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Kommentar Der Fall Boeing zeigt, warum ein CEO nicht auch der Chefaufseher sein sollte

Dennis Muilenburg konnte als Chef und Chefaufseher in Personalunion straff durchregieren. Es ist richtig, dass Beoing die Allmacht seines CEO nun begrenzt hat.
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Widerstand gegen Muilenburgs Entscheidungen war nur schwer möglich. Quelle: Reuters
Dennis Muilenburg

Widerstand gegen Muilenburgs Entscheidungen war nur schwer möglich.

(Foto: Reuters)

Der Verwaltungsrat von Boeing hat dem CEO Dennis Muilenburg den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden weggenommen. Das ist auch richtig so. Nach den zwei Abstürzen und den andauernden Problemen bei der 737 Max war es geradezu absurd, dass er Chef und Chefaufseher in Personalunion war.

Wie bei viel zu vielen Unternehmen in den USA hatte auch der Chef des Flugzeugbauers den Posten des CEOs und den des Chairman of the Board inne. Damit kontrollierte er sich im Verwaltungsrat also im Prinzip selbst. Das garantiert schon strukturell keine ausreichende Kontrolle der Unternehmensführung. Und Kontrolle ist derzeit das wichtigste Stichwort in der aktuellen Boeing-Krise.

Wie sich nach den zwei verheerenden Abstürzen zeigte, fehlte es auf verschiedenen Ebenen an der richtigen, unabhängigen Kontrolle. Das gilt nicht nur für die Kontrolle von Boeing durch die Luftfahrtaufsicht FAA: Das gilt auch für das Unternehmen selbst.

Da Muilenburg in Personalunion als CEO und Chairman herrschte, konnte er ohne große Diskussionen straff durchregieren. Wenn die Personen an der Spitze kaum noch Widerspruch, geschweige denn echte Kontrolle erfahren, sind Fehler fast vorprogrammiert.

Bei Boeing führte das Konstrukt auch zu einem weiteren schwerwiegenden Fehler im System: Whistleblower konnten sich zwar an einen Auditausschuss wenden, der mit externen Boardmitgliedern besetzt werden muss. Aber der Ausschuss ist dem Board unterstellt und damit direkt dem CEO.

Es gab kaum Widerstand

Hinzu kommt, dass das Board bei Boeing vor allem mit Vertretern mit Erfahrung in der Finanzbranche und der Politik besetzt ist. Dazu gehört etwa die ehemalige US-Botschafterin in der Uno, Nikki Haley. Aber bis auf den Ex-Continental-Chef gibt es erstaunlich wenige Mitglieder mit Erfahrung in der Luftfahrt. Da ist nicht viel fachlicher Widerstand zu erwarten.

Einige Aktionäre hatten schon vor fünf Monaten versucht, CEO Muilenburg zumindest seinen Chairman-Posten zu entziehen. Allerdings ohne Erfolg. Nun ist sogar der von Muilenburg geführte Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen, dass es so nicht weiter geht.

Der Umgang mit der Krise war ein einziges Desaster. Mangelnde Kommunikation, Informationen, die nur stückweise und meist von Whistleblowern über die Medien an die Öffentlichkeit gelangen, immer neue Aufschübe der neuen Software und damit der Rückkehr in die Luft der aktualisierten 737 Max.

Erst diese Woche hatte Muilenburg in New York noch einmal beteuert, dass Sicherheit für Boeing und ihn an erster Stelle steht. Er erzählte, dass er schon zwei Testflüge mit der neuen 737 Max geflogen sei und dass das Flugzeug noch im vierten Quartal wieder fliegen soll. Nur wenige Tage danach kündigen sowohl American Airlines als auch United an, dass sie die 737 Max bis Januar nicht einplanen.

Auch das zeigt: Das Vertrauen in Boeing und den CEO ist mehr als angeknackst. Ihm seine Allmacht zu nehmen ist ein guter, erster Schritt.

Mehr: Die 737-Max-Krise setzt dem Airbus-Rivalen schwer zu und bringt auch das Management massiv unter Druck. Nun gibt es personelle Konsequenzen.

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