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Kommentar Der Erfolg von Airbnb an der Börse zeigt die Zukunft des Reisemarktes auf

Digitaler, flexibler, individueller: Das Geschäftsmodell des Vermittlungsdienstes Airbnb bewährt sich in der Krise. Der Tourismusmarkt wandelt sich grundsätzlich.
11.12.2020 - 17:31 Uhr Kommentieren
Besonders das flexible und dezentrale Preissystem der Reiseplattform bewährt sich. Quelle: AP
Airbnb-Werbung auf der Videowand der Nasdaq

Besonders das flexible und dezentrale Preissystem der Reiseplattform bewährt sich.

(Foto: AP)

Wie kann das sein? Mitten in der Coronakrise geht Airbnb an die Börse. Trotz Beherbergungsverboten und Reisewarnungen erzielte das US-Unternehmen eine Rekordbewertung von 87 Milliarden Dollar. Der Kurs schnellte am Donnerstag, dem ersten Handelstag, extrem nach oben. Auch am Freitag liegen Airbnb-Aktien im Plus.

Traditionelle Reiseanbieter kommen aus dem Staunen nicht heraus. Tui beispielsweise besitzt eine Marktkapitalisierung von rund drei Milliarden Euro. Der weltgrößte Reisekonzern wird von Aktionären mit spitzen Fingern angefasst. Dass Tui viel mehr Umsatz als Airbnb erzielt, interessiert sie wenig.

Was zählt, ist das Geschäftsmodell. Airbnb ist in der Investorensprache „asset light“, ist anders als Tui keine Verträge mit Hotels, Fluglinien oder Kreuzfahrt-Anbietern eingegangen. Die hängen wie Bleigewichte an den Reiseveranstaltern.

Bei Airbnb müssen die Umsatzeinbrüche vor allem die Vermieter von Häusern, Wohnungen und Zimmern tragen. Es zeigen sich die Vorteile einer Plattform, mit der Airbnb digital und flexibel auf die Krise reagieren kann. Der Umsatz brach im jüngsten Quartal zwar ein, aber deutlich weniger als bei Hotelketten, Reiseveranstaltern oder Online-Reiseportalen.

Ein Rückblick auf die vergangenen Monate zeigt die Stärken von Airbnb. Erst kam der Corona-Schock im März und April dieses Jahres, die Buchungen fielen ins Bodenlose.

Die Menschen buchen in der Heimat

Dann aber segmentierte sich die Nachfrage. Die sogenannten „grenzüberschreitenden Vermietungen“, also Buchungen von Kunden aus einem anderen Land als dem des Vermieters, blieben weiter schwach. Dafür schnellten inländische Buchungen nach oben – die Menschen verbrachten ihre Ferien in der Heimat.

Auch flüchteten die Menschen überall in der Welt aus der Stadt. Um der Ansteckungsgefahr durch Corona zu entfliehen, mieteten viele Häuser oder Wohnungen auf dem Land. Dominierten zuvor kurzfristige Buchungen von wenigen Tagen, gewannen Buchungen von mehr als 28 Tagen stark an Beliebtheit.

In gewisser Weise profitiert sogar Airbnb von dem Coronavirus. Die eigenen vier Wände im Urlaub zu haben, das wollen in Corona-Zeiten besonders viele Menschen. Anders als im Hotel ist man unter sich und meidet mögliche Ansteckungsorte wie das Frühstücksbüfett.

Besonders bewährt sich das flexible und dezentrale Preissystem von Airbnb. Auf dem Land oder in Stadtnähe nutzten die Vermieter von Häusern oder Wohnungen die Gunst der Stunde – und hoben die Mietpreise an. Ein Beispiel: Mit 5,4 Millionen Buchungen für 28 Tage oder länger kletterte die Anzahl der Langzeitvermietungen im vergangenen September um 23 Prozent nach oben. Der Bruttoumsatz von Airbnb stieg in der Kategorie aber um ganze 50 Prozent, was sich durch höhere Mieten erklären lässt.

Die Netzwerklogik

Der Erfolg erleichtert den Erfolg – die Netzwerklogik spielt Airbnb in die Hände. Die guten Umsätze ziehen neue Anbieter auf das Portal, was den Kunden gefällt und für mehr Buchungen sorgt. Das wiederum ist attraktiv für Vermieter, die mehr Häuser oder Wohnungen anbieten. Ein fortlaufender, sich selbst verstärkender Effekt, den Investoren lieben.

Airbnb ist dennoch nicht frei von Problemen. Die Vermieter schätzen das Portal, nutzen es aber immer mehr zur Kundenakquise, um bei nachfolgenden Vermietungen auf andere Websites mit günstigeren Konditionen auszuweichen. Auch ist unklar, wie stark das neu angestoßene Geschäft von „Experiences“ im Urlaub wie Kochkurse oder Stadtführungen funktioniert – Airbnb hält hier seit einigen Jahren mit den Zahlen hinter dem Berg.

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Aber Wachstumsfantasien gibt es genug. Anders als soziale Netzwerke wie Facebook oder Fahrdienste wie Uber ist Airbnb auch in China vertreten – und hegt dort ambitionierte, wenn auch kritikwürdige Wachstumspläne. Im vergangenen Jahr warf der eigens eingestellte „Vertrauenschef“ des Unternehmens das Handtuch. Der frühere FBI-Agent war nicht damit einverstanden, wie viele Daten Airbnb mit China teilte – das Unternehmen gab laut dem „Wall Street Journal" nicht nur die Telefonnummer und Adresse der Gäste weiter, sondern auch deren Nachrichten untereinander.

Das mag Datenschützer empören, gefällt aber den Aktionären insgeheim. Es zeigt die Bereitschaft von Airbnb, sich in dem lukrativen Markt etablieren zu wollen. In dem Börsenprospekt bezifferte das Unternehmen den potenziellen Markt in Asien auf ganze 1,5 Billionen Dollar.

Airbnb gelang es, eine Schwäche in eine Stärke zu verwandeln. Corona prüfte die Widerstandskraft seines Geschäftsmodells und zeigt, wohin die Reise im Tourismus der Zukunft geht. Der Reisende will mühelos und individuell buchen, erwartet Flexibilität und digitale Erstklassigkeit. Damit lassen sich Milliarden verdienen, wie der Börsengang von Airbnb allen vor Augen führt.

Mehr: Risiken, Einstiegschancen, Wachstum: Was Anleger zum Börsengang von Airbnb wissen müssen.

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