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Kommentar Der Frieden wäre zu teuer erkauft

Der Prozess zwischen der Deutschen Bank und Medienunternehmer Leo Kirch samt Rechtsanwälten und Erben scheint kein Ende finden zu wollen. Doch nur für den lieben Frieden darf der Vorstand des Instituts nicht nachgeben.
27.02.2012 - 07:24 Uhr Kommentieren
Peter Köhler

Peter Köhler leitet das Banken-Team.

Der seit zehn Jahren schwelende Rechtsstreit zwischen dem Medienunternehmer Leo Kirch, seinen Rechtsanwälten, seinen Erben und der Deutschen Bank hat alle Beteiligten restlos zermürbt. Man wünscht sich eine Art reinigendes Gewitter, das der Schlammschlacht aus immer neuen Klagen, Gegenklagen und juristischen Fallstricken ein Ende bereitet. Das gilt auch für die Medien, die einen Vergleich schon so gut wie in trockenen Tüchern sahen.

Aber der Vorstand der Deutschen Bank ist gut beraten, wenn er jetzt nicht einknickt, nur um der kommenden Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen Anfang Juni einen unbelasteten Neustart zu ermöglichen. Ein Vergleich lässt sich in der Öffentlichkeit vielleicht gut verkaufen, nach dem Motto: Seht her, wir vertragen uns, die Deutsche Bank kann auch anders. Aber der Preis dafür ist zu hoch, denn die Risiken könnten eher noch zu- als abnehmen. Schließlich wird sich jeder Aktionär fragen, warum das größte deutsche Geldhaus auf einmal von seiner Linie abrückt und nicht mehr darauf beharrt, dass der frühere Vorstandschef Rolf-E. Breuer mit seinen wenigen Sätzen zur Kreditwürdigkeit Kirchs dessen Untergang nicht besiegelt hat.

Gerade den angelsächsischen Investoren und ihren Aktienrechts-Kanzleien müsste man dann erklären, warum hier nicht Aktionärsgeld verschleudert worden ist. Zumal es ja offenbar ein Gutachten von PwC gibt, das eine Überschuldung der Kirch-Gruppe zum Zeitpunkt des Breuer-Statements konstatiert hat. Und: Richtig ist zwar, dass das Oberlandesgericht München zum Vergleich geraten hat, aber letztlich ist das auch nur eine Etappe in der juristischen Fehde - ein höchstrichterliches Urteil ist es nicht. Der scheidende Konzernlenker Josef Ackermann hat gesagt, man werde sich dort vergleichen, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Ansonsten werde man sich mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen. Fast eine Milliarde Euro - inklusive aller Anwalts- und Verfahrenskosten - für wenige Sätze in einem Interview macht zumindest für den gesunden Menschenverstand wenig ökonomischen Sinn.

Fitschen und Jain laufen bei einem überhasteten Vergleich des Vorstands Gefahr, in den Verdacht der Untreue zu geraten, wenn es auch nur einen Hauch von Zweifel gibt, ob der Preis von rund 800 Millionen Euro wirklich angemessen ist. Warum sollten sie sich das antun? Und warum sollte der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit solch einem Erbe seinen Kontrollposten beziehen?

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    Deshalb wird die Deutsche Bank jetzt am besten zweigleisig fahren. Erstens: den Gesprächsfaden nicht ganz abreißen lassen - denn ein neuer Kompromiss zu einem deutlich niedrigeren Preis würde die Hauptversammlung vermutlich absegnen. Zweitens: die harte Linie weiterverfolgen. Wenn sie davon überzeugt ist, im Recht zu sein, dann darf sie das letzte, ultimative Urteil nicht scheuen.

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