zur politischen „Firewall“ der USA geworden. Im vergangenen Jahr untersagte CFIUS die Übernahme des US-Chipherstellers Qualcomm durch den Konkurrenten Broadcom aus Singapur. Zudem zeigt das aggressive Vorgehen der US-Justiz gegen die Tochter des Huawei-Gründers, dass hier inzwischen alle Mittel recht sind.

Westliche Technologieunternehmen geraten immer stärker zwischen die Fronten des neuen Kalten Tech-Krieges. Als Google kürzlich darüber nachdachte, mit einer staatlich zensierten Suchmaschine nach China zurückzukehren, gab es wütende Proteste der Mitarbeiter. Dem Projekt Dragonfly droht jetzt eine Bruchlandung.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg liebäugelt zwar seit Jahren damit, seine Plattform nach China zu bringen. Nach den jüngsten Datenskandalen ringt das soziale Netzwerk jedoch um das Vertrauen seiner weltweit mehr als zwei Milliarden Nutzer. Ein Kniefall vor den Daten-Autokraten in Peking wäre im Moment geschäftlicher Selbstmord.

Das Problem für Global Player wie Google, Facebook und Co. ist, dass sie in zwei so unterschiedlichen Technosphären nicht mit einheitlicher Botschaft operieren können. Während die chinesischen Machthaber unter Datenschutz vor allem den Schutz der Bevölkerung vor politisch unliebsame Daten verstehen, geht es hierzulande um den Schutz der Privatsphäre vor Unternehmen und dem Staat.

Selbst innerhalb des westlichen Tech-Lagers ist man sich längst nicht mehr einig: Während Apple und Microsoft sich als Wächter von Privatsphäre und digitaler Selbstbestimmung profilieren, beharren Facebook und Google auf ihrem Geschäftsmodell, das von der exzessiven Auswertung der Nutzerdaten lebt.

Dass Deutschland in dem digitalen Stellungskrieg zwischen China und den USA nach einer Mittlerrolle sucht, ist zwar aller Ehren wert. Solange die Bundesrepublik jedoch ein technologisches Leichtgewicht bleibt, wird sie auch im neuen Kalten Krieg kaum mehr als ein Frontstaat sein.

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