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Kommentar Der Eigensinn der deutschen Regierung bei Nord Stream 2 ist riskant

Kritik an Nord Stream 2 kommt aus den USA, der Ukraine – und nun auch aus Frankreich. Es rächt sich, dass die Bundesregierung nicht von Anfang an ihre europäischen Partner eingebunden hat.
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An der Verlegung von Nord Stream 2 gibt es heftige Kritik anderer Staaten. Quelle: Nord Stream 2 / Axel Schmidt
Pipeline im Bau

An der Verlegung von Nord Stream 2 gibt es heftige Kritik anderer Staaten.

(Foto: Nord Stream 2 / Axel Schmidt)

Energie verleiht Macht, schon unsere Vorfahren erkannten dies, als sie lernten, das Feuer zu beherrschen. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren großen Aufwand betrieben, diese Urzeiterkenntnis vergessen zu machen.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit verkündete Berlin, dass eines der wichtigsten Energieprojekte des Landes mit Machtfragen rein gar nichts zu tun habe, sondern eine rein unternehmerische Angelegenheit sei.

Es geht, natürlich, um die Gaspipeline Nord Stream 2 – ein Vorhaben, das die Europäische Union spaltet und den strategischen Interessen des Kremls dient, zugleich aber auf wundersame Weise unpolitisch sein soll.

Selten hat sich die Bundesrepublik außenpolitisch so fahrlässig verhalten wie in dieser Frage, allen Warnungen zum Trotz. Wenn Deutschlands Nachbarn sich übergangen fühlen, die Ukraine sogar um ihre nationale Sicherheit fürchtet, wenn die Amerikaner drohen, die Dänen murren und selbst die Franzosen auf Distanz gehen, dann ist das Nord-Stream-2-Projekt höchst politisch – nichts anderes.

Die Bundesregierung betont gern, wie wichtig ihr internationale Kooperation ist und wie viel ihr an Europa liegt. Eine Allianz der Multilateralisten will sie sogar schmieden. Doch sobald eigene Interessen berührt sind, bedient sich Deutschland lieber einer Allianz der Willigen. George W. Bush lässt grüßen.

Österreich, die Niederlande und Belgien halten gemeinsam mit Deutschland an den Pipelineplänen fest – und doch: Innerhalb Europas stehen die Befürworter des Projekts zunehmend allein. Jetzt rächt sich, dass die Bundesregierung nicht von Anfang an all ihre europäischen Partner eingebunden hat, auch jene, die Bedenken hatten.

Die US-Regierung, die eine Rückkehr zum Nationalismus propagiert, wittert die Gelegenheit, Europa zu spalten. Berlin macht es ihr leicht.

Es gibt zweifellos gute Gründe für Nord Stream 2: Pipelinegas ist günstig, amerikanisches Flüssiggas zu teuer. Die Fördermengen in Großbritannien und den Niederlanden gehen zurück. Ohne zusätzliche Lieferungen aus Russland kann die Energiewende nach deutscher Art, die das Kunststück vollführen soll, gleichzeitig auf Kohl- und Kernkraft zu verzichten, womöglich nicht gelingen.

Auch ist die Angst übertrieben, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Russland zu geraten – viel eher ist Russland von europäischen Devisen abhängig.

Doch in einer Zeit, in der die Nato vor russischen Marschflugkörpern warnt und ein neues Wettrüsten bevorstehen könnte, ist die Frage durchaus berechtigt, ob es klug ist, dem Kreml zusätzliche Einnahmen zuzuführen. Mit diesen Sorgen hätte sich Berlin auseinandersetzen müssen – anstatt die Mär von einer unpolitischen Energiepolitik zu verbreiten.

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5 Kommentare zu "Kommentar: Der Eigensinn der deutschen Regierung bei Nord Stream 2 ist riskant"

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  • Der Widerstand gegen NorthStream2 ist nicht weniger als ein Angriff auf die Souveränität Deutschlands. Wie soll den das alles klappen? Energiewende, Kohleausstieg, Atomausstieg mehr Elektromobilität. Mit Flüssiggas von Trump? Na dann wünsche ich dem Industriestandort Deutschland viel Erfolg. Nach meiner Einschätzung ist Northstream2 unsere Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Northstream2 macht uns zum autarken Rohstoffgiganten. Das gefällt natürlich nicht jedem. Northstream2 ist Angela Merkels letzter Kampf und ihr Vermächtnis.

  • @Edelgard Kah: Ich glaube Sie überschätzen die Stärke der Russen gewaltig. Um die Weltherrschaft mit den USA streiten? So stark sind die Russen längst nicht mehr. Der Kampf um die Weltherrschaft wird zwischen den USA und China gefochten. Na und zum Frieden... Wer hat denn den INF-Vertrag als erster verlassen?
    Die Sehenden sind es nicht, die sich für sehend halten, immer nur die Blinden.

  • Man kann das auch anders sehen: Macron fällt seiner "Freundin" Merkel in den Rücken, ihm geht es nur darum, Deutschland ökonomisch zu schaden und die französische Atomindustrie zu stärken.

  • Sehr geehrter Herr Koch,

    ich stimme mit Ihren Ausführungen völlig überein. Von ausschlaggebender Bedeutung scheint mir, dass die 30 zurückliegenden Jahre eines friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens mit Rußland zu Ende gegangen sind. Wie einst zu Zeiten des Kalten Krieges hat sich der russische Präsident in eine Auseinandersetzung mit den USA um die Vorherrschaft auf unserem Planeten begeben.

    Also Rüstungswettlauf wie nach dem 2. Weltkrieg, mit russischen Atomwaffen, russischen Raketen und noch mehr russischen Raketen. Sie bedrohen auch die NATO-Verbündeten der Amerikaner, also auch Deutschland. Sollen wir die Augen davor verschließen? Einfach immer mehr und noch mehr russisches Gas kaufen? Damit Putin Geld hat, die europäischen Hauptstädte mir einem Knopfdruck zu vernichten?

    Nur die allerdümmsten Kälber, suchen sich ihren Metzger selber.

  • Sehr geehrter Herr Koch, was ist denn das für ein Kommentar? Die Aussage, dass Nord Stream 2 eine politische Entscheidung sei... Was soll denn Deutschland Ihrer Meinung nach tun? Einen seit Jahrzehnten zuverlässigen Energielieferanten vor den Kopf stoßen und stattdessen die amerikanische Frackingsoße kaufen?! Wäre das etwa keine politische Entscheidung? Ich glaube nicht, dass man hier aus politischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen eine Entscheidung getroffen hat. Eigensinn der deutschen Regierung halte ich für eine überzogene Beurteilung. Die USA um Don Trump verhält sich seit einiger Zeit auch nicht gerade partnerschaftlich und Frankreich beordert seinen Italien-Botschafter zum Gespräch. Frau May und das Brexit-Theater... Da braucht es von Ihrer Seite aus nicht noch einen Kommentar, der noch mehr Öl ins Feuer gießt. Dies ist natürlich meine eigene, subjektive Sicht, die die Ihre halt nicht teilt...

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