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Kommentar Der Fußball hält nicht, was er verspricht

Nicht das Coronavirus ist das Problem der Deutschen Fußball-Liga, sondern ihr ausgedientes Geschäftsmodell. Die Politik sollte sich bei Hilfen zurückhalten.
01.05.2020 - 10:17 Uhr 1 Kommentar
Die Coronakrise setzt die Deutsche Fußball-Liga unter Druck. Quelle: AP
Bayern-Spieler Thomas Müller

Die Coronakrise setzt die Deutsche Fußball-Liga unter Druck.

(Foto: AP)

Der deutsche Profifußball durchlebt Wochen des Grauens. Die Coronakrise gefährdet nicht nur den Spielbetrieb, sondern auch die wirtschaftliche Basis vieler Klubs. Vor allem zeigt sich: Die Bundesliga ist nicht das wert, was für sie gezahlt wird.

Das ist die eigentlich alarmierende Nachricht – und nicht die aktuelle Mitteilung aus der Politik, dass es mit dem Neustart zum 9. Mai nichts wird und die Liga noch ein wenig warten muss. Bund und Länder wollen verständlicherweise erst später beurteilen, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt.

Das ist die eine frustrierende Nachricht für die Fußballbranche. Die andere kommt aus dem Fernsehmarkt, dem in der Krise wichtige Werbeerlöse wegbrechen.

Die Finanzen der Liga hängen nun einmal im Wesentlichen von der Bereitschaft von TV-Anstalten ab, für Übertragungsrechte immer mehr zu zahlen. Doch die aktuelle sofortige Sonderkündigung von Eurosport, begründet mit den Corona-Wirren, ist der letzte Beweis, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hier weit mehr versprochen hat, als zu halten war.

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    Ökonomisch hat sich die exklusive Live-Verbreitung der Freitagsspiele der Liga für Eurosport so wenig gelohnt, dass man zunächst Sublizenzen für den Multimediadienst Dazn einräumte – und nun ganz aussteigt. Damit könnte auch Dazn nicht mehr übertragen.

    System der guten Hoffnung bricht zusammen

    Offenbar ist es so, dass die DFL-Fernsehverträge solche Sonderkündigungsrechte wegen „höherer Gewalt“ einräumen, auch Seuchen werden allem Anschein nach erwähnt. Wenn das stimmt, ist es umso unverständlicher, dass sich die Liga nicht gegen Seuchen versichert hat – und auch keine ausreichenden Rücklagen für Katastrophenfälle bildete.

    Die ganze Fußballökonomie ähnelt einem primitiven Umlagesystem, das die hochgejazzten Fernseherlöse sofort für immer teurere Transfers von Profispielern umleitet, ohne dass die Sender ihre Investitionen refinanzieren können. Dieses System der guten Hoffnung bricht nun vor unseren Augen zusammen.

    Geradezu virtuos hat DFL-Chef Christian Seifert in 15 Jahren die Medienerlöse durch ein geschicktes Auktionsverhalten immer wieder nach oben getrieben. Es fand sich immer einer, der den Illusionszauber mitmachte, mal eine Kabelfirma, mal die Telekom, immer auch der Münchener Pay-TV-Betrieb Sky Deutschland (vorher Premiere). Aber selbst hier, beim Treusten der Treuen, hat der Fußball als Wachstumstreiber ausgedient.

    Die Zahl der vollzahlenden Abonnenten geht zurück, ist zu hören, operativ fallen angeblich Verluste an. Dass Sky nun der Liga mit einer Vorauszahlung von 230 Millionen Euro hilft, lassen sich die Münchener offenbar an anderer Stelle teuer bezahlen: mit einem neuen Vierjahresvertrag von der Saison 2021/22 an. Das ist eine Art Junktim. Darüber wird offiziell im Sommer entschieden.

    Doch schon jetzt erscheint klar, dass es allem Anschein nach weder einen fairen Wettbewerb um die Rechte gibt, noch der alte Automatismus greift, dass mit jeder Rechte-Runde das Umsatzniveau weiter nach oben schießt.

    Dem mittelständischen Betrieb DFL mit einem Gesamtumsatz von mehr als vier Milliarden Euro ist es zuletzt gelungen, seine schlechte Bilanzlage zur Schicksalsfrage der Nation zu machen.

    Diese Causa – Kicken oder Nicht-Kicken – spaltet die Nation. Jedenfalls dürften sich die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder mit ihrer frühzeitigen Einschätzung, am 9. Mai könnte schon wieder gespielt werden, zu weit aus dem Fenster gelehnt haben.

    Strategisches Dilemma

    Bund und Länder wollen definitiv erst am 6. Mai darüber entscheiden. Allenfalls ein Starttermin 16. Mai, vermutlich aber 23. Mai, scheint realistisch.

    Die um die 230 Millionen Euro von Sky buhlende DFL ist dabei in einem strategischen Dilemma. Entweder die anberaumten Geisterspiele ohne Zuschauer sind so fade, wie zu befürchten ist, was einer Schädigung des Produkts und einer Entzauberung des Fußballs gleich käme.

    Oder aber die alte Faszination wirkt doch bei einer größeren Gruppe von Fans, die sich dann in Kneipen oder vor Stadien treffen würden, um einen Blick auf Mannschaftsbus und Spieler zu werfen.

    Mit „Social Distancing“, wie überall in der Republik praktiziert, hat das nichts zu tun. Die Polizei müsste eine Art Bannmeile sichern – alles im kommerziellen Interesse einer Fußballliga, die nach einem neuen Kompass sucht. Das ist auch der nachvollziehbare Grund, warum sich die Deutsche Polizeigewerkschaft gegen eine Fortführung der Saison ausspricht.

    Wie man es auch dreht und wendet: Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das präpotente Auftreten von Fußballmanagern wie dem Dortmunder Hans-Joachim Watzke, der Kritiker eines neuen Saisonstarts abbügelt, ändert nichts daran, dass die DFL sowohl Geschäft als auch Geschäftsmodell einbüßt.

    Die Politik sollte sich bei Hilfen für eine Branche zurückhalten, die erst einmal beweisen muss, dass sie zu nachhaltigem Wirtschaften in der Lage ist.

    Mehr: Merkel vertagt Entscheidung – und die Bundesliga schmort weiter.

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Der Fußball hält nicht, was er verspricht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das Volk gesundet nicht, wenn es Fussball im TV sieht, sondern im aktiven Breitensport !
      Dafür sollte sich der Deutsche Fußball einsetzen - nicht für schwindelerregende Profi-Gagen ...

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