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Kommentar Der Erfolg von Elizabeth Warren sollte den Milliardären zu denken geben

Diese Frau bringt sogar Milliardäre zum Weinen: Wohlhabende wie Bill Gates rebellieren gegen die Steuerideen der US-Präsidentschaftskandidatin. Doch sie tun sich damit keinen Gefallen.
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Elizabeth Warren: Die Frau, die Milliardäre zum Weinen bringt Quelle: AP
Elizabeth Warren

Bei den Ideen der US-Präsidentschaftskandidatin zur Vermögensteuer für Ultra-Reiche weinen die Milliardäre.

(Foto: AP)

New York Es kommt nicht oft vor, dass Hedgefonds-Manager im US-Börsensender CNBC mit den Tränen ringen. Doch Leon Cooperman konnte die Emotionen einfach nicht mehr kontrollieren. Die politische Richtung des Landes „liegt mir wirklich am Herzen“, sagte der Milliardär Anfang November mit zitternder Stimme. Er wolle ja mehr Steuern zahlen. Doch die Vermögenssteuer von Elizabeth Warren gehe einfach zu weit.

„Ich muss mir von ihr nicht sagen lassen, dass ich ein Versager bin und dass Milliardäre generell Versager sind. Milliardäre zu Feinden zu machen ergibt keinen Sinn“, stellte er klar. Schon seit September zofft er sich öffentlich mit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin, die mit radikalen Vorschlägen gegen die Ungleichheit zwischen Arm und Reich Wählerstimmen sammelt.

Seit seinem Auftritt damals bei CNBC ist der Streit noch eskaliert, von dem Warren profitieren will. Am Mittwoch schaltete sie einen Werbespot, der für ihre Vermögenssteuer wirbt.

Darin prangert sie Cooperman genauso an wie den früheren Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, und Tech-Investor Peter Thiel, der mit den Worten zitiert wird: „Ich habe am meisten Angst vor Elizabeth Warren.“ Zudem verkauft sie in ihrem Shop eine Kaffeetasse, auf der in großen Buchstaben „Milliardärstränen“ steht.

Schon seit Anfang des Jahres diskutiert Amerika, ob es die Reichen des Landes stärker besteuern soll. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hatte die Debatte kurz vor dem Treffen der Wirtschaftselite in Davos ins Rollen gebracht. Seitdem ist sie nicht mehr einzufangen. Eine Reihe von Milliardären zeigte sich durchaus bereit, höhere Steuern zu zahlen.

Ray Dalio etwa, der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater und Star-Investor Warren Buffett fordern das bereits seit Jahren. Auch Bill Gates hätte im Prinzip nichts dagegen. Doch bislang waren es vor allem einfache Lippenbekenntnisse.

Warren jedoch wird konkret. Ihr Plan sieht unter anderem vor, Vermögen von über einer Milliarde Dollar mit sechs Prozent zu besteuern. Das sorgt auch bei anderen Milliardären für heftige Reaktionen.

Microsoft-Gründer Bill Gates etwa stellte auf einer Konferenz in New York klar, dass er mehr Steuern als jeder andere gezahlt habe, insgesamt gut zehn Milliarden Dollar. Zwar sei auch er bereit, mehr zu zahlen, aber das habe Grenzen. „20 Milliarden Dollar ist noch okay, aber bei 100 Milliarden fange ich an, mich zu fragen, wie viel ich dann noch übrig habe“, sagte er im Scherz. Gates‘ Vermögen wird auf rund 107 Milliarden Dollar geschätzt.

Amerikas Wohlhabende tun sich mit der Kritik an Warren keinen Gefallen

Ob er lieber Warren oder lieber US-Präsident Donald Trump wählen würde? Dieser Frage wich Gates lieber aus. Er wähle den Kandidaten „mit dem professionelleren Ansatz“, sagte er lediglich und sorgte damit für Kritik.

Auch hier nutzte Warren den Moment. Sie ließ einen Steuerrechner programmieren, mit der jeder Milliardär ausrechnen kann, wie viel Steuern er zahlen müsste, wenn sich ihr Vorschlag durchsetzt.

Die Reaktionen sind verständlich: Cooperman und Co. wollen weder einen konservativen noch einen demokratischen Populisten im Weißen Haus sehen und sehnen sich nach einem „Kandidaten, der das Land vereint“, wie es Cooperman formulierte.

Doch sie tun sich mit ihrer lauten Kritik an Warren keinen Gefallen. Sie signalisieren, dass sie eigentlich doch nichts am Status quo ändern wollen.

Seit Jahrzehnten ruhen sich Amerikas Wohlhabende darauf aus, dass sie zwar oft weniger Steuern zahlen als Arbeiter der Mittelschicht, dafür aber viel spenden. „Ich habe allein in diesem Jahr mehr gespendet als Warren in ihrem ganzen Leben“, gab Cooperman jüngst zu bedenken und sprach damit etwas aus, was in den Zirkeln der Macht lediglich hinter verschlossenen Türen angesprochen wird: Wer viel an die Gesellschaft zurückgibt, darf auch bei vielen Dingen mitentscheiden.

Der Erfolg von Warren und ihrem Mitstreiter Bernie Sanders sollte den Milliardären jedoch zu denken geben. Die Schere zwischen Reich und Arm ist so groß wie nie zuvor.

Zwar brummt der Jobmarkt, doch die Qualität der Jobs ist schlecht. 40 Prozent der Amerikaner haben nicht genügend Ersparnisse, um ungeplante Ausgaben von 400 Dollar oder mehr stemmen zu können, wie aus einer Umfrage der US-Notenbank hervorgeht. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Krankenversicherung und Bildung deutlich an, während die Löhne kaum angezogen sind.

Die Milliardäre um Cooperman versteifen sich derzeit darauf, Warren auf die verschiedenste Weise zu kritisieren. Sicher, alle seien bereit, höhere Steuern zu zahlen, doch nicht so, wie von Warren vorgeschlagen.

Auch müsse ja noch darüber diskutiert werden, wofür das Geld überhaupt verwendet wird. Warrens teurer Plan für eine gesetzliche Krankenversicherung findet unter dem obersten einem Prozent nicht viele Anhänger.

Doch die Demokratin schafft es geschickt, alle Angriffe für sich zu nutzen. Statt sie zu attackieren, wären konstruktive Vorschläge gefragt oder einfach Zurückhaltung. Im Moment hat sie das Momentum auf ihrer Seite.

Mehr: US-Präsidentschaftsanwärterin Elizabeth Warren kritisiert Facebook wegen fehlender Faktenchecks. Nun sorgt sie demonstrativ mit einer Lüge per Anzeige für Aufsehen.

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