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Kommentar Der Fleischpreis ist nicht das Problem

Die CDU hat viele Vorschläge, um Fleisch teuer zu machen. Das könnte allerdings den Fleischfabrikanten nützen, während Tiere und Arbeiter weiter leiden.
30.06.2020 - 12:12 Uhr 1 Kommentar
Teuer muss nicht besser sein. Quelle: dpa
Schweinefleisch beim Metzger

Teuer muss nicht besser sein.

(Foto: dpa)

Das Wort hört sich schon schmutzig an. Billigfleisch. Es klingt nach zähem Kotelett, nach Geschmacksverstärkern in der Marinade, nach einem Grillabend, bei dem man besser gar nicht erst aufgetaucht wäre. Die Bilder von unwürdig gehaltenen Schweinen und das Wissen über katastrophale Bedingungen für die Arbeiter bestätigen: Es stimmt etwas nicht mit der Fleischproduktion. So sollte es nicht weitergehen. Sich gegen Billigfleisch auszusprechen, ist für Politiker relativ leicht.

Die Vorschläge, die dazu gemacht werden, sind allerdings teilweise abenteuerlich und setzen aus ökonomischer Sicht an der völlig falschen Stelle an. „Fleisch soll keine Luxusware für Reiche werden“, sagt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, „aber auch keine Alltagsramschware.“ Als wäre Billigfleisch schlecht, weil es wenig kostet und nicht, weil zu seiner Produktion Mensch und Tier ausgebeutet werden.

Klöckner tut so, als müsse sie nur den Preis für Fleisch anheben, damit sich an der Fleischproduktion etwas ändert. Aber das stimmt nicht. Übrigens macht es für Schwein und Schlachter auch keinen Unterschied, ob ein Steak beim Metzger oder im Discounter liegt.

Fleisch ist eine Ware, die zwischen Unternehmen und Privatpersonen gehandelt wird. Wenn der Staat sich in die Preisgestaltung solcher Waren einmischt, sollte man hellhörig werden. Politiker, vor allem aus der CDU schlagen gerade allerlei Maßnahmen vor, die Preise anzuheben. So hat der Unions-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus Einzelhändler aufgefordert, auf Werbung mit billigen Fleischprodukten zu verzichten. Das könnte tatsächlich dazu führen, dass die Preise leicht steigen.

Aber wohin fließt das zusätzliche Geld? In größere Ställe und bessere Löhne? Das ist unwahrscheinlich. Solange es erlaubt ist, werden die Fleischproduzenten mit ihren Methoden weitermachen und sich schlicht darüber freuen, dass sie mit ihrer schlechten Ware mehr Gewinn machen.

Auch, dass Klöckner nun eine „Tierwohlabgabe“ auf Fleisch einführen möchte, geht am Ziel vorbei. Das Geld aus der Abgabe soll bessere Haltungsbedingungen finanzieren. Aber solange bessere Haltungsbedingungen nicht vorgeschrieben sind, ist es fraglich, ob sich wirklich etwas ändert.

Schlauer wäre es darum, dort anzusetzen, wo das Problem besteht: Bei den Arbeitsbedingungen und den Haltungsformen. Zu beidem gibt es in Deutschland Gesetze mit detaillierten Vorgaben, an die sich Unternehmen halten müssen.

Die Bedingungen für Mensch und Tier zu verbessern, bedeutet für den Gesetzgeber manchmal nur, eine Zahl auszutauschen. Dann steht ein Ferkel nicht mehr auf einem halben, sondern auf einem Quadratmeter. Auch manche Zucht- und Schlachtmethode ließe sich verbieten. Die Bio-Produzenten machen ja vor, dass es auch anders geht.

So schnell sich ein neues Gesetz schreiben ließe, so aufwändig wäre es für die Produzenten, es zu befolgen. Sie müssten zum Beispiel mehr Ställe bauen oder ihre Produktion senken. Dann noch Fleisch ins Ausland zu exportieren, würde schwierig werden. Und auch auf dem deutschen Markt würde sich etwas ändern: Die Preise würden unweigerlich steigen.

Für Fans von billigen Würstchen ist das keine gute Nachricht. Aber immerhin bekommen sie für ihr Geld ein Produkt, das unter nicht ganz so unmenschlichen Bedingungen hergestellt wurde.

MehrWie Kühlanlagen Fleischfabriken zu Infektionsherden machen können.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Der Fleischpreis ist nicht das Problem"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • völlig richtiger Kommentar! Die öffentliche Hand/der Staat ist dafür da Richtlinien zu erlassen und deren Einhaltung sicherzustellen (Gülleverordnung, Tierwohl, Antibiotikaeinsatz, Werksverträge etc.), der private Sektor sorgt innerhalb dieser Vorgaben für maximale Effizienz. Wir sehen hier ein Versagen des Staates sowohl bei den Richtlinien als auch bei deren Kontrolle und Sicherstellung. Das muss sich ändern. Der Preis wird sich dann marktwirtschaftlich einpendeln.

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