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Kommentar Der drastische NordLB-Umbau schwächt Deutschland auf den Weltmeeren

Niedersachsens Landesbank NordLB trennt sich von ihren meist faulen Schiffskrediten. Für viele deutsche Reedereien hat das unangenehme Folgen.
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Mit dem Rückzug der Schiffsbanken schrumpft die deutsche Flotte nun voraussichtlich weiter. Quelle: dpa
Containerschiffe im Hamburger Hafen

Mit dem Rückzug der Schiffsbanken schrumpft die deutsche Flotte nun voraussichtlich weiter.

(Foto: dpa)

Mit dem Sonntag beschlossenen Rettungsprogramm der NordLB, so steht zu befürchten, droht Deutschlands Überseeflotte ein weiterer Ausverkauf. Für 2,7 Milliarden Euro trennt sich Niedersachsens Landesbank von ihren meist faulen Schiffskrediten, deren Wert mit über sieben Milliarden Euro in den Büchern stand. Erwerber ist dem Vernehmen nach der US-Finanzinvestor Cerberus.

Für viele Reedereien an Deutschlands Küste, die zu den Schuldnern der Hannoveraner zählten, hat das voraussichtlich unangenehme Folgen. Sollten die Schiffsbetreiber ihre Kredite weiterhin nicht ausreichend bedienen – 90 Prozent der NordLB-Schiffskredite gelten als „non-performing loans“ –, könnte der neue Gläubiger die Außenstände kurzerhand fällig stellen.

In vielen Fällen wären die Reedereien dann gezwungen, die Frachter zu verkaufen, und zwar mehrheitlich nach Griechenland, China oder in die USA, wo Wettbewerber mit noch genügend Kaufkraft bereitstehen.

Dabei gilt dies nicht nur für die 263 von der NordLB finanzierten Schiffe. Auch die einst ländereigene HSH Nordbank, die sich nach dem Verkauf an Cerberus und JC Flowers nun „Hamburg Commercial Bank“ nennt, bereinigt ihr Portfolio von 250 meist faulen Schiffskrediten. Deutschlands Frachterflotte, die 2011 noch weltweit ein Drittel aller Container transportierte, steht damit ein weiterer Aderlass bevor.

Schon seit 2011 sackte die Zahl ihrer Schiffe von 3.784 auf 2.359, weil sich nach Hunderten Pleiten sogenannter Schiffs-KGs keine Geldgeber mehr fanden. Mit dem Rückzug der Schiffsbanken schrumpft die Flotte nun voraussichtlich weiter.

Keine Frage: Der drastische Umbauplan der NordLB schwächt Deutschland auf den Weltmeeren. Aber den Alarm, den der Verband Deutscher Reeder schon seit Wochen schlägt, können womöglich nur die eigenen Mitgliedsfirmen verstehen. Für fast alle anderen ergab der teilweise bis heute politisch geförderte Flottenaufbau wenig Sinn.

Mit der sogenannten Tonnagesteuer verzichtete der Bundesfinanzminister auf einen Großteil üblicher Unternehmensabgaben, gleichzeitig stellte er deutsche Schiffsbesatzungen von der Lohnsteuer frei und erließ ihren Arbeitgebern die Sozialabgaben. Die maritime Wirtschaft, schätzen Experten, wird somit durch eine halbe Milliarde Euro jährlich an Subventionen über Wasser gehalten.

Nur wozu? Weil heimische Reeder den staatlichen Erleichterungen zum Trotz auf noch billigere Crews von den Philippinen oder Sri Lanka setzen, sank die Zahl deutscher Seeleute auf unter 7 000. Jeden deutschen Arbeitsplatz auf See subventioniert der Steuerzahler mit mehr als 70.000 Euro jährlich – die Kreditverluste der Landesbanken noch nicht einmal mitgerechnet.

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