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Kommentar Der eigene Vorstoß der Autobauer zum 5G-Netz ist der richtige Weg

Die heimische Industrie braucht schnelle Netze – sie braucht 5G. Netzbetreiber sollten den Plan der Autokonzerne unterstützen, statt ihn auszubremsen.
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NRW-Ministerpräsident Laschet (links) und Vodafone-CEO Ametsreiter starten gemeinsam im 5G Mobility Lab den Verkehr der Zukunft. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Autonomes und vernetztes Fahren

NRW-Ministerpräsident Laschet (links) und Vodafone-CEO Ametsreiter starten gemeinsam im 5G Mobility Lab den Verkehr der Zukunft.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Der neue Echtzeitmobilfunk 5G hat die Chance, unsere Wirtschaft nachhaltig zu verändern. Die deutschen Autobauer haben sich bei dem Thema lange zurückgehalten. Sie forderten lediglich von den Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica, sich um eine flächendeckende Versorgung zu kümmern, damit selbstfahrende Autos künftig schnell, sicher und mit hohem Komfort überall unterwegs sein können. Doch das allein reicht nicht.

Denn 5G ist nicht nur an Autobahnen und Landstraßen wichtig. Vor allem bei der Vernetzung von Fabriken ist der neue Standard elementar. Daher ist es richtig, dass BMW, Daimler und Volkswagen jetzt Pläne zum Aufbau lokaler Netze auflegen.

Den Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica gefällt das naturgemäß gar nicht. Sie warnen vor einer Zersplitterung des deutschen Mobilfunkmarkts. Schließlich werden für die lokalen Netze Frequenzen reserviert, die sonst für den flächendeckenden 5G-Ausbau in Deutschland zur Verfügung stünden. Das Argument mag richtig sein. Andererseits bieten lokale Netze einige Vorteile, die den Nachteil überwiegen.

5G kann der Turbo für die Industrie 4.0 werden. Eine vernetzte Produktion entfaltet ihre volle Leistung erst, wenn eine sichere Datenübertragung in Echtzeit möglich wird. Produktionsroboter können ohne Verzögerung gesteuert werden. Und das nicht nur in einer Produktionshalle, sondern über eine ganze Anlage, möglicherweise sogar über mehrere Standorte hinweg. Logistik, Qualitätskontrolle, Endfertigung – alles kann in Echtzeit digital vernetzt und gesteuert werden. 5G bietet als neue Mobilfunkgeneration die Leistungen, die die Industrie 4.0 benötigt.

Die deutschen Autobauer sind in einer guten Lage, um jetzt zukunftsweisende Anwendungen für eine vernetzte Produktion auf Basis von 5G zu entwickeln. Die dürften die Herstellung der Fahrzeuge kostengünstiger und schneller machen. Sie werden gleichzeitig als Blaupause für ähnliche Anwendungen an anderen Standorten und sogar in anderen Branchen dienen.

Die Experimente mit 5G stehen am Anfang, aber sie gehen nun richtig los. Die Autobauer können nicht warten, bis andere das System errichten. Sie müssen handeln. Firmen, denen es heute gelingt, sinnvolle und ökonomisch lukrative Fallbeispiele für den Einsatz von 5G zu entwickeln, winken in Zukunft interessante neue Geschäftschancen.

Das Potenzial des neuen Standards sollten auch die Netzbetreiber erkennen. Doch die tun sich damit erkennbar schwer. Sie setzen Netzwerkausrüster wie Nokia, Ericsson oder Huawei unter Druck, nicht mit den Autobauern zusammenzuarbeiten. Sie führen sich als die Herren der Netze auf – und schränken damit kritische und lebensnotwendige Infrastruktur ein.

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Die Strategie ist nicht nur falsch, sie wird auch scheitern. Die Autokonzerne sind mit ihren 5G-Plänen nur die „Vorhut“. Auch für andere Konzerne wie etwa Siemens dürften die schnellen Netze attraktiv sein. Auch sie werden selbst initiativ werden, wollen und müssen doch alle ihre Produktion optimieren.

5G bietet große Chancen für die Wirtschaft

Telekom, Vodafone und Telefónica sollten sich deshalb als Partner der Industrie positionieren. Sie sollten versuchen, gemeinsam mit den Autobauern und anderen Industrieunternehmen Lösungen für deren Anforderungen an 5G zu entwickeln. Bislang bieten sie derartige Pakete nur begrenzt an.

Das Verhalten der Netzspezialisten mag verständlich sein. Die Netzbetreiber wollen selbst die Kontrolle über die Netze behalten und allenfalls Firmenkunden Bereiche reservieren. Doch die Anbieter sollten nicht vergessen, dass sie Dienstleister sind. Als solche sollten sie Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kunden – hier der Industrie – haben.

Es gibt gute Gründe, etwa einem BMW-Konzern selbst die Hoheit über ein lokales 5G-Netz zu überlassen. Es ist zum Beispiel nachvollziehbar, dass Unternehmen schon allein aus Sicherheitsgründen kritische Infrastruktur selbst steuern wollen.

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Gleichzeitig bietet ein solcher Ansatz auch Chancen für die Netzbetreiber. Im Gegenzug für mehr Rechte am Netz könnte BMW und Co. zum Beispiel eine höhere Gebühr in Rechnung gestellt werden. Hinzu kommt das Erschließen neuer Geschäftsbereiche.

Im Idealfall gibt es eine lukrative Dreierkonstellation: Die Industrieunternehmen definieren klar ihre Anforderungen und entwickeln ein Geschäftsmodell. Die Netzwerkausrüster stellen die nötige Technik bereit. Und Telekom, Vodafone oder Telefónica bringen sich mit ihrem Fachwissen zum Netzbetrieb ein. Eine Paketlösung ließe sich sogar international verkaufen. Vieles ist denkbar. Doch dafür muss jetzt mit der Arbeit begonnen werden.

5G bietet große Chancen für die Wirtschaft. Noch weiß niemand so genau, welche neuen Anwendungen möglich werden. Am weitesten ist die Industrie 4.0. Hier sind die Gewinne an Effizienz offensichtlich. Gerade deshalb sollten Industrie und Netzbetreiber jetzt gemeinsam marschieren. Dann können sie auch gemeinsam die Früchte ernten.

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