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Kommentar Der Edeka-Chef zeigt Weltkonzernen ihre Grenzen auf

Der wirtschaftliche Erfolg gibt Markus Mosa Rückenwind, um sich gegen Konzerne wie Nestlé zur Wehr zu setzen. Das eröffnet Mittelständlern Chancen.
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Edeka: Markus Mosa zeigt Weltkonzernen ihre Grenzen auf Quelle: dpa
Markus Mosa

Der Edeka-Chef legt sich mit der Industrie an.

(Foto: dpa)

Edeka-Chef Markus Mosa spricht nicht oft öffentlich, aber wenn er es tut, dann deutlich. Am Dienstag bei der Bilanzvorlage war es wieder so weit: Er sehe nicht ein, dass der Handel dafür zahlen solle, wenn internationale Konsumgüterkonzerne ihren Börsenkurs verbessern wollten, die Übernahmekonstrukte von Finanzinvestoren refinanzieren oder Herstellern dabei helfen sollten, sich gegen feindliche Übernahmen zu rüsten.

Damit holzte er in einem Schwung gegen mächtige Lieferanten wie Nestlé, Kraft-Heinz und Unilever. Edeka ist derzeit der kraftstrotzendste deutsche Lebensmittelhändler im Armdrücken mit den Markenherstellern. Der Marktführer geht weiter als in früheren Jahren, um seinen Lieferanten Grenzen aufzuzeigen.

Es ist das richtige Vorgehen, denn die Markenhersteller haben in den vergangenen Jahren die Gewichte zu sehr in Richtung ihrer eigenen Marken verschoben.

Edeka will Discountern Marktanteile abnehmen

Edeka kann in diesem Spiel auf seinen wirtschaftlichen Erfolg bauen, der sich auch im vergangenen Jahr wieder zeigte. Um rund drei Prozent erhöhte sich der Umsatz auf 53,6 Milliarden Euro. Großen Anteil an dem Erfolg haben die selbstständigen Kaufleute, die mit ihren lokal angepassten Ideen und Sortimenten derzeit den zentral geführten Discountern Marktanteile abnehmen.

Firmenchef Mosa weiß aber, dass diese Erfolgsphase schnell beendet werden kann. Dass die Verbraucher verstärkt bei den Edeka-Kaufleuten und nicht beim Discounter einkaufen, hat auch konjunkturelle Gründe. Denn durch die steigenden Einkommen der Verbraucher ist ein „Gönn dir“-Trend entstanden, der sich im Abschwung schnell wieder drehen kann.

Ungewiss bleibt zudem, ob der Onlinehandel mit Lebensmitteln härtere Konkurrenz bringt. Zwar glaubt Mosa selbst nicht daran, dass Edeka dieses Geschäft profitabel betreiben kann, und beschränkt daher die mit den Tengelmann-Märkten übernommene Plattform Bringmeister weiterhin auf Berlin und München. Doch gerade deshalb muss er auf Attacken von Angreifern wie Amazon mit viel Spielgeld vorbereitet sein.

Edeka will daher beweisen, dass seine Märkte preiswert sind. 2018 hat Mosa dafür auch selbst gestaltete Sortimente wie Obst und Gemüse billiger gemacht. Bald könnten Eigenmarken weiter im Preis sinken, weil Edeka seine europäische Einkaufsgemeinschaft Agecore auch für europaweite Ausschreibungen für Standard-Eigenmarken nutzen will. Zugleich warnt Mosa: Marken dürften nicht allzu viel teurer sein als die No-Names.

Für diese Botschaft setzt Mosa auf spektakuläre Präzedenzfälle. Er demonstriert Durchhaltevermögen gegen die Industrie. So lässt er derzeit von gleich zwei Herstellern große Mengen von Ketchup produzieren, um mit der selbst geschaffenen Marke „Papa Joe‘s“ die führende Marke Heinz zu ersetzen, die Preiserhöhungen verlangt hatte.

Edeka könne auch scheinbar unverzichtbare Marken durch andere Marken oder Eigenkreationen ersetzen, lautet die abschreckende Botschaft an andere Hersteller. In diesem Sinn hatte Edeka im Verbund mit Agecore zuletzt auch Nestlé mit Auslistungen zugesetzt.

Junge Unternehmer werden gestärkt

Inzwischen merken die großen Markenhersteller selbst, dass sie es mit der Jagd nach Rendite übertrieben haben. Auf breiter Front kündigen sie Mehrausgaben für das Marketing an, um ihre Marken wieder attraktiver zu machen. Das ist ein Punktsieg des Handels, der erfolgreich Alternativen stärkt.

Edeka etwa bietet jungen Unternehmen die Chance, in sein Programm Foodstarter aufgenommen zu werden. Edeka-Kaufleute können ihre Sortimente so bundesweit um Nischenmarken bereichern. Dabei macht Edeka transparent, welche Marken tatsächlich laufen. Mosa will sich sogar an erfolgreichen jungen Herstellern beteiligen – und so das Innovationsgeschäft, das die renditehungrigen Konzerne vernachlässigt haben, in die eigene Hand nehmen.

Mit seinem aggressiven Kurs schafft Mosa so Chancen für Gründer und Mittelständler, die in früheren Jahren drohten zwischen den Weltmarken und den Handelsmarken zerrieben zu werden. Zusätzlichen Platz in den Regalen bieten ihnen zwei neue Edeka-Konzepte: Mosa treibt seine Pläne, unter der Marke des Hamburger Händlers Budni bundesweit selbstständige Drogeriemärkte zu eröffnen, unbeirrt voran – obwohl es langsamer vorangeht als zunächst gedacht.

In Hamburg eröffnet im Sommer ein erster Laden des neuen Bio-Supermarktkonzepts Naturkind, der Vorbild für etliche weitere sein soll. Beides schafft Chancen für neue Lieferanten. Der aggressive Kurs zeigt: Edeka kann sich auch nach der Tengelmann-Übernahme nicht auf seiner Größe ausruhen.

Das ist ein ermutigendes Zeichen dafür, dass der Markt funktioniert. Der Discount macht Edeka weiterhin Druck. Das verhindert übertriebene Renditen bei Handel und Herstellern – und eröffnet so Chancen für kreative junge Lebensmittelhersteller ebenso wie für Mittelständler, die lange im Schatten der Weltmarken standen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der Edeka-Chef zeigt Weltkonzernen ihre Grenzen auf"

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  • Ich sehe darin weniger ein "ermutigendes Zeichen, dass der Markt noch funktioniert" als ein Zeichen, wie weinig "der Markt", also der Wettberwerb mittels echter Leistung statt Manipulationen jeder Art andernorts bereits nicht mehr funktioniert. Edeka mag ein noch Überlebender Dinosaurier dieser gesünderen Wettbewerbs- und Finanzkultur sein, die echte Innovation beförderte und den Interessenausgleich zwischen "oben" und "unten" besser vermittelte und die gerade in Deutschland vergleichsweise gut funktionierte. Diese wird aber durch die Protagonisten eines arrogant-menschenfernen globalisierten, finanzkapitalistischen Zeitgeistes der auch in deutschen Eliten zur beherrschenden Strömung wurde, immer mehr zum Fraß vorgeworfen. Insofern ist es leider nur eine Frage der Zeit, wann Herr Mosa diesem auch zum Opfer fällt.

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